Deutsche-Bank-Chef Sewing warnt vor Extremisten als Investitionsrisiko
Christian Sewing sieht in den Wahlerfolgen von AfD und Linkspartei eine ernste Gefahr für ausländische Investitionen und Deutschlands Wirtschaftswachstum.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat in einem Interview mit der Bild-Zeitung eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen des Erstarkens politischer Extremisten in Deutschland gewarnt. Die jüngsten Landtagswahlen, bei denen sowohl die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) als auch die Linkspartei erhebliche Zugewinne verzeichneten, stellten nach Sewings Einschätzung ein „erhebliches Risiko" für den Wirtschaftsstandort Deutschland dar.
Sewing machte deutlich, dass ausländische Investoren nicht zwischen einzelnen Bundesländern und Deutschland als Ganzem unterscheiden. „Man kann von einem ausländischen Investor nicht erwarten, dass er sofort zwischen einer Landesregierung und Deutschland als Ganzem unterscheidet. Es wird als Deutschland als Ganzes wahrgenommen, und ich denke, aus der Sicht eines Investors ist das verständlich", sagte der Bankchef gegenüber der Bild. Diese Wahrnehmung könne dazu führen, dass Kapital und Fachkräfte dem Land fernbleiben – mit langfristigen Folgen für das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft.
Die Details
In Sachsen-Anhalt erzielte die AfD – die von regionalen Verfassungsschutzbehörden als rechtsextremistisch eingestuft wird – beinahe eine absolute parlamentarische Mehrheit. Im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern ging die Partei als stärkste Kraft aus der Wahl hervor. Ökonomen warnen bereits seit Längerem, dass das einwanderungskritische Programm der AfD ausländische Fachkräfte und globales Kapital abschrecken könnte.
In Berlin erzielte die Linkspartei ein starkes kommunales Ergebnis. Im Wahlkampf hatte sie versprochen, die explodierenden Wohnkosten durch die Enteignung von Wohnimmobilienbeständen großer gewerblicher Vermieter zu bekämpfen. Auch dieses Programm sieht Sewing als investitionsfeindlich an. „Ob es nun Sachsen-Anhalt mit der AfD ist oder das, was hier in Berlin passiert, es ist alles andere als förderlich für das Wirtschaftswachstum", so der Deutsche-Bank-Chef. „Und es ist alles andere als investitionsfreundlich."
Sewing formulierte auch eine klare Antwort auf die politische Herausforderung: „Das ist die einzige Antwort, die wir auf die Rechts- und Linksextremisten in diesem Land haben." Damit appellierte er implizit an die demokratische Mitte, wirtschaftspolitische Stabilität und Verlässlichkeit als Gegenmodell zu den Rändern zu positionieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21. September 2026 berichtete aktien.news, dass die regierende CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz bei zwei Landtagswahlen schwere Verluste erlitten hatte. In Mecklenburg-Vorpommern landete die AfD auf Platz eins, in Berlin führte Die Linke das Ergebnis an. Merz selbst bezeichnete das Ergebnis als „Katastrophe" für seine Partei und sprach von einer „existenziellen Krise" der CDU. Er kündigte jedoch an, trotz der Niederlagen im Amt zu bleiben und seine wachstumsfördernde Agenda voranzutreiben.
Am 27. September 2026 skizzierte aktien.news auf Basis eines UBS-Berichts drei mögliche Szenarien für die künftige Regierungsführung unter Merz. Laut dem im UBS-Bericht zitierten Umfrage-Durchschnitt liegt die AfD mit 29 Prozent vor der CDU/CSU, die auf 20 Prozent kommt. Die UBS-Ökonomen stuften die politischen Risiken in Deutschland als weiterhin hoch ein und betonten, dass die Regionalwahlen den Druck auf die Regierungskoalition erheblich erhöht hätten.
Sewings Warnung reiht sich damit in eine wachsende Debatte unter Wirtschaftsvertretern und Analysten ein, die die politische Instabilität Deutschlands als strukturelles Investitionshindernis bewerten. Die Kombination aus Wahlerfolgen an beiden politischen Rändern und einer geschwächten Regierungskoalition erzeugt ein Umfeld, das Planungssicherheit für Unternehmen und Investoren erschwert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind Sewings Aussagen ein Signal, die politische Risikokomponente bei Investitionen in Deutschland stärker zu gewichten. Wenn ein Schwergewicht wie der Chef der größten deutschen Bank öffentlich vor einem „erheblichen Risiko" für den Standort warnt, unterstreicht das die Ernsthaftigkeit der Lage. Ausländische Direktinvestitionen sind ein wichtiger Treiber für Unternehmensgewinne, Beschäftigung und letztlich auch für die Entwicklung des deutschen Aktienmarkts.
Gleichzeitig zeigt der Archivbericht vom 8. April 2026, dass Sewing selbst ein erhebliches persönliches Engagement in die Deutsche Bank hält: Er baute ein Aktienpaket im Wert von 15 Millionen Euro auf und erzielte damit eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 20 Prozent. Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie versechsfachte sich in diesem Zeitraum. Sewings öffentliche Warnung vor politischen Risiken ist damit auch vor dem Hintergrund seines eigenen finanziellen Engagements am Standort Deutschland zu sehen – er hat ein persönliches Interesse an stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Anleger sollten zudem beachten, dass politische Unsicherheit erfahrungsgemäß die Risikoprämien für Investitionen in einem Land erhöht. Steigen diese Prämien, werden Investitionen teurer und weniger attraktiv – ein Effekt, der sich mittelbar auf Unternehmensgewinne und Aktienbewertungen auswirken kann.
Ausblick
Bundeskanzler Friedrich Merz hat laut dem Bericht vom 21. September 2026 angekündigt, trotz der Wahlniederlagen im Amt zu bleiben und seine wachstumsfördernde Agenda voranzutreiben. Ob ihm das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Regierungskoalition auf den wachsenden Druck durch die Oppositionsparteien an den politischen Rändern reagiert. Die UBS hat in ihrem Bericht vom 27. September 2026 drei Szenarien für die künftige Regierungsführung skizziert, ohne dass eines davon als wahrscheinlichstes ausgewiesen wurde. Die politische Lage bleibt damit offen und für Investoren schwer kalkulierbar.
Kurz erklärt
- Absolute parlamentarische Mehrheit: Eine Partei gewinnt mehr als die Hälfte aller Sitze in einem Parlament und kann allein regieren.
- Verfassungsschutz: Eine staatliche Behörde, die verfassungsfeindliche Bestrebungen beobachtet und bewertet.
- Risikoprämie: Der zusätzliche Ertrag, den Investoren für das Eingehen eines höheren Risikos verlangen.
