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EU und China: Handelsbeziehungen erreichen entscheidende Neuausrichtungsphase

Brüssel und Peking einigen sich auf erste Maßnahmen – doch das tägliche Handelsdefizit von über einer Milliarde Euro bleibt gewaltig.

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EU und China: Handelsbeziehungen erreichen entscheidende Neuausrichtungsphase

Die Europäische Union und China haben eine erste Einigung erzielt, um das massive Handelsungleichgewicht zwischen beiden Wirtschaftsräumen zu adressieren. Die beiden Seiten verständigten sich darauf, chinesische Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen nach Europa zu begrenzen, Zölle auf ausgewählte europäische Waren zu senken und die chinesischen Exportlizenzen für Seltene Erden sowie Permanentmagnete zu vereinfachen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič betonte jedoch, dass es sich dabei lediglich um einen ersten Schritt handele – das Handelsdefizit übersteigt derzeit eine Milliarde Euro pro Tag.

Die Zahlen verdeutlichen die Schieflage: Chinesische Exporte in die EU erreichten im Jahr 2025 einen Wert von 560 Milliarden US-Dollar, während europäische Exporte nach China lediglich 268,3 Milliarden US-Dollar ausmachten, wie Reuters unter Berufung auf Daten von UN Comtrade berichtete. Die Ökonomin der Deutschen Bank, Marion Mühlberger, bezeichnete die Beziehungen in einem Bericht vom 7. Oktober als in einer „entscheidenden Phase" befindlich und unterstrich die Notwendigkeit, dem chinesischen Wettbewerb zu begegnen und gleichzeitig die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.

Deutschlands Exportmodell unter Druck

Besonders stark betroffen ist Deutschland, dessen traditionelles Exportmodell auf Automobilen, Maschinen und Investitionsgütern basiert. Dieses Modell gerät sowohl auf dem chinesischen Heimatmarkt als auch auf Drittmärkten zunehmend unter Druck. Der Anteil Chinas an den weltweiten Autoexporten stieg laut Deutscher Bank von 5 Prozent im Jahr 2013 auf 11 Prozent im Jahr 2023 und bereits 15 Prozent im Jahr 2025 – damit hat China das Niveau Deutschlands erreicht.

Unter dem größten Wettbewerbsdruck stehen folgende Sektoren:

  • Maschinenbau
  • Transportausrüstung
  • Elektromaschinen
  • Grüne Technologien
  • Industrielle Vorprodukte

Der Anteil der EU-Exporte, die in direktem Wettbewerb mit chinesischen Produkten stehen, hat sich in 30 Jahren mehr als verdreifacht und liegt nun bei rund 7 Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts. Bezieht man Produkte ein, bei denen sich ein chinesischer Vorteil abzeichnen könnte, steigt die Betroffenheit auf über 10 Prozent des BIP – mehr als das Doppelte des Niveaus von 1996. Europa behält Vorteile in ausgewählten Bereichen der Chemie, Pharmazie, bei Präzisionsinstrumenten und in spezialisierten Industrienischen.

Pekinger Abkommen: Erste Schritte mit offenem Ausgang

Das erzielte Abkommen könnte die chinesischen Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in die EU über vier Jahre hinweg um mehrere Millionen Fahrzeuge reduzieren. China stimmte zudem zu, den Marktzugang für EU-Exporte im Wert von rund 4 Milliarden Euro zu verbessern und die Lizenzvergabe für Seltene Erden und Permanentmagnete zu vereinfachen. Einzelheiten zur Umsetzung wurden bislang jedoch nicht bekannt gegeben.

Die Deutsche Bank warnte, dass billigere chinesische Importe zwar Verbrauchern und nachgelagerten Industrien zugutekommen, gleichzeitig aber die Margen und Investitionen europäischer Hersteller gefährden könnten. Sollten sich die erzielten Zugeständnisse als unzureichend erweisen, könnte die EU eine Untersuchung chinesischer Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge auf staatliche Subventionen einleiten, was Anfang 2027 zur Einführung vorläufiger Zölle führen könnte.

Strukturreformen als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit

Auf politischer Ebene haben Frankreich und Deutschland ein Handelsschutzinstrument vorgeschlagen, das Reaktionen auf Handelsstreitigkeiten innerhalb von 24 Stunden ermöglichen soll. Die EU-Kommission entwickelt darüber hinaus die Initiative „DiversifyEU", um die Abhängigkeit von strategischen Lieferanten zu verringern.

Die Deutsche Bank betonte, dass eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit Europas tiefgreifende inländische Reformen erfordere. Dazu zählen niedrigere Energiekosten, schnellere Genehmigungsverfahren, eine bessere Infrastruktur und tiefere Kapitalmärkte. Die Umsetzung der Empfehlungen des früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi war bis Juli lediglich zu 16 Prozent vollständig abgeschlossen – unter Einbeziehung teilweise umgesetzter Maßnahmen kommt man auf 41 Prozent. Der Reformdruck auf Europa bleibt damit erheblich.

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