Delaware lehnt 19 Cannabis-Bewerber wegen räuberischer Investoren ab
Skrupellose Beraterfirma soll Social-Equity-Lizenzen in Delaware, Arizona und Missouri systematisch unterwandert haben.

Die Cannabis-Regulierungsbehörde des US-Bundesstaates Delaware hat mindestens 19 Bewerber für eine Social-Equity-Geschäftslizenz für Marihuana abgelehnt. Grund dafür ist die Verbindung dieser Bewerber zu einer Beratungsfirma, der vorgeworfen wird, staatliche Förderprogramme für benachteiligte Bevölkerungsgruppen systematisch auszuhöhlen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein landesweites Problem in der US-Cannabisbranche.
Das Delaware Office of the Marijuana Commissioner (OMC) identifizierte 19 Anträge auf Social-Equity-Lizenzen, die mit der in Arizona ansässigen Firma Cannabis Business Advisors in Verbindung stehen. Das Unternehmen wird von dem Investor Michael Halow geleitet. Laut dem Radiosender WHYY, einem NPR-Ableger aus Philadelphia, verschickte Halow Postkarten an qualifizierte Bewerber und warb mit einer vermeintlich attraktiven Partnerschaft.
Im Austausch für Unterstützung bei komplexen Lizenzanträgen und hohen Gebühren unterzeichneten Bewerber wie Jacqueline Lacy Verträge, die sie laut WHYY „nicht wirklich verstanden". Die Konditionen dieser Verträge sind nach Einschätzung der Behörden eindeutig missbräuchlich.
Exorbitante Gebühren und drohende Lizenzübernahme
Das OMC stellte fest, dass Cannabis Business Advisors „unverhältnismäßig hohe" Gebühren erhob und die Geschäftsbeziehung so gestaltete, dass eine Übernahme der Lizenz durch Halow „unvermeidlich" geworden wäre. Die vertraglich vereinbarten Konditionen im Überblick:
- Monatliche Gebühr von 10.000 US-Dollar ab Lizenzerteilung bis zum ersten Verkauf
- Monatliche Gebühr von 50.000 US-Dollar für die ersten sechs Betriebsmonate, danach steigend auf 75.000 US-Dollar
- Abfindungsgebühr von 1 Million US-Dollar zur Beendigung der Geschäftsbeziehung
OMC-Kommissar Josh Sanderlin bezeichnete die Praktiken in einem Interview mit WHYY als „verabscheuungswürdig". Halow selbst gab gegenüber dem Sender keine Stellungnahme ab.
Kein Einzelfall: Gleiches Muster in Arizona und Missouri
Der Fall in Delaware ist offenbar kein Einzelfall. Dieselbe Vorgehensweise soll Halow bereits in Arizona angewandt haben. Dort erfuhren betroffene Bewerber laut Klagen und Gesetzgebern, dass sie durch räuberische Deals ihre wertvollen Lizenzen an ihre angeblichen „Partner" verloren hatten. Auch in Missouri soll Halow nach demselben Muster vorgegangen sein – dort entzogen die Regulierungsbehörden nach einer ersten Verlosung ebenfalls Social-Equity-Lizenzen.
James Brobyn, ehemaliger Präsident der Delaware Cannabis Industry Association, bezeichnete die Situation gegenüber WHYY als „die schlimmste Form von räuberischem Verhalten, die man sich vorstellen kann". Die Aussage verdeutlicht, wie ernst Branchenvertreter die Lage einschätzen.
Hintergrund: Delawares junger Cannabismarkt unter Druck
Delaware legalisierte den Cannabiskonsum im Jahr 2023. Der Verkauf für den Freizeitgebrauch startete erst im vergangenen August. Die staatlichen Regulierungsbehörden wurden dabei mit mehr als 1.200 Anträgen für lediglich 125 verfügbare Social-Equity-Lizenzen überflutet. Wie viele dieser Anträge mit außerstaatlichen Unternehmen wie dem von Halow in Verbindung standen, ist bislang unklar.
Social-Equity-Programme sollen in den USA gezielt einkommensschwachen Personen oder Opfern des sogenannten „Drogenkriegs" den Einstieg in die legale Cannabisindustrie ermöglichen. Dass gut gemeinte staatliche Initiativen von finanzstarken Investoren unterwandert werden, gilt mittlerweile als landesweites Problem.
Die abgelehnten Bewerber haben die Möglichkeit, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Wie die Regulierungsbehörden in Delaware weiter verfahren werden, ist derzeit noch offen.
