Chinas Industrie-PMI fällt im Februar auf Vier-Monats-Tief
Schwache Inlandsnachfrage und geringe Investitionen belasten Chinas Fabriksektor trotz robuster Exportzahlen.

Chinas Industriesektor schrumpft weiter: Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel im Februar auf 49,0 Punkte – nach 49,3 im Januar. Das ist der niedrigste Wert seit vier Monaten und der zweite Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit verfehlte der Index auch die mittlere Prognose von 49,1 aus einer Reuters-Umfrage.
Die Daten des chinesischen Nationalen Statistikbüros zeigen ein klares Bild: Fabrikbesitzer kämpfen trotz Rekordexporten um ihre Profitabilität. Schwache Binnennachfrage und schleppende Investitionen neutralisieren die positiven Impulse aus dem Außenhandel. Der PMI für das nicht-verarbeitende Gewerbe, der Dienstleistungen und Bau umfasst, stieg dagegen leicht von 49,4 auf 49,5 Punkte.
Zu beachten ist, dass die Umfrage saisonbereinigt wurde, um die langen Fabrikschließungen rund um das chinesische Neujahrsfest zu berücksichtigen. Dieses dauerte in diesem Jahr rekordverdächtige neun Tage vom 15. bis 23. Februar. Ökonomen warnen jedoch, dass das Bereinigungsmodell unvollkommen sei und die Ergebnisse weiterhin verzerren könnte.
Wachstumsziel und politische Weichenstellungen
Chinas Regierung hatte im letzten Quartal 2025 auf neue Konjunkturmaßnahmen verzichtet. Die Führung in Peking vertraute darauf, das offizielle Wachstumsziel von rund 5 Prozent durch starke Exporte und eine breitere Aufstellung gegenüber US-Zöllen zu erreichen. Ökonomen erwarten jedoch, dass das Wachstum im ersten Quartal 2026 ohne weitere politische Unterstützung schwach bleiben wird.
Ministerpräsident Li Qiang wird das offizielle Wachstumsziel für 2026 bei der Eröffnung der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses am Donnerstag bekanntgeben. Von Reuters befragte Ökonomen prognostizieren eine Verlangsamung des Wachstums auf 4,5 Prozent – sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr. Zum Vergleich: Deutschland und die Eurozone würden sich über solche Wachstumsraten freuen, doch für China bedeutet dies eine spürbare Abschwächung.
Das Politbüro, das oberste Entscheidungsgremium der Kommunistischen Partei, bekräftigte zuletzt eine proaktivere Wirtschaftspolitik. Im Fokus stehen dabei die Stabilisierung des Arbeitsmarktes und die Stärkung der Binnennachfrage. Experten bezweifeln jedoch die Wirksamkeit geldpolitischer Instrumente wie Zinssenkungen oder Senkungen der Mindestreserveanforderungen, da ähnliche Maßnahmen seit dem Ende der COVID-19-Pandemie nur begrenzte Wirkung zeigten.
Überkapazitäten und Fünfjahresplan im Fokus
Wenn Ministerpräsident Li am Donnerstag den Regierungsarbeitsbericht vorstellt, werden auch neue Zusagen zur Eindämmung von Überkapazitäten erwartet. Gleichzeitig präsentiert er den nächsten Fünfjahresplan, der die wirtschaftlichen Prioritäten für die kommenden Jahre festlegt. Für internationale Investoren und Handelspartner wie Deutschland dürften diese Weichenstellungen richtungsweisend sein.
