China verhängt Zölle auf europäischen Cognac
Reaktion auf geplante EU-Maßnahmen gegen chinesische Elektroautos – Weitere Handelskonflikte drohen

Die chinesische Regierung hat als Reaktion auf die geplanten EU-Zusatzzölle gegen chinesische Elektroautos Strafmaßnahmen gegen europäischen Weinbrand verhängt. Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums müssen Importeure bestimmter Brandy-Sorten ab Freitag eine Kaution beim Zoll hinterlegen. Von diesen Maßnahmen sind vor allem bekannte Marken wie Martell, Remy Martin und Hennessey betroffen, die Aufschläge von 30,6 Prozent, 38,1 Prozent und 39 Prozent zahlen müssen. Diese Marken gehören zu den französischen Unternehmensgruppen Pernod-Ricard, Rémy Cointreau und LVMH. Auch spanische Weinbrand-Hersteller sind von den temporären Zöllen betroffen.
Die Entscheidung Chinas kommt überraschend, da Peking Ende August zunächst beschlossen hatte, keine Maßnahmen gegen den europäischen Weinbrand zu ergreifen, obwohl nach chinesischen Angaben beim untersuchten Brandy Preisdumping vorliege. Nun fordert der Verband der französischen Cognac-Hersteller die Regierung auf, die Eskalation zu stoppen und die Zölle auszusetzen, bevor es zu spät sei.
Hintergrund dieser Strafzölle sind die Pläne der EU, Zölle auf chinesische Elektroautos zu erheben. Die EU-Kommission könnte ab November Abgaben in Höhe von bis zu 35,3 Prozent einführen, was von China als protektionistische Maßnahme bewertet wird. Peking betonte mehrfach, eine Verhandlungslösung anzustreben, untersuchte jedoch parallel weiterhin andere EU-Produkte wie Schweinefleisch und Milchprodukte.
Die EU-Kommission kündigte als Reaktion auf die chinesischen Maßnahmen an, den Fall vor die Welthandelsorganisation (WTO) zu bringen. Der Sprecher der Kommission, Olof Gill, erklärte, dass diese Maßnahmen unbegründet seien und die EU-Industrie gegen einen Missbrauch von Handelsinstrumenten verteidigt werden müsse. Auch EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni zeigte sich optimistisch, dass die EU vor der WTO Recht behalten werde, da die geplanten Maßnahmen der EU angemessen und verhältnismäßig seien.
Die deutschen Automobilhersteller beobachten die Entwicklungen mit Sorge, da sie befürchten, dass China im Gegenzug Zölle auf europäische Fahrzeuge erheben könnte. Die Eskalation im Handelskonflikt zwischen der EU und China betrifft damit nicht nur den Weinbrand-Sektor, sondern könnte sich auch auf andere Industriezweige ausweiten.
