EZB erwartet Konjunkturerholung
Zinssenkung im Oktober möglich – Experten sehen sinkende Inflationsrisiken

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos zeigt sich optimistisch bezüglich einer Erholung der Konjunktur in der Euro-Zone. Nach seinen Worten könnte das Wirtschaftswachstum kurzfristig zwar geringer ausfallen als erwartet, doch wird eine zunehmende Erholung prognostiziert. Diese Entwicklung wird von steigenden Realeinkommen und den nachlassenden Effekten der restriktiven Geldpolitik getragen, welche sowohl Konsum als auch Investitionen fördern sollen. Zudem könnten verbesserte Exportleistungen und ein Aufschwung im Produktivitätswachstum das Wachstum weiter stärken.
Im Kontext dieser Entwicklungen erwarten viele Experten eine erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Oktober. Die aktuelle konjunkturelle Schwäche und die zurückgehende Inflation werden als Hauptfaktoren für diese Prognose genannt. Martins Kazaks, Mitglied des EZB-Rats und lettischer Notenbankchef, signalisierte bereits seine Unterstützung für eine solche Maßnahme. In einem Reuters-Interview äußerte er sich am Dienstagabend dazu und betonte, dass der Markt bereits eine klare Entscheidung im Oktober einpreise. Er wies darauf hin, dass die Risiken für das Wachstum ernst genommen und entsprechend adressiert werden müssten, ohne jedoch vorab eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Die Inflationsrate in der Euro-Zone sank im September auf 1,8 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit über drei Jahren. Dieser Rückgang der Teuerung liegt erstmals seit Mitte 2021 unter der von der EZB angestrebten Zielmarke von zwei Prozent, die als optimal für die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum betrachtet wird. Dieses Absinken hat dazu geführt, dass an den Finanzmärkten nun vermehrt mit einer rascheren Lockerung der Geldpolitik gerechnet wird, die bereits im Oktober erfolgen könnte, anstatt wie ursprünglich erwartet im Dezember.
Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat kürzlich die Möglichkeit einer baldigen Zinssenkung in Aussicht gestellt. Sie begründete diese Überlegungen ebenfalls mit der aktuellen Entwicklung der Inflation, die sich mittlerweile auf einem Niveau befindet, das eine Anpassung der Geldpolitik rechtfertigen könnte. Lagarde betonte, dass die EZB weiterhin darauf abzielt, die Preisstabilität zu wahren und das Wachstum zu unterstützen, um die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum zu fördern.
