China kämpft mit 327 Milliarden Dollar fauler Konsumentenkredite
Verschärfte Regulierung der Inkassobranche bremst den Abbau notleidender Privatkredite in chinesischen Bankbilanzen.

Chinas Bemühungen, die Banken von einer riesigen Last zerrütteter Konsumentenkredite zu befreien, geraten ins Stocken. Wie aus Berichten hervorgeht, stoßen die staatlich geführten Bereinigungsbemühungen auf Widerstand, weil die Behörden die für den gesamten Prozess zentralen Inkassounternehmen verstärkt unter die Lupe nehmen. Die verschärfte Regulierung dieser Firmen führt zu einer spürbaren Verlangsamung beim Abbau der Altlasten.
Im Zentrum steht ein gewaltiges Volumen: Insgesamt geht es um rund 327 Milliarden US-Dollar an notleidenden Verbraucherschulden. Die chinesischen Banken haben gebündelte Portfolios ausgefallener Privatkredite zu Bruchteilen ihres Nominalwerts an Unternehmen verkauft, die sich auf das Management von Problemaktiva spezialisiert haben. Diese spezialisierten Firmen arbeiten landesweit mit Inkassounternehmen zusammen, um Schuldner ausfindig zu machen und so viel Geld wie möglich zurückzuholen.
Der Mechanismus ist für die Banken attraktiv, weil er die Bilanzen entlastet. Statt fauler Kredite in den Büchern zu halten, verkaufen die Institute ganze Pakete ausgefallener Darlehen an Abwicklungsgesellschaften. Diese übernehmen das Risiko und die mühsame Rückgewinnung. Doch genau dieser zweite Schritt – das eigentliche Eintreiben der Schulden – ist nun gefährdet, weil die Aufsicht die Inkassopraktiken schärfer kontrolliert.
Ein Pilotprojekt wächst rasant
Die staatlich geführte Bereinigungsbemühung geht auf ein Pilotprogramm aus dem Jahr 2021 zurück. Seitdem hat sie erheblich an Umfang gewonnen. Inzwischen beteiligen sich Dutzende Finanzinstitute an dem Programm, das ursprünglich als begrenzter Versuch angelegt war. Aus dem Testlauf ist damit ein breit angelegtes Instrument zur Bilanzbereinigung geworden.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung insofern relevant, als China zu den größten Volkswirtschaften der Welt zählt und die Stabilität seines Bankensystems auch internationale Märkte beeinflusst. Wenn der Abbau fauler Kredite ins Stocken gerät, kann das die Risikovorsorge der Institute belasten und den Spielraum für neue Kredite verringern. Ein funktionierender Sekundärmarkt für notleidende Kredite gilt als wichtiger Baustein, um solche Altlasten aus den Bilanzen zu lösen.
Das aktuelle Beispiel zeigt jedoch, wie eng die einzelnen Glieder dieser Kette miteinander verzahnt sind. Ohne wirksames Inkasso sinkt der Wert der gebündelten Kreditportfolios, und die Abwicklungsgesellschaften zahlen entsprechend weniger. Die Folge ist ein Rückstau: Die Banken sitzen länger auf ihren Problemkrediten, während die Behörden gleichzeitig strengere Maßstäbe an die Eintreibung anlegen.
Wie stark sich die Verlangsamung auf das Gesamtvolumen der 327 Milliarden Dollar auswirkt, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht beziffern. Klar ist jedoch, dass die chinesische Führung zwei Ziele gleichzeitig verfolgt: die Entlastung der Bankbilanzen und die Eindämmung teils aggressiver Inkassopraktiken. Diese beiden Anliegen stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Der Ausgang dieser Gratwanderung dürfte mit darüber entscheiden, wie schnell China seine faulen Konsumentenkredite tatsächlich loswird.
