Buy British: Rüstungsnationalismus gefährdet die Verteidigungsfähigkeit
Nationale Beschaffungsstrategien in der Verteidigung stoßen an ihre Grenzen – ein Plädoyer für Kooperation.

Der britische Aufruf zum „standardmäßigen Kauf britischer Produkte“ trägt eine gewisse Kriegszeit-Stimmung in sich. Wenn es jedoch um tatsächliche Verteidigungsausrüstung geht, macht dieser Kampfruf wenig Sinn. Zu diesem Schluss kommt ein aktueller Bericht der Financial Times, der die Grenzen nationaler Beschaffungsstrategien in der Verteidigungsindustrie analysiert.
Auf den ersten Blick gibt es zahlreiche britische Verteidigungsunternehmen, die von einem Streben nach militärischer Selbstversorgung profitieren würden. Dies geht über den Giganten BAE Systems und führende Ausrüster wie Rolls-Royce hinaus. So hat etwa Alloyed, ein Spin-off der Universität Oxford, gemeinsam mit dem Ministry of Defence eine Reihe kostengünstiger Turbojet-Triebwerke für Drohnen entwickelt. Auch Jaguar Land Rover wirbt um einen staatlichen Auftrag zur Ersatzbeschaffung von Militärfahrzeugen.
Doch für Regierungen ist es in der Praxis schwer, im Bereich der Verteidigung auf eigenen zwei Füßen zu stehen – was kein rein britisches Phänomen ist. Nationale Verteidigungsauftragnehmer sind auf Hunderte kleiner und mittlerer Zulieferer angewiesen, die weltweit verstreut sind. Dies gilt nicht nur für sogenannte „Prime“-Unternehmen wie BAE und ihren US-Pendant Lockheed Martin. Auch kleinere Hersteller hochtechnologischer Geräte verfügen über planetar verteilte Lieferketten.
Die Illusion der nationalen Souveränität
Darüber hinaus werden selbst inländische Unternehmen oft mit ausländischem Kapital finanziert, insbesondere wenn es sich um Start-ups handelt, die auf Risikokapital und andere Frühphasenfinanzierungen angewiesen sind. Ein Beispiel aus Deutschland verdeutlicht dies: Das in Berlin ansässige Unternehmen Stark, das kürzlich einen Vertrag zur Lieferung von Kamikaze-Drohnen an die deutsche Bundeswehr erhielt, wird vom US-Technologieunternehmer Peter Thiel unterstützt.
Verteidigungssouveränität ist nicht nur schwer umzusetzen. Die Frage ist auch, ob sie überhaupt erstrebenswert ist. Ein großes Problem bei der Förderung nationaler Champion-Unternehmen besteht darin, dass ähnliche Unternehmen in verschiedenen Ländern am Ende die Arbeit des jeweils anderen duplizieren. Zudem sind sie von einzelnen staatlichen Kunden abhängig, die sich als wechselhaft erweisen können.
Man betrachte das Vereinigte Königreich: Der ehemalige Verteidigungsminister John Healey wird wahrscheinlich sein eigenes Ziel, bis 2030 drei Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben, zurückstellen, nachdem er nun Finanzminister geworden ist.
Kooperation als Ausweg
Wenn Regierungen ihre Verteidigungseinkäufe wirklich nah an sich halten wollen – was in einer zunehmend aggressiven Welt nicht irrational ist –, ist eine Lösung die Zusammenarbeit mit Verbündeten. Es gibt hierfür mehrere erfolgreiche Modelle: Man denke an den europäischen Raketen- und Raketensystemhersteller MBDA, der zu gleichen Teilen BAE, Airbus aus Frankreich und dem italienischen Unternehmen Leonardo gehört. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 17 Prozent, deutlich mehr als bei jedem seiner drei Mutterkonzerne.
Ein Unternehmen, das das Joint-Venture-Modell enthusiastisch genutzt hat, ist der deutsche Munitionshersteller Rheinmetall, ein Star des Verteidigungsbooms, der nach Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022 begann. Seit dem vierten Quartal 2023 hat Rheinmetall 21 Joint Ventures und Partnerschaften abgeschlossen. Diese ermöglichen es dem Konzern, Zugang zu Kapazitäten und Technologie sowie zu Märkten und Kapital zu erhalten.
Für Unternehmen und Regierungen gleichermaßen ist die länderübergreifende Zusammenarbeit auch ein Weg, die jeweiligen Stärken zu nutzen und das Risiko von Fehlschlägen abzusichern. Die Bilanz des Vereinigten Königreichs bei der Umsetzung seiner Ambitionen war zumindest gesagt bescheiden: Alle außer zwei der 49 jüngsten großen britischen Verteidigungsprojekte wurden verzögert oder überschritten das Budget.
Die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Verbündeten erscheint als der klügere Weg nach vorn – eine Lektion, die nicht nur für Großbritannien, sondern auch für Deutschland und andere europäische Nationen von Bedeutung ist.
