Bristol-Myers-Squibb-Aktie fällt: Leerink Partners stuft auf Market Perform herab
Leerink Partners senkt das Kursziel von 73 auf 59 Dollar und bezweifelt die Pipeline des Pharmakonzerns.

Die Aktie von Bristol-Myers Squibb (NYSE: BMY) ist im vorbörslichen Handel um 2,5 Prozent gefallen. Auslöser ist eine Herabstufung durch die Investmentbank Leerink Partners, die den Pharmakonzern von „Outperform" auf „Market Perform" zurückgestuft hat. Als Begründung nannte das Institut wachsende Skepsis hinsichtlich wichtiger Kandidaten in der Arzneimittelentwicklungspipeline des Unternehmens.
Im Zuge der Herabstufung senkte Leerink sein Kursziel für die Aktie auf 59 US-Dollar, nachdem es zuvor 73 US-Dollar betragen hatte. Analyst David Risinger betonte, dass bevorstehende klinische Ergebnisse erhebliche Risiken bergen. Sein Haus verfüge nicht über das nötige Vertrauen, um den Kauf der Aktie zu empfehlen.
„Wir haben unsere Investmentthese geändert, nachdem wir detaillierte Bewertungen der wichtigsten Pipeline-Kandidaten durchgeführt haben, deren Ergebnisse in den kommenden Monaten erwartet werden", schrieb Risinger in einer Notiz an Kunden. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass uns die Überzeugung für starke Ergebnisse fehlt, um Anleger zum Kauf von BMY-Aktien zu raten."
Die Details
Die Herabstufung zielt auf drei zentrale Bedenken innerhalb der späten Entwicklungsphase der Pipeline von Bristol-Myers. Es handelt sich um Admilparant, Milvexian und Cobenfy – drei Kandidaten, von denen sich das Unternehmen in den kommenden Monaten wichtige Studienergebnisse verspricht. Leerink bewertet die Erfolgsaussichten dieser Projekte deutlich skeptischer als zuvor.
- Admilparant (LPA1 bei fibrotischen Erkrankungen): Leerink warnte, dass die bevorstehenden Phase-3-Ergebnisse „wegen Wirksamkeits- und/oder Sicherheitsproblemen enttäuschend ausfallen könnten".
- Milvexian (neues Blutverdünnermittel): Das Institut äußerte Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Arzneimittels in Studien zum Vorhofflimmern und merkte an, dass es „im direkten Vergleich mit BMYs Eliquis (Apixaban) eine fragwürdige Wirksamkeit zeigen könnte".
- Cobenfy (Antipsychotikum): Selbst in einem bestmöglichen klinischen Szenario sieht Leerink kommerzielle Hürden voraus. Risinger erklärte, dass die Behandlung „in der Psychose bei Alzheimer-Patienten (ADP) möglicherweise nur geringfügig übernommen wird, selbst wenn sie in Phase 3 erfolgreich ist, aufgrund der Nutzung von Off-Label-Generika durch Anbieter".
Der überarbeitete Ausblick spiegelt eine vorsichtigere Einschätzung der Fähigkeit von Bristol-Myers wider, kurzfristige kommerzielle Dynamik aus klinischen Katalysatoren zu generieren. Zugleich versucht das Unternehmen, künftige Umsatzverluste durch bevorstehende Patentabläufe seiner etablierten Blockbuster-Therapien auszugleichen. Genau dieser Spagat steht im Zentrum der neuen Bewertung durch Leerink.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.08.2026 berichtete aktien.news, dass Bristol Myers Squibb den Bau einer neuen Produktionsstätte in Houston, Texas, angekündigt hat. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Das Projekt ist Teil einer bereits früher kommunizierten Gesamtzusage des Unternehmens, insgesamt 40 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu investieren. Die neue Anlage wird eine Fläche von rund 600.000 Quadratfuß umfassen – das entspricht etwa 55.700 Quadratmetern.
Am 16.05.2026 berichtete aktien.news über eine potenziell milliardenschwere Partnerschaft von Bristol Myers Squibb mit dem chinesischen Arzneimittelhersteller Hengrui Pharma. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam rund ein Dutzend Medikamente entwickeln, darunter vier von Bristol entdeckte Wirkstoffe, die für klinische Frühphasenstudien nach China geschickt werden. Zusätzlich sollen beide Partner gemeinsam neue Medikamente entdecken und entwickeln.
Am 21.05.2026 berichtete aktien.news, dass Bristol Myers Squibb zu den am niedrigsten bewerteten Pharmaunternehmen im gesamten S&P 500 gehört. Die Aktie wurde mit etwa dem Zehnfachen des erwarteten Gewinns gehandelt und war damit die günstigste unter ihren 11 direkten Vergleichsunternehmen im Index. Im bisherigen Jahresverlauf legte die Aktie lediglich um 8 Prozent zu, was die Dividendenrendite auf über 4 Prozent trieb.
Am 14.06.2026 berichtete aktien.news über die Dividendenrendite von 4,5 Prozent und die Frage, ob diese nachhaltig sei. Diese Rendite lag deutlich über den rund 1 Prozent, die der S&P 500 im Durchschnitt bietet, und übertraf auch den Pharmasektor-Durchschnitt von 1,6 Prozent erheblich. Bristol Myers Squibb blickt dabei auf eine jahrzehntelange Unternehmensgeschichte zurück und genießt hohes Ansehen in der Industrie.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Herabstufung vor allem ein Signal für die Unsicherheit, die derzeit auf der Pipeline des Konzerns lastet. Die Aktie war zuletzt vor allem wegen ihrer niedrigen Bewertung und ihrer hohen Dividendenrendite gefragt – ein Umstand, der sich in der bisherigen Berichterstattung von aktien.news mehrfach wiederfand. Nun rückt die Frage in den Vordergrund, ob die anstehenden Studiendaten diese Einschätzung stützen können.
Zu beachten ist, dass es sich um die Einschätzung eines einzelnen Analysehauses handelt. Leerink hat Einstufung und Kursziel gesenkt, doch die endgültige Bewertung hängt von den tatsächlichen Ergebnissen der genannten Studien ab. Die Begründung des Instituts ist dabei nicht rein operativ, sondern betrifft ausdrücklich die Erfolgswahrscheinlichkeit einzelner Wirkstoffe in der späten Entwicklungsphase.
Hinzu kommt die Doppelbelastung, die Leerink in seiner Notiz beschreibt: Einerseits sollen klinische Katalysatoren kurzfristig kommerzielle Dynamik erzeugen, andererseits drohen durch bevorstehende Patentabläufe etablierter Blockbuster-Therapien künftige Umsatzverluste. Beide Punkte betreffen die Ertragsbasis des Konzerns unmittelbar. Wer die Aktie hält, verfolgt damit zwei gegenläufige Entwicklungen gleichzeitig.
Ausblick
Nach Angaben von Leerink werden die Ergebnisse der wichtigsten Pipeline-Kandidaten in den kommenden Monaten erwartet. Im Fokus stehen die Phase-3-Daten zu Admilparant sowie die Studien zu Milvexian beim Vorhofflimmern. Bei Cobenfy sieht das Institut selbst im Erfolgsfall kommerzielle Hürden, weil Anbieter nach seiner Einschätzung auf Off-Label-Generika zurückgreifen. Konkrete Termine für einzelne Datenveröffentlichungen nennt die zitierte Notiz nicht.
Auf Unternehmensseite stehen zugleich langfristig angelegte Investitionen im Raum. Im Rahmen der Gesamtzusage von 40 Milliarden Dollar für die Vereinigten Staaten will Bristol Myers Squibb die neue Produktionsstätte in Houston errichten. Dort sollen niedermolekulare Medikamente, Biologika sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate hergestellt werden, wobei Letztere als besonders innovativer Wirkstofftyp in der modernen Krebstherapie gelten. Diese Vorhaben stehen den kurzfristigen Risiken gegenüber, die Leerink in der Pipeline des Konzerns sieht.
Kurz erklärt
- Herabstufung: Eine Änderung der Anlageempfehlung eines Analysehauses, bei der die Einschätzung einer Aktie auf ein niedrigeres Niveau gesenkt wird.
- Kursziel: Der Aktienkurs, den ein Analyst einem Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums zutraut.
- Phase-3-Studie: Die letzte große klinische Prüfphase, in der ein Medikament vor einer möglichen Zulassung an vielen Patienten getestet wird.
- Off-Label-Nutzung: Die Verordnung eines zugelassenen Medikaments außerhalb der offiziell genehmigten Anwendungsgebiete.
