Börse am Freitag: Exxon, Amazon und Starbucks im Fokus
Alphabet verliert 12 Prozent, Amazon und Starbucks legen Zahlen vor: Der Freitag bringt Quartalsbilanzen von Big Oil und Tech.

Der Handelstag an der Wall Street geht mit einem Paukenschlag zu Ende: Alphabet-Aktien fielen um 12 Prozent, während Anleger auf eine dichte Folge von Quartalszahlen reagieren. Der Newsletter "Stocks @ Night" von CNBC fasst zusammen, was die Produzenten des Senders nach Börsenschluss beobachtet haben und worauf der Fokus in der nächsten Sitzung am Freitag liegt.
Im Mittelpunkt stehen dabei gleich mehrere Schwergewichte: ExxonMobil und Chevron aus dem Energiesektor, Amazon und Starbucks aus dem Konsum- und Tech-Bereich sowie AstraZeneca aus der Pharmabranche. Hinzu kommt ein Ausblick auf Apple, dessen Zahlen erst am Montag erwartet werden.
Die Bewegungen sind teils deutlich: Amazon verlor nachbörslich fast 7 Prozent, Starbucks rund 2 Prozent. Beide Unternehmen hatten zuvor ihre Quartalszahlen vorgelegt – mit gemischtem Echo.
Die Details
Bei den Ölriesen steht am Freitag ein voller Terminkalender an. ExxonMobil berichtet im Rahmen der Sendung "Squawk Box". Die Aktie ist in den vergangenen drei Monaten um fast 17 Prozent gestiegen und erreichte am Dienstag einen neuen Höchststand. CEO Darren Woods wird live in der Sendestunde um 8 Uhr morgens (ET) mit den Moderatoren Becky Quick, Andrew Ross Sorkin und Joe Kernen sprechen.
Auch Chevron legt Quartalszahlen vor. Die Aktie kletterte in drei Monaten um etwa 21 Prozent und markierte am Montag ihren Höchststand. CEO Mike Wirth ist am Freitag in der Stunde um 9 Uhr morgens im Programm "Squawk on the Street" zu Gast. Rückenwind liefert der Rohölmarkt: Die West Texas Intermediate-Futures sind in den vergangenen drei Monaten um etwa 22 Prozent gestiegen, während Brent-Öl um etwa 27 Prozent zulegte.
Bei Amazon verfehlte der Konzern die Gewinnprognosen im dritten Quartal. CNBC-Reporterin Annie Palmer berichtete am Donnerstagabend, dass CEO Andy Jassy sagte, das Unternehmen werde "im Jahr 2027 deutlich mehr ausgeben", habe aber eine "klare Sicht auf attraktive finanzielle Renditen". Jim Cramer behandelte die Zahlen in "Mad Money". Er sagte: "Ich denke tatsächlich, dass die Guidance stärker war als der Bericht selbst" und "das Cloud-Services-Geschäft ist außergewöhnlich". Allerdings fügte Cramer hinzu: "Der Markt hat derzeit keine Lust auf langfristige Szenarien." Cramer wartet dennoch mit Käufen: "Wenn der Rauch sich verzogen hat … kaufen, kaufen, kaufen." Amazon-Aktien fielen nach Börsenschluss um fast 7 Prozent und stehen nun 16 Prozent unter dem Höchststand. Am Freitag wird der Wert im Rahmen von "Morning Call" ab 5 Uhr morgens beobachtet.
Starbucks übertraf die Gewinnprognosen, verfehlte jedoch die Umsatzschätzungen. CEO Brian Niccol sagte in einer Videoveröffentlichung: "Wir starten in das Geschäftsjahr 2027 mit Schwung, einem klaren Satz von Prioritäten und höheren Ambitionen dafür, was Starbucks werden kann." CNBC-Reporterin Amelia Lucas schrieb am Donnerstagabend, Starbucks prognostiziere ein Wachstum der vergleichbaren Ladenumsätze in Nordamerika von 4 Prozent für das Geschäftsjahr. Die Aktie fiel nachbörslich um etwa 2 Prozent, liegt im Oktober aber 12 Prozent höher und steht 4,5 Prozent unter dem Höchststand vom August. Um 9 Uhr morgens am Freitag spricht Niccol in "Squawk on the Street" mit Jim Cramer, Carl Quintanilla und David Faber.
AstraZeneca meldet ebenfalls Zahlen – und zwar um 2:30 Uhr morgens (ET), was 23:30 Uhr an der Westküste entspricht. Der Wert hat sich in den vergangenen drei Monaten kaum verändert, die Aktienkurse sind in sechs Monaten um 5,8 Prozent gefallen. Die Aktie steht 18 Prozent unter dem Höchststand vom Februar.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Berichtssaison reiht sich in eine ereignisreiche Phase für die großen Tech- und Konsumwerte ein. Bereits am 25.10.2026 berichtete aktien.news, dass in dieser Woche rund 160 Unternehmen des S&P 500 ihre Quartalszahlen vorlegen, darunter die Tech-Schwergewichte Alphabet, Microsoft und Amazon. Investoren suchten vor allem nach Hinweisen darauf, wie die Konzerne den KI-Boom finanzieren – ein Thema, das die Märkte zuletzt spürbar bewegt habe. Am Donnerstag hätten Bedenken hinsichtlich der KI-Ausgaben einen Verkaufssturm ausgelöst, der dem Nasdaq Composite die schlechteste Sitzung seit Juni beschert habe.
Schon am 29.04.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die Wall Street an einem Mittwoch den Atem anhielt, als Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft nach Börsenschluss ihre Quartalsergebnisse vorlegten. Die vier Tech-Giganten wiesen zusammen eine optionsimplizierte Marktkapitalisierungsbewegung von mehr als 750 Milliarden Dollar in die eine oder andere Richtung auf. Damals notierten die Nasdaq-Futures vor Handelsbeginn rund 0,4 Prozent im Plus, die Stimmung blieb jedoch vorsichtig.
Am 30.04.2026 meldete aktien.news, dass die US-Aktienfutures vorbörslich zugelegt hatten, während Anleger eine Reihe von Quartalsergebnissen großer Technologieunternehmen bewerteten und die Ölpreise von einem steilen Anstieg auf Vierjahreshöchststände zurückgingen. Bis 07:32 Uhr ET stieg der Dow-Jones-Futures-Kontrakt um 296 Punkte oder 0,6 Prozent, die S&P-500-Futures kletterten um 27 Punkte beziehungsweise 0,4 Prozent, und die Nasdaq-100-Futures legten um 149 Punkte oder 0,5 Prozent zu.
Und am 31.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Woche der Mega-Cap-Technologiegewinne mit einem klaren Gewinner und einem Verlierer endete: Amazon-Aktien legten vorbörslich um mehr als 10 Prozent zu, während Apple-Papiere über 7 Prozent im Minus notierten. Zuvor hatte Microsoft seine Marktkapitalisierung um fast 450 Milliarden Dollar gesteigert – ein Kursplus von 15 Prozent und der beste Tag seit 2008. Der Nasdaq Composite kletterte am Vortag um 2,8 Prozent und beendete damit eine sechstägige Verlustserie. Amazon überzeugte mit starken Zahlen und einem Umsatzwachstum von AWS von 37 Prozent – das schnellste Wachstum der Cloud-Sparte seit 2021.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Handelstag einmal mehr, wie stark einzelne Quartalszahlen die Kurse bewegen können. Besonders deutlich wird das am Beispiel Amazon: Obwohl das Cloud-Geschäft nach Einschätzung von Jim Cramer "außergewöhnlich" läuft, reicht das dem Markt derzeit offenbar nicht, weil er laut Cramer "keine Lust auf langfristige Szenarien" hat. Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursreaktion ist ein wiederkehrendes Muster dieser Berichtssaison.
Auffällig ist zudem die breite Streuung der Termine: Während AstraZeneca bereits um 2:30 Uhr morgens (ET) Zahlen vorlegt, folgen ExxonMobil um 8 Uhr und Chevron sowie Starbucks um 9 Uhr. Anleger, die auf diese Werte setzen, sollten die Zeitverschiebung beachten – die genannten Uhrzeiten beziehen sich auf Eastern Time.
Der Energiesektor präsentiert sich dabei mit Rückenwind: Steigende Ölpreise – WTI plus etwa 22 Prozent, Brent plus etwa 27 Prozent in drei Monaten – gingen mit deutlichen Kursgewinnen bei ExxonMobil und Chevron einher. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt auch von den Aussagen der beiden CEOs ab.
Ausblick
Der Freitag hält eine dichte Folge von Auftritten und Veröffentlichungen bereit: AstraZeneca um 2:30 Uhr (ET), ExxonMobil mit CEO Darren Woods um 8 Uhr, Chevron mit CEO Mike Wirth und Starbucks mit CEO Brian Niccol jeweils um 9 Uhr. Amazon wird ab 5 Uhr morgens im Rahmen von "Morning Call" beobachtet.
Ein weiterer Höhepunkt steht bereits am Montag an: CNBC-Reporterin MacKenzie Sigalos wird vor der ersten Quartalsveröffentlichung von Apple-CEO John Ternus berichten. Die Apple-Aktie erreichte in der vergangenen Woche einen neuen Höchststand; die Kurse sind im Jahr 2026 um 28 Prozent gestiegen.
Kurz erklärt
- Guidance: Die offizielle Prognose eines Unternehmens für die künftige Geschäftsentwicklung.
- Vergleichbare Ladenumsätze: Kennzahl, die die Umsatzentwicklung bestehender Filialen ohne Neueröffnungen misst.
- Futures: Terminkontrakte, mit denen Anleger auf künftige Kurse von Indizes oder Rohstoffen setzen.
