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BofA sieht EUR/USD bis Jahresende bei 1,15 trotz wachsender Marktrisiken

Die Bank of America erwartet den Euro bei 1,15 US-Dollar zum Jahresende und 1,20 bis Ende 2027 – trotz Iran-Krieg, Handelsstreit und US-Wahl.

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BofA sieht EUR/USD bis Jahresende bei 1,15 trotz wachsender Marktrisiken

Die Bank of America (BofA) erwartet, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar bis zum Jahresende auf 1,15 steigt. Für das Ende des Jahres 2027 liegt die Prognose der US-Großbank bei 1,20. Das geht aus einer Forschungsnotiz hervor, über die Investing.com berichtet. Damit rechnet das Institut mittelfristig mit einem moderat festeren Euro – trotz einer ganzen Reihe von Risiken, die den Markt derzeit belasten.

Die Einschätzung fällt in ein Umfeld, das von geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist. Auf der einen Seite stehen solide US-Makrodaten: Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 4 Prozent, das Wachstum verläuft mit etwa 2 Prozent. Auf der anderen Seite häufen sich für bereits nervöse Märkte die Risiken weiter.

Zu diesen Risiken zählt die Bank of America den anhaltenden Iran-Krieg und die damit verbundene Versorgungsstörung. Hinzu kommen wachsende Bedenken hinsichtlich der existenziellen Risiken durch künstliche Intelligenz, die scheinbare Unlösbarkeit fiskalischer Herausforderungen, erneute Handelsspannungen sowie die bevorstehenden Midterm-Wahlen in den USA.

Die Details

Aufseiten der Eurozone haben die Aktivitätsdaten positiv überrascht. Die Europäische Zentralbank (EZB) bemüht sich nach Einschätzung der Bank, ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation zu wahren. Als wesentliche Abwärtsrisiken für die Gemeinschaftswährung nennt das Institut jedoch hohe Energiepreise und die Entwicklungen in Frankreich.

Die Prognose der Bank fällt in einen Zeitraum, in dem die Märkte mit mehreren geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Der Konflikt im Iran hat Sorgen vor Versorgungsengpässen geschürt, während die Handelsspannungen erneut aufgeflammt sind. Das Jahresziel der Bank of America für das Währungspaar liegt bei 1,15, die längerfristige Projektion bei 1,20 bis Ende 2027.

Bemerkenswert ist die Konstellation: Einerseits liefern die US-Wirtschaftsdaten weiterhin eine solide Basis, andererseits summiert die Bank of America eine lange Liste von Belastungsfaktoren. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen robusten Fundamentaldaten und politischen wie geopolitischen Unsicherheiten verortet die BofA ihre Erwartung eines moderat stärkeren Euro.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of America den Euro gegenüber dem US-Dollar bis Ende 2026 bei 1,15 und bis Ende 2027 bei 1,20 sieht. Damals hieß es, das Institut positioniere sich für die kommenden 15 Monate auf einen moderat festeren Euro. Die Projektionen spiegelten nach Angaben des Instituts die eigene Einschätzung der Dollar-Bewegungen gegenüber wichtigen Währungen der entwickelten Märkte wider. Veröffentlicht wurde der Ausblick in einem Bericht mit dem Titel „G10 FX back-to-school: dollar unloaded“, der am 8. September 2026 erschien.

Deutlich anders klang die Bank of America noch am 10.06.2026. Damals bekräftigte die US-Großbank ihre pessimistische Haltung gegenüber dem Euro und argumentierte mit einer sich vergrößernden Wachstumskluft zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone. Hinzu kam das Risiko einer restriktiveren US-Notenbank Federal Reserve. Die BofA hielt an ihrer Short-Position im EUR/USD-Währungspaar fest und verwies auf eine Kombination aus schwächer werdenden technischen Signalen und einer sich verschlechternden fundamentalen Unterstützung für den Euro.

Auch am 16.07.2026 sah die Bank noch Aufwärtsrisiken für den Dollar. Devisenstratege Alex Cohen nannte drei zentrale Themen, die den US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2026 nach oben treiben könnten: eskalierende Spannungen im Nahen Osten, eine restriktivere US-Notenbank als vom Markt erwartet sowie anhaltend hohe Ausgaben von KI-Hyperscalern. Der Ölpreis hatte sich seit seinen Tiefstständen nach dem Waffenstillstand um rund 20 Prozent erholt – Hintergrund waren erneut aufflammende Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten.

Bereits am 08.04.2026 hatte die BofA vor einem Energieschock gewarnt, der das Wachstum der Eurozone dauerhaft bremsen könnte. Die Bank erwartete zwar, dass die Region eine technische Rezession knapp vermeidet, korrigierte ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone aber deutlich nach unten: auf 0,6 Prozent für das laufende Jahr und lediglich 1,0 Prozent für 2027. Im Vergleich zu früheren Schätzungen entsprach das einem kumulativen Verlust von 90 Basispunkten. Als Hauptursache nannten die Analysten den massiven Energieschock, verschärft durch anhaltende geopolitische Spannungen.

Was das für Anleger bedeutet

Ein höherer EUR/USD-Kurs bedeutet, dass ein Euro mehr US-Dollar kauft. Für deutsche Anleger, die in US-Aktien, Dollar-Anleihen oder Fondsmandate mit Dollar-Exposure investiert sind, wirkt sich das auf das Ergebnis in Euro aus: Ein stärkerer Euro drückt die in Euro gerechnete Rendite, ein schwächerer Euro hebt sie. Wer in beiden Währungsräumen engagiert ist, sollte daher wissen, wie stark sein Portfolio auf Dollar-Bewegungen reagiert.

Gleichzeitig bleiben die von der BofA genannten Risiken bestehen. Der Iran-Konflikt und die damit verbundene Versorgungsstörung können die Energiepreise treiben – ein Faktor, der besonders die Eurozone belastet. Hohe Energiepreise und die Entwicklungen in Frankreich nennt das Institut ausdrücklich als wesentliche Abwärtsrisiken für den Euro. Fiskalische Herausforderungen, erneut aufgeflammte Handelsspannungen und die bevorstehenden Midterm-Wahlen in den USA kommen hinzu. Anleger sollten diese Faktoren im Blick behalten, ohne eine einzelne Prognose zu überschätzen: Wechselkursprognosen sind Szenarien, keine Garantien.

Für exportorientierte deutsche Unternehmen ist der Wechselkurs ein klassischer Wettbewerbsfaktor. Ein festerer Euro verbilligt Einfuhren, verteuert aber Exporte in den Dollar-Raum. Wie stark sich das in den Bilanzen zeigt, hängt vom individuellen Absicherungsverhalten der Unternehmen ab.

Ausblick

Die Bank of America hält an ihren Zielmarken fest: 1,15 bis zum Jahresende und 1,20 bis Ende 2027. Im Blick behalten sollten Marktteilnehmer die bevorstehenden Midterm-Wahlen in den USA, die weitere Entwicklung des Iran-Konflikts und der Handelsspannungen sowie die Frage, ob die EZB ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation wahren kann. Entscheidend bleibt zudem, wie sich die Aktivitätsdaten der Eurozone und die Energiepreise entwickeln – sie bestimmen, ob das Umfeld für einen moderat festeren Euro trägt.

Kurz erklärt

  • EUR/USD: Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, der angibt, wie viele US-Dollar ein Euro wert ist.
  • EZB: Europäische Zentralbank, die die Geldpolitik im Euroraum verantwortet und die Inflation im Ziel halten soll.
  • Short-Position: Position, die auf fallende Kurse eines Werts oder Währungspaares setzt.
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