Hyundai gegen Tesla: Wettlauf um die Robotik-Zukunft beginnt
Während Tesla seinen Roadster erneut verschiebt, präsentiert Hyundai-CEO José Muñoz den neuen Tucson – beide setzen auf Robotik.

Der Donnerstag hätte ein großer Tag für Tesla werden sollen. Eigentlich war er als der lang versprochene Debüttag dessen geplant, was möglicherweise das letzte neue, von Menschenhand gesteuerte Auto sein könnte, das der Konzern auf den Markt bringt. Doch der Roadster, der bereits fast ein Jahrzehnt zuvor vorgestellt worden war, musste erneut verschoben werden – diesmal wegen schlechten Wetters in Texas.
Mehr als 1.600 Meilen nordöstlich davon, in New York City, schien an demselben Tag die Sonne auf einen anderen Automobilhersteller. Dort feierte Hyundai Motor die Enthüllung seines neuesten Tucson-Sport Utility Vehicle (SUV). Der neue Tucson ist dabei nur ein Baustein eines deutlich größeren Programms: Bis 2030 plant der südkoreanische Konzern weltweit mehr als 100 neue oder überarbeitete Fahrzeuge.
Für José Muñoz, den Chief Executive Officer von Hyundai Motor, war die Präsentation eine weitere Station auf einer Art Roadshow. Seine Mission ist klar umrissen: Er will den Autobauer so positionieren, dass er eher dem Bild entspricht, das die Anhänger von Elon Musk mit Tesla verbinden – und nicht dem, wozu die angeschlagenen Wettbewerber der Branche geworden sind.
Zwei Konzerne, ein gemeinsames Lager
Die Automobilbranche ist erschüttert, doch Muñoz und Musk finden sich in derselben Ecke wieder: Beide setzen groß auf Robotik. Damit rücken zwei Unternehmen zusammen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten – ein etablierter Volumenhersteller aus Südkorea und der Elektroauto-Pionier aus Kalifornien. Der Befund ist bemerkenswert, weil er zeigt, wie stark sich die Erzählung der Branche verschoben hat.
Der entscheidende Unterschied liegt allerdings nicht im Ziel, sondern im Weg dorthin. Es sind die Timing-Strategie und der jeweilige Ansatz, die einen strategischen Unterschied offenbaren. Während Tesla mit einem seit fast einem Jahrzehnt angekündigten Modell Schlagzeilen macht, das nun erneut verschoben wurde, präsentiert Hyundai kontinuierlich neue Fahrzeuge und untermauert damit seinen Anspruch auf industrielle Breite.
Für deutsche Anleger ist der Kontrast aufschlussreich. Er illustriert zwei sehr unterschiedliche Arten, wie Autohersteller den Wandel hin zur Robotik und zur nächsten Fahrzeuggeneration angehen. Die eine Strategie lebt von großen Ankündigungen und deren zeitlicher Streckung, die andere von einem dichten Produktprogramm mit klar terminierten Volumen. Beide Wege bergen Chancen und Risiken – sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Planbarkeit.
Auch die Marktreaktion am Tag der Ereignisse fiel unterschiedlich aus. Tesla-Aktien legten um 4,65 Prozent zu, während die Aktie von Hyundai Motor um 0,72 Prozent nachgab. Solche Tagesbewegungen sind nur eine Momentaufnahme, doch sie verdeutlichen, wie unterschiedlich Anleger die Erzählungen der beiden Konzerne derzeit bewerten.
Für den Wettbewerb um die Vorherrschaft in der Robot-Zukunft ist damit eine Konstellation entstanden, die Beobachter genau verfolgen dürften. Tesla steht für die Vision eines Autobauers, der sich neu erfinden will – und dessen Zeitplan schon mehrfach ins Rutschen geriet. Hyundai steht für einen Hersteller, der die industrielle Basis ausbaut und parallel auf Robotik setzt. Wer am Ende die Nase vorn hat, hängt maßgeblich davon ab, ob Ankündigungen in Serie gefertigte Produkte werden.
