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BofA: China dürfte vorerst keine aggressiveren Konjunkturprogramme auflegen

Ökonomen der Bank of America sehen gezielte Hilfen statt eines großen Kurswechsels – entscheidend sind Exporte und Fiskallage.

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BofA: China dürfte vorerst keine aggressiveren Konjunkturprogramme auflegen

Die Ökonomen von BofA Global Research rechnen nicht damit, dass China in absehbarer Zeit ein aggressiveres Konjunkturpaket auflegen wird. Wie die Bank am Mittwoch mitteilte, wären dafür zwei Bedingungen entscheidend: eine Abschwächung des Exportwachstums oder eine deutliche Verschlechterung der fiskalischen Lage. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, dürfte Peking an seinem bisherigen Kurs festhalten.

Die am Dienstag bekannt gegebenen Stimulus-Maßnahmen bieten nach Einschätzung der BofA-Ökonomen gezielte Unterstützung für Investitionen und den Immobilienmarkt. Allerdings stellten sie nicht den starken politischen Kurswechsel dar, der nötig wäre, um die öffentlichen Erwartungen spürbar zu heben. Das Paket fiel damit weitaus weniger umfassend aus als die Maßnahmen, die China Ende 2024 vorgestellt hatte.

Nach Darstellung der Bank ergriffen die politischen Entscheidungsträger offenbar erste Schritte zur Stabilisierung des Wachstums. Angesichts der starken Exporte blieben sie jedoch relativ zufrieden mit der aggregierten Nachfrage. Genau diese Haltung erklärt, warum BofA keinen Anlass für einen deutlich expansiveren Kurs sieht.

Die Details

Im Zentrum der jüngsten Maßnahmen steht eine neue nationale Hypothekenbeihilfe. BofA kritisiert, dass deren Voraussetzungen zu eng gefasst seien: Gefördert würden ausschließlich neue Erstwohnungs-Hypotheken für Immobilien mit einer Größe von bis zu 120 Quadratmetern und einem Wert von 1,5 Millionen Yuan. Nach Schätzung der Bank wären damit höchstens 20% bis 25% der jährlichen Immobilientransaktionen förderfähig. Die maximalen fiskalischen Kosten im ersten Jahr beziffert BofA auf etwa 27 Milliarden Yuan, was auf eine begrenzte direkte Unterstützung hindeute.

Die größere Wirkung der Beihilfe dürfte nach Ansicht der Ökonomen über Stimmungseffekte eintreten, indem sie die Kreditkosten für berechtigte Käufer senkt. China kündigte diese erste landesweite fiskalische Subvention für kommerzielle Hypotheken gemeinsam mit dem Finanzministerium und der Finanzaufsicht an.

Parallel dazu griff die Volksbank von China zu geldpolitischen Maßnahmen. Sie senkte ihren Zinssatz für das Ein-Jahres-Pledged Supplementary Lending (PSL) um 25 Basispunkte auf 1,50% von zuvor 1,75%. Es ist die zweite Senkung dieser Art, nach einer ähnlichen im Januar. Zudem erweiterte die Zentralbank die Förderfähigkeit des PSL auf „sechs Netzwerke“: Wasser, neuartige Stromnetze, Rechenleistung, Kommunikation der nächsten Generation, unterirdische Stadtversorgungsleitungen und Logistik. BofA prognostiziert, dass die Ausgaben in diesen Bereichen in den kommenden fünf Jahren bis zu 25 Billionen Yuan betragen könnten.

Hinzu kommen weitere Kreditlinien: Die PBOC erhöhte das Kontingent für ihre Technologie-Renovierungslinie um 200 Milliarden Yuan auf 1,4 Billionen Yuan und hob den Refinanzierungssatz der Zentralbank von 100% auf 60% an. Außerdem fügte sie dem kombinierten Kontingent für landwirtschaftliche und KMU-Renovierungskredite sowie Rediscounting 500 Milliarden Yuan hinzu, wodurch dieses auf 4,85 Billionen Yuan stieg.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 02.02.2026 berichtete aktien.news, dass der chinesische Immobiliensektor massive staatliche Unterstützung zur Bewältigung der seit Mitte 2021 andauernden Schuldenkrise erhält. Der Markt, der auf seinem Höhepunkt ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung ausmachte, kämpft weiterhin mit zahlreichen Zahlungsausfällen von Bauträgern. Die Zentralbank kündigte im Mai ein Wiederanlageprogramm in Höhe von 300 Milliarden Yuan an, das Kredite von insgesamt 500 Milliarden Yuan ermöglichen soll.

Am 15.01.2026 berichtete aktien.news über ein breit angelegtes Stimulierungspaket der PBOC. Vize-Gouverneur Zou Lan gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass die Zinssätze für strukturelle Politikinstrumente am 19. Januar um 25 Basispunkte reduziert werden. Das Refinanzierungsprogramm für technologische Innovationen wurde um 400 Milliarden Yuan auf insgesamt 1,2 Billionen Yuan aufgestockt.

Am 20.01.2026 folgte die Ankündigung eines Konjunkturpakets zur Stärkung des Konsums. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 soll der Anteil des privaten Konsums an der Wirtschaftsleistung „signifikant“ steigen, wie die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) mitteilte. Wang Changlin, stellvertretender Leiter der NDRC, bezeichnete das Problem der starken Versorgung bei gleichzeitig schwacher Nachfrage als „herausragendes Problem“ im aktuellen Wirtschaftsbetrieb. Die Zahlen unterstrichen diese Schieflage: Während die Industrieproduktion 2025 um 5,9 Prozent zulegte, wuchsen die Einzelhandelsumsätze lediglich langsamer.

Am 12.08.2026 meldete aktien.news, dass die chinesische Zentralbank angekündigt hat, ihre moderat lockere Geldpolitik beizubehalten und bei Bedarf neue Maßnahmen einzuführen. Dies ging aus dem aktuellen vierteljährlichen Bericht zur Umsetzung der Geldpolitik hervor. Im Mittelpunkt der Ankündigung stand die engere Abstimmung zwischen Geld- und Fiskalpolitik.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die in chinesische Märkte oder exportabhängige Unternehmen investiert sind, ist die Einschätzung von BofA ein wichtiges Signal: Peking setzt auf gezielte, begrenzte Instrumente statt auf ein großes Rundum-Paket. Die direkte fiskalische Unterstützung fällt nach Berechnung der Bank klein aus, während die Wirkung der Hypothekenbeihilfe vor allem über die Stimmung und niedrigere Kreditkosten für berechtigte Käufer entstehen dürfte.

Gleichzeitig bleiben die strukturellen Maßnahmen der PBOC umfangreich: Die ausgeweiteten Kreditlinien für Technologie, Landwirtschaft, kleine und mittlere Unternehmen sowie die „sechs Netzwerke“ zeigen, wo die politischen Prioritäten liegen. Wer chinesische Aktien oder Rohstoffmärkte im Depot hat, sollte die genannten Bedingungen im Blick behalten – eine Abschwächung der Exporte oder eine deutliche Verschlechterung der Fiskallage wären laut BofA die Auslöser für einen aggressiveren Kurs. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

BofA erwartet zusätzliche Impulse nur, falls sich das Exportwachstum abschwächt oder die fiskalische Lage deutlich verschlechtert. Für die „sechs Netzwerke“ prognostiziert die Bank Ausgaben von bis zu 25 Billionen Yuan in den kommenden fünf Jahren. Die neue Hypothekenbeihilfe soll die Kreditkosten für berechtigte Käufer senken; die maximalen fiskalischen Kosten im ersten Jahr veranschlagt BofA auf etwa 27 Milliarden Yuan. Konkrete neue Termine für weitere Maßnahmen nennt die Quelle nicht.

Kurz erklärt

  • Pledged Supplementary Lending (PSL): Ein gezieltes Kreditinstrument der chinesischen Zentralbank, mit dem Banken langfristige Mittel für bestimmte Politikbereiche erhalten.
  • Basispunkt: Die kleinste gängige Maßeinheit für Zinssätze; ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
  • Refinanzierungssatz: Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Mittel beschaffen können.
  • Aggregierte Nachfrage: Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft.
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