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IWF verlangt vom Libanon Reformen für neues Hilfsprogramm

Der Internationale Währungsfonds fordert vor neuen Verhandlungen Banken- und Haushaltsreformen sowie einen Finanzplan für 2027.

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IWF verlangt vom Libanon Reformen für neues Hilfsprogramm

Der Libanon muss mehrere Wirtschafts- und Bankenreformen umsetzen, bevor das Land ein neues Programm mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aushandeln kann. Das teilte die Organisation am Donnerstag mit. Konkret verlangt der Fonds die Umsetzung des Gesetzes zur Bankenabwicklung sowie von Finanzlückengesetzen, die internationale Standards erfüllen.

IWF-Sprecherin Julie Kozack nannte die Bedingungen während einer Pressekonferenz. Neben den Bankenreformen müsse der Libanon einen Haushaltsplan für 2027 sowie einen mittelfristigen fiskalischen Rahmen vorlegen. Beide müssten mit der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung des Landes im Einklang stehen, so Kozack.

Damit knüpft der IWF neue Finanzhilfen an klare Auflagen. Der Libanon steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Ein neues Programm des Fonds wäre für das Land ein wichtiger Schritt zurück zu internationaler Kreditwürdigkeit.

Die Details

Die Forderungen des IWF umfassen mehrere konkrete Punkte. Erstens muss der Libanon das Gesetz zur Bankenabwicklung umsetzen. Zweitens verlangt der Fonds Finanzlückengesetze, die internationale Standards erfüllen. Drittens fordert er einen Haushaltsplan für das Jahr 2027. Viertens soll ein mittelfristiger fiskalischer Rahmen vorgelegt werden, der mit der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung im Einklang steht.

Kozack äußerte sich am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz des Fonds. Sie ist die Sprecherin der in Washington ansässigen Organisation. Die Bedingungen gelten als Voraussetzung dafür, dass der Libanon überhaupt in neue Verhandlungen über ein Programm eintreten kann.

Der Libanon hat bereits einen ersten Schritt unternommen. Das Land verabschiedete kürzlich ein neues Gesetz zur Restrukturierung des Bankensektors. Der IWF begrüßte diesen Schritt ausdrücklich. In dieser Woche überwies Präsident Joseph Aoun das Gesetz zur Prüfung an den Verfassungsrat des Landes. Damit ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Vorgeschichte. Bereits am 23.01.2026 berichtete aktien.news, dass der IWF Nachbesserungen am libanesischen Rettungsplan gefordert hatte. Im Zentrum stand damals das sogenannte „Finanzierungslückengesetz". Dieses Gesetz soll das Land aus seiner schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten führen und Einlegern erstmals seit sechs Jahren wieder Zugang zu ihren eingefrorenen Spareinlagen ermöglichen.

Damals kündigte Premierminister Nawaf Salam in Davos an, die Forderungen des IWF umsetzen zu wollen. Der Fonds wünschte sich vor allem klarere Regelungen zur Rangfolge der Forderungen. Dieses Kernelement des Gesetzentwurfs legt fest, wie die massiven Verluste zwischen Staat, Zentralbank, Geschäftsbanken und Einlegern aufgeteilt werden. Salam erklärte seinerzeit: „Wir wollen mit dem IWF zusammenarbeiten."

Am 04.05.2026 berichtete aktien.news über die Sicht der libanesischen Zentralbank. Deren Gouverneur beschrieb die Wirtschaftskrise des Landes als das „vorhersehbare Ergebnis fiskalischer Disziplinlosigkeit durch dilettantische Regierungen, monetärer Fehlsteuerung durch die Zentralbank und der konzentrierten Fehlallokation privater Ersparnisse durch den Bankensektor". Diese Selbstkritik bildete den Ausgangspunkt für eine dringende Botschaft an die internationale Gemeinschaft: Der Libanon braucht finanzielle Unterstützung.

Zugleich zeigten jüngste politische Anpassungen der Regierung erste Wirkung. Die Haushaltssalden hatten sich verbessert, primär durch höhere Steuereinnahmen und begrenzte Ausgaben. Der Zentralbankgouverneur betonte jedoch, dass dies allein nicht ausreiche.

Der Libanon hatte im April 2022 seine erste Vorrunde eines Abkommens mit dem IWF unterzeichnet. Das geschah mehr als zwei Jahre nach dem Zusammenbruch seines Finanzsystems. Dieser Einbruch war auf Jahrzehnte übermäßiger Ausgaben und Korruption innerhalb der herrschenden Elite zurückzuführen. Seitdem ringt das Land um ein tragfähiges Reformprogramm.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die direkte Betroffenheit begrenzt, doch die Meldung ist ein Lehrstück über die Arbeitsweise des IWF. Der Fonds macht Auszahlungen konsequent von Reformschritten abhängig. Dieses Muster zeigt sich auch in anderen Programmen: Am 09.04.2026 berichtete aktien.news, dass der IWF eine Einigung auf Arbeitsebene mit Sri Lanka erzielte, die nach endgültiger Genehmigung rund 700 Millionen US-Dollar freigeben sollte — geknüpft an weitere Reformschritte. Am 28.03.2026 meldete aktien.news eine Einigung mit Pakistan über eine Auszahlung von insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar, die noch der formellen Zustimmung des IWF-Exekutivrats bedurfte.

Diese Beispiele verdeutlichen: IWF-Programme sind keine automatischen Geldtransfers, sondern an Bedingungen geknüpft. Für Anleger, die in Schwellenländern engagiert sind, bleibt die Reformbereitschaft einer Regierung damit der entscheidende Faktor. Der Libanon hat mit dem neuen Bankenrestrukturierungsgesetz einen Schritt getan, doch die Prüfung durch den Verfassungsrat steht noch aus. Ob und wann ein neues Programm zustande kommt, hängt davon ab, wie schnell die übrigen Forderungen erfüllt werden.

Ausblick

Der IWF hat klare Bedingungen formuliert, aber keinen Zeitplan für neue Verhandlungen genannt. Entscheidend sind nun mehrere offene Punkte. Der Verfassungsrat muss das neue Bankenrestrukturierungsgesetz prüfen, das Präsident Joseph Aoun in dieser Woche überwiesen hat. Zudem muss der Libanon einen Haushaltsplan für 2027 und einen mittelfristigen fiskalischen Rahmen vorlegen. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Land nach Einschätzung des Fonds in neue Gespräche über ein Programm eintreten.

Kurz erklärt

  • Bankenabwicklung: Verfahren, mit dem ein Staat oder eine Aufsichtsbehörde eine notleidende Bank saniert oder geordnet abwickelt.
  • Finanzlückengesetz: Regelwerk, das festlegt, wie Verluste im Finanzsystem zwischen Staat, Zentralbank, Banken und Einlegern verteilt werden.
  • Mittelfristiger fiskalischer Rahmen: Mehrjährige Planung für die Einnahmen und Ausgaben eines Staates.
  • Tragfähigkeit der Staatsverschuldung: Fähigkeit eines Staates, seine Schulden dauerhaft zu bedienen.
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