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Fed-Kashkari bleibt hawkish: Inflation zu hoch, KI-Investitionen im Fokus

US-Notenbanker Kashkari hält an restriktiver Geldpolitik fest und warnt vor Malinvestitionen im KI-Boom.

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Fed-Kashkari bleibt hawkish: Inflation zu hoch, KI-Investitionen im Fokus

Neel Kashkari, Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, hält an seinem restriktiven geldpolitischen Kurs fest. Zum Beginn des vierten Quartals 2026 betont er, dass die Inflation in den USA weiterhin "zu hoch" sei – trotz zuletzt schwächerer Preisdaten. Damit bleibt der Notenbanker eine der lautesten Stimmen für eine anhaltend straffe Geldpolitik.

Im Interview mit CNBC-Moderator Steve Liesman machte Kashkari deutlich, dass der August-PCE-Preisindex – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed – zwar schwächer ausgefallen sei als von Ökonomen erwartet. Dennoch sei eine Inflationsrate von 3 Prozent für ihn nicht akzeptabel. Die Teuerung liege seit über fünf Jahren erhöht, und die jüngsten Daten hätten seine Einschätzung nicht grundlegend verändert.

Seine Haltung stützt sich auf eine widerstandsfähige US-Wirtschaft: solide Konsumausgaben, robustes BIP-Wachstum und ein Arbeitsmarkt, den er als "ziemlich gut" bezeichnet. Ausdrücklich stellte er klar, dass Schmerzen am Arbeitsmarkt keine Voraussetzung seien, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Er erinnerte an ein früheres Gespräch mit einem Gewerkschaftsführer, wonach für viele Arbeitnehmer die Inflation schädlicher sei als eine Rezession – eine Einschätzung, die seinen geldpolitischen Ansatz weiterhin prägt.

Die Details

Kashkari hat seine Schätzung des neutralen Leitzinses auf 3,25 Prozent nach oben korrigiert. Als Grund nennt er die enorme Kapitalnachfrage, die vom Boom der künstlichen Intelligenz (KI) angetrieben wird. Zwar räumt er ein, dass eine erfolgreiche KI-Integration langfristig erhebliche Produktivitätsgewinne bringen könnte. Doch gegenüber dem aktuellen Umfang der Unternehmensinvestitionen äußert er sich ausdrücklich vorsichtig.

Er warnt vor möglichen "Malinvestitionen": Sollten die massiven Kapitalausgaben, die derzeit in die KI-Infrastruktur fließen, nicht die erwarteten Produktivitätsverbesserungen bringen, könnte die Wirtschaft mit erheblichen Konsequenzen konfrontiert werden. Die KI-Branche müsse daher lernen, effizienter mit Ressourcen umzugehen – eine Lektion, die durch die aktuelle Phase strafferer Geldpolitik seiner Ansicht nach verstärkt werde.

Seine Äußerungen fallen in eine Phase erheblicher Marktvolatilität. Im September fiel der Dow Jones Industrial Average um mehr als 4 Prozent und beendete damit eine fünfmonatige Gewinnserie. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen auf Niveaus, die zuletzt 2002 erreicht wurden; die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe kletterte zuletzt auf 5,34 Prozent. Darin spiegelt sich die Nervosität der Anleger über die anhaltende Inflation und die staatliche Kreditaufnahme wider.

Trotz dieses Drucks hat der Technologiesektor – insbesondere Unternehmen aus den Bereichen KI und Beratung – den breiteren Marktindizes als Puffer gedient. Accenture verzeichnete einen Kursanstieg von 17,7 Prozent nach einer starken Umsatzprognose. Micron Technology meldete einen elfmal höheren Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft, was das Vertrauen der Anleger in das KI-Geschäft stärkte. Diese Euphorie wird jedoch durch die Realität höherer Finanzierungskosten gedämpft. Die Fed hat begonnen, die Zinsen zu erhöhen; Kashkari räumte ein, dass diese Schritte "Hyperscaler" möglicherweise nicht sofort bremsen, andere, zinssensiblere Sektoren der Wirtschaft aber sehr wohl treffen dürften.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 27.05.2026 berichtete aktien.news, dass Kashkari in Tokio in einem Interview mit Reuters eindringlich vor wachsenden Inflationsrisiken gewarnt hatte. Damals erklärte er, es sei "viel zu früh", um vorherzusagen, wann die Zinsen das nächste Mal geändert würden, und verwies auf eine "inflationäre Schockwelle", die durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöst worden sei und weiterhin anhalten könnte.

Am 27.06.2026 meldete aktien.news einen bemerkenswerten Sinneswandel: Kashkari erwartete nun, dass in diesem Jahr eine Zinserhöhung erforderlich sein würde – nur etwas mehr als eine Woche, nachdem der Offenmarktausschuss (FOMC) den Leitzins stabil gehalten hatte. Als Hauptgrund nannte er die anhaltend hohe Inflation, die durch die Unruhen im Nahen Osten und weitere Faktoren zusätzlich angeheizt werde.

Ebenfalls am 27.06.2026 berichtete aktien.news, dass Kashkari seinen Ausblick auf eine weitere Zinserhöhung mit einem breit gefächerten Inflationsdruck begründete. In einem Interview mit Bloomberg News am Rande des Aspen Ideas Festival in Aspen, Colorado, sagte er, er sei besorgt über die Inflation, und dies hänge nicht nur mit den Geschehnissen im Nahen Osten zusammen, sondern sei der Eindruck eines breiteren Inflationsdrucks in der Wirtschaft.

Am 21.09.2026 berichtete aktien.news über den fundamentalen Umbruch an den US-Finanzmärkten: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen hatte die 5-Prozent-Marke überschritten und damit ein Niveau erreicht, das zuletzt vor der Finanzkrise 2007 verzeichnet worden war. Der Dow Jones verzeichnete damals seine schlechteste Serie seit März.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft zwiespältig. Auf der einen Seite signalisiert Kashkaris Haltung, dass die Fed die Zinsen länger hoch halten könnte, als es die zuletzt schwächeren Inflationsdaten vermuten lassen. Höhere US-Renditen stützen den Dollar und können Kapital aus Schwellenländern und Europa abziehen; zinssensible Sektoren wie Immobilien und verschuldete Wachstumsunternehmen geraten unter Druck.

Auf der anderen Seite bleibt der Marktkonsens uneinheitlich. Einige Investoren deuten die weicheren Inflationsdaten als Signal, dass die Fed die Zinsen stabil halten könnte. Das FedWatch-Tool der CME Group preist eine 63-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Pause bei der nächsten Sitzung ein. Andere Fed-Vertreter wie der Präsident der New York Fed, John Williams, haben zuletzt weniger Dringlichkeit für weitere Straffungen signalisiert. Diese Uneinigkeit macht es für Anleger schwierig, den weiteren Kurs der Notenbank präzise vorherzusagen.

Hinzu kommt die Frage der Kapitalallokation im KI-Sektor. Die Aktien von Unternehmen wie Accenture und Micron zeigen, dass der Markt weiterhin auf das KI-Thema setzt. Kashkaris Warnung vor Malinvestitionen deutet jedoch an, dass nicht jede Investition in KI-Infrastruktur automatisch Früchte tragen muss. Anleger sollten daher zwischen Unternehmen unterscheiden, die nachweislich Umsätze erzielen, und solchen, deren Bewertung allein auf Zukunftserwartungen beruht.

Ausblick

Kashkari hat keinen konkreten Zeitpunkt für die nächste Zinsentscheidung genannt. Die Märkte richten ihren Blick auf die kommende Sitzung der Fed, bei der laut CME FedWatch derzeit eine Pause mit 63 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist ist. Entscheidend dürften weitere Inflationsdaten sowie die Frage sein, ob die US-Wirtschaft ihre Widerstandsfähigkeit behält.

Auch abseits der Geldpolitik stehen Entwicklungen an: Präsident Trump erwägt angesichts rekordhoher Dieselpreise ein Exportverbot, obwohl die Rohölflüsse durch die Straße von Hormus wieder das Vorkriegsniveau erreicht haben. In Großbritannien belasten 30-jährige Gilt-Renditen auf 30-Jahres-Hochs, ein fallender FTSE 100, langsamer steigende Hauspreise und politische Debatten über engere Beziehungen zur Europäischen Union die Stimmung.

Im Unternehmensbereich bleibt das KI-Rennen bestimmend: Google stellte mit Gemini 4 Argon sein fortschrittlichstes KI-Modell vor, das auf Software-Engineering und Cybersicherheit ausgerichtet ist. Eli Lilly meldete positive Ergebnisse einer mittleren Studienphase für eine neue Kombinationstherapie gegen Adipositas, und Rocket Lab sicherte sich einen Vertrag über 20 Starts mit Synspective. Aufsichtsseitig stellte der Generalinspektor der Fed Managementfehler bei der Renovierung des Fed-Hauptsitzes fest, ohne strafrechtliche Verweise. Handelsminister Howard Lutnick wies in seiner Vermögensoffenlegung Einkünfte von über 250 Millionen Dollar aus, die überwiegend aus seiner früheren Firma Cantor Fitzgerald stammen.

Kurz erklärt

  • PCE-Preisindex: Ein von der US-Notenbank bevorzugt beobachtetes Maß für die Preisentwicklung privater Konsumausgaben.
  • Neutraler Leitzins: Der Zinssatz, bei dem die Geldpolitik weder die Wirtschaft anheizt noch bremst.
  • Hawkish: Eine geldpolitische Haltung, die auf straffere Zinsen und Inflationsbekämpfung ausgerichtet ist.
  • Malinvestition: Eine Fehlinvestition, bei der eingesetztes Kapital nicht den erwarteten Ertrag bringt.
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