BoE erhöht Leitzins auf 4 Prozent – Ökonomen erwarten weitere Anhebung
Nach der einstimmigen Erhöhung auf 4 Prozent rechnen Deutsche Bank, ING, Jefferies und UBS mit einem weiteren Schritt, wahrscheinlich im Februar.

Die Bank of England (BoE) hat den Leitzins auf 4 Prozent angehoben – von zuvor 3,75 Prozent. Alle neun Entscheidungsträger des geldpolitischen Ausschusses stimmten am Donnerstag für diesen Schritt. Ökonomen mehrerer großer Institute erwarten nun, dass die britische Notenbank nachlegt, und halten eine weitere Erhöhung im Februar für am wahrscheinlichsten.
Zu diesem Schluss kommen die Deutsche Bank, die ING, Jefferies und die UBS. Auslöser ist neben dem einstimmigen Votum die aktualisierte Inflationsprognose der Bank, die eine Spitze von 4,9 Prozent vorsieht. Die erwartete Teuerungsrate liegt damit über den Annahmen, von denen viele Ökonomen im Vorfeld ausgegangen waren.
Der ING-Ökonom James Smith sagte, die 4,9-Prozent-Spitze liege über der eigenen Prognose der ING sowie über den Vorhersagen der meisten anderen Ökonomen. Notenbankchef Andrew Bailey wiederum betonte laut der Deutschen Bank, die Erhöhung „sollte nicht als erste in einer unweigerlichen langen Folge von Zinserhöhungen gesehen werden“. Zwischen der Prognose der Bank und der Kommunikation ihres Gouverneurs liegt damit eine Spannung, die die Debatte über den weiteren Zinspfad bestimmt.
Die UBS hatte eine Abstimmung von 7 zu 2 erwartet
Die UBS hatte im Vorfeld mit einer Abstimmung von 7 zu 2 gerechnet. Tatsächlich votierten alle neun Mitglieder für die Anhebung. Catherine Mann stimmte dabei für einen stärkeren Schritt von 50 Basispunkten. Die UBS erklärte, das Ergebnis signalisiere mindestens eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte.
Sanjay Raja, Chief UK Economist bei der Deutschen Bank, bezeichnete eine Zinserhöhung im Dezember als „eng abgewogen“. Ein Anstieg im Februar sei jedoch marginal wahrscheinlicher. Für die Dezember-Sitzung erwartet er eine Abstimmung von 5 zu 4 für die Beibehaltung des Status quo.
Der Jefferies-Ökonom Modupe Adegbembo hält den Dezember angesichts begrenzter Hinweise auf Weitergabe-Effekte in Lohn- und Preisentwicklungen für zu früh. Die ING erklärte, die Bank werde den Leitzins im Dezember wahrscheinlich unverändert lassen, wenn die Energiepreise weiter sinken und der Ölpreis unter 100 US-Dollar pro Barrel bleibt. Eine Erhöhung im Dezember könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, falls sich die Krise im Nahen Osten erneut eskaliert.
Jefferies hält die eingepreisten drei weiteren Erhöhungen für zu aggressiv
Jefferies gab an, dass die Prognose der Bank kein Sinken des Ölpreises auf 95 US-Dollar pro Barrel bis Mai 2027 vorsieht, im Vergleich zu derzeit 97 US-Dollar. Die Deutsche Bank erklärte, dass Öl- und Gaspreise in den nächsten drei Jahren um mehr als 5 Prozent unter den zentralen Annahmen der Bank liegen.
Die UBS gab an, dass die Märkte für Dezember eine Straffung von 13,3 Basispunkten einpreisen, bis Februar 31,7 Basispunkte und bis September 2027 70,3 Basispunkte. Jefferies sagte, die Märkte preisen drei weitere Zinserhöhungen im kommenden Jahr ein, was das Institut als zu aggressiv bezeichnete. Die ING schätzt die Zahl auf etwa vier.
Bei der Endmarke liegen die Institute enger zusammen: Deutsche Bank und UBS sehen den Bank Rate bei einer Spitze von 4,25 Prozent. Die ING erwartet insgesamt 50 Basispunkte an Straffung.
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die BoE den Leitzins bei 3,75 Prozent belassen hatte
Damals fiel die Entscheidung mit 6 zu 3 Stimmen. Drei Mitglieder – Chefvolkswirt Huw Pill sowie die externen Mitglieder Megan Greene und Catherine Mann – stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent. Notenbankchef Andrew Bailey warnte vor den Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten; der Konflikt hatte die Preise für Erdgas und Brent-Rohöl in diesem Monat um knapp 20 Prozent in die Höhe getrieben.
Ebenfalls am 18.09.2026 meldete aktien.news, dass die UBS ihre Prognose geändert hatte: Statt Zinssenkungen erwartete die Schweizer Großbank nun zwei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im November 2026 und im Februar 2027, womit der Leitzins auf 4,25 Prozent steigen würde.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Deutsche Bank ihre Prognose grundlegend geändert hatte. Statt „keine weiteren Erhöhungen“ erwartete das Institut nun zwei Anhebungen um jeweils einen halben Prozentpunkt im November und Februar. Begründet wurde dies mit der zunehmend schwindenden Toleranz der Zentralbank gegenüber den hohen Inflationsraten. Die Ökonomen sprachen von „Versicherungszinserhöhungen“ und nicht vom Beginn eines anhaltenden Verschärfungszyklus.
Bereits am 02.02.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die BoE den Leitzins bei 3,75 Prozent belassen würde. Nach sechs Zinssenkungen seit Mitte 2024 signalisierte die Notenbank eine Verlangsamung ihres Lockerungskurses. Der MPC hatte im Dezember den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt und betont, künftige Entscheidungen würden „knapper ausfallen“. Die meisten von Reuters befragten Ökonomen erwarteten eine Abstimmung von 7 zu 2 für keine Änderung; im Dezember hatte der MPC mit 5 zu 4 für eine Senkung gestimmt.
Für deutsche Privatanleger ist die BoE-Politik vor allem über den Wechselkurs des Pfunds spürbar
Die UBS erwartet, dass das Pfund Sterling bis Jahresende stabil bleibt, und peilt einen Kurs von 0,8350 für EURGBP bis dahin an. Wer in britische Anleihen oder Aktien investiert ist, sollte die im Quelltext genannten Markterwartungen im Blick behalten: Die Märkte preisen laut UBS bis Februar 31,7 Basispunkte und bis September 2027 70,3 Basispunkte an Straffung ein. Jefferies hält die eingepreisten drei weiteren Erhöhungen für zu aggressiv, die ING schätzt etwa vier. Diese Einschätzungen sind Prognosen von Instituten und Marktteilnehmern und stellen keine Anlageempfehlung dar.
Die nächste wichtige Marke ist die Dezember-Sitzung der Bank of England
Die ING erwartet dort keine Änderung, solange die Energiepreise fallen und der Ölpreis unter 100 US-Dollar bleibt; eine Eskalation im Nahen Osten könnte jedoch eine Erhöhung auslösen. Deutsche Bank und UBS sehen den Bank Rate bei einer Spitze von 4,25 Prozent. Die Deutsche Bank erwartet, dass die Zinssätze bis zum Frühjahr 2028 unverändert bleiben, während die ING Zinssenkungen gegen Ende 2027 oder Anfang 2028 für möglich hält.
Drei Fachbegriffe ordnen die Geldpolitik der Bank of England ein
- Bank Rate: Der Leitzins der Bank of England, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld beschaffen können.
- Basispunkt: Kleinste gebräuchliche Einheit für Zinsänderungen; ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
- MPC: Das Monetary Policy Committee, der geldpolitische Ausschuss der Bank of England, der über den Leitzins entscheidet.
