Binance.US plant 100-Millionen-Dollar-Runde bei 1 Mrd. Bewertung
Die US-Kryptobörse Binance.US strebt laut Bloomberg bis zu 100 Millionen US-Dollar an – bei einer Bewertung von rund 1 Mrd. US-Dollar.

Die US-amerikanische Kryptobörse Binance.US strebt einem Medienbericht zufolge eine neue Finanzierungsrunde an. Das Unternehmen will dabei bis zu 100 Millionen US-Dollar einsammeln und eine Bewertung von rund 1 Milliarde US-Dollar erreichen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit dem Verfahren vertraute Personen. Die Angaben stützen sich also auf nicht namentlich genannte Quellen und sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Laut dem Bericht wurde auch World Liberty Financial über die Finanzierungsmaßnahmen informiert. World Liberty Financial wurde gemeinsam von Präsident Donald Trump gegründet. Ob sich das Unternehmen an der Runde beteiligt, geht aus dem Bericht nicht hervor – bekannt ist lediglich, dass es über die Pläne in Kenntnis gesetzt wurde.
Binance.US nahm im Jahr 2019 seinen Betrieb auf und ist operativ unabhängig von der globalen Binance-Börse tätig. Allerdings ist der Mitbegründer von Binance, Changpeng Zhao, an beiden Unternehmen maßgeblich beteiligt. Diese personelle Verbindung ist wichtig, um die regulatorische Gemengelage richtig einzuordnen: Maßnahmen gegen die globale Binance treffen die US-Einheit nicht automatisch.
Die Kapitalbeschaffung erfolgt vor dem Hintergrund eines sich verändernden Umfelds für digitale Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten. Unternehmen der Branche versuchen, von einem günstigeren regulatorischen Umfeld zu profitieren. Etablierte Börsen führen neue Produkte ein, während Offshore-Wettbewerber ihre Präsenz im Land ausbauen wollen. In diesem Umfeld versucht Binance.US, sich neu aufzustellen.
Die Details
Im Zentrum der geplanten Runde stehen konkrete Zahlen. Binance.US peilt dem Bericht zufolge ein Volumen von bis zu 100 Millionen US-Dollar an und strebt dabei eine Bewertung von rund 1 Milliarde US-Dollar an. Mit dem Verfahren vertraute Personen wurden demnach über die Finanzierungsmaßnahmen informiert.
Ein Blick auf die bisherige Finanzierungshistorie zeigt, wie stark sich die Bewertungserwartungen verändert haben. Im Jahr 2022 hatte das Unternehmen mehr als 200 Millionen US-Dollar bei einer Vorab-Bewertung (Pre-Money) von 4,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Die nun angestrebte Bewertung von rund 1 Milliarde US-Dollar liegt damit erheblich unter dem damaligen Niveau.
Der Grund für diese Entwicklung liegt in den Ereignissen des Jahres 2023. Im Anschluss an den Vergleich von Binance Holdings Ltd. mit den US-Behörden verlor die Börse einen erheblichen Teil ihrer Marktanteile. Seither versucht das Unternehmen, gegenüber größeren Wettbewerbern wieder Boden gutzumachen.
Neben der reinen Kapitalbeschaffung verfolgt Binance.US weitere Expansionsschritte. So hat die Börse erwogen, in neue Geschäftsfelder vorzustoßen, darunter Prognosemärkte (Prediction Markets). Zudem arbeitet das Unternehmen laut dem Bericht daran, einige seiner staatlichen Geldüberweisungs-Lizenzen zurückzugewinnen. Diese Vorhaben sind Teil seiner umfassenden Expansionspläne in den USA.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.03.2026 berichtete aktien.news, dass das US-Justizministerium eine Untersuchung zur möglichen Nutzung der Kryptobörse Binance durch den Iran zur Umgehung amerikanischer Sanktionen eingeleitet hat. Auslöser war demnach eine interne Prüfung, die Binance selbst eingestellt hatte. Diese Prüfung hatte Zahlungsströme von mehr als einer Milliarde US-Dollar über die Plattform identifiziert.
Am 15.09.2026 folgte ein weiterer Bericht: Das US-Justizministerium nahm Binance erneut ins Visier. Laut einer Klage zur Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von 61 Millionen US-Dollar wurde die Plattform von verschiedenen Unternehmen genutzt, um Zahlungen für iranisches Öl auf dem Schwarzmarkt abzuwickeln. Bundesstaatsanwälte in Manhattan bezifferten die Gesamtsumme, die über ein Netzwerk miteinander verbundener digitaler Wallets in den Iran geflossen sein soll, auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
Auch das Umfeld der Prognosemärkte, in das Binance.US vorstoßen könnte, war zuletzt in Bewegung. Am 07.03.2026 berichtete aktien.news, dass Kalshi und Polymarket, die beiden dominierenden Plattformen für Prognosemärkte, Gespräche mit potenziellen Investoren führen. Beide peilten Bewertungen von jeweils rund 20 Milliarden US-Dollar an. Am 05.08.2026 folgte die Meldung, dass Polymarket eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von mehr als 20 Milliarden US-Dollar anstrebt. Diese Entwicklung zeigt, wie viel Kapital derzeit in diesem Marktsegment bewegt wird.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem als Signal zu verstehen. Sie zeigt, dass sich Kapital in der US-Kryptobranche wieder bewegt – allerdings auf einem deutlich niedrigeren Bewertungsniveau als in früheren Jahren. Der Vergleich zwischen der Pre-Money-Bewertung von 4,5 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2022 und der nun angestrebten Bewertung von rund 1 Milliarde US-Dollar macht diese Verschiebung greifbar.
Zugleich bleibt die Gemengelage komplex. Die früheren Berichte über Untersuchungen des US-Justizministeriums betreffen die globale Binance und nicht die US-Einheit. Anleger sollten diese Unterscheidung beachten, auch wenn beide Unternehmen über den Mitbegründer Changpeng Zhao verbunden sind. Wer in Krypto-Assets oder entsprechende Börsen investiert, muss regulatorische Risiken und Marktanteilsverschiebungen weiterhin einpreisen.
Ein weiterer Aspekt betrifft das Wettbewerbsumfeld. Die Börse musste nach dem Vergleich von Binance Holdings Ltd. mit den US-Behörden im Jahr 2023 erhebliche Marktanteile abgeben. Ob die geplante Finanzierungsrunde ausreicht, um diese Lücke zu schließen, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht beurteilen. Die Meldung ist daher kein Kauf- oder Verkaufsargument, sondern eine Information über die strategische Ausrichtung eines Marktteilnehmers.
Hinzu kommt die Frage nach dem regulatorischen Rahmen. Da sich die Branche in den USA nach Einschätzung von Marktbeobachtern auf ein günstigeres Umfeld zubewegt, könnten Unternehmen wie Binance.US von einer klareren Regelung profitieren. Gleichzeitig bleibt unklar, wie schnell und in welchem Umfang sich diese Erwartung materialisiert. Anleger sollten daher sowohl Chancen als auch Risiken abwägen und die weitere Berichterstattung aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Für die kommenden Monate stehen mehrere Punkte auf der Agenda von Binance.US. Das Unternehmen arbeitet daran, einige seiner staatlichen Geldüberweisungs-Lizenzen zurückzugewinnen. Parallel hat es erwogen, in neue Geschäftsfelder wie Prognosemärkte vorzustoßen. Beide Vorhaben sind Teil seiner umfassenden Expansionspläne in den USA.
Der Erfolg der geplanten Finanzierungsrunde ist noch offen. Der Bericht nennt mit World Liberty Financial, das gemeinsam von Präsident Donald Trump gegründet wurde, einen Adressaten, der über die Maßnahmen informiert wurde. Ob und zu welchen Konditionen die Runde zustande kommt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Klar ist, dass sich die Branche der digitalen Vermögenswerte in den USA derzeit neu sortiert und dass Kapitalbewegungen in diesem Segment weiterhin groß ausfallen.
Kurz erklärt
- Pre-Money-Bewertung: Die Bewertung eines Unternehmens vor dem Zufluss des neuen Kapitals einer Finanzierungsrunde.
- Prognosemärkte: Handelsplätze, an denen Marktteilnehmer auf den Ausgang künftiger Ereignisse setzen können.
- Geldüberweisungs-Lizenz: Eine staatliche Erlaubnis, die einem Unternehmen das Abwickeln von Geldtransfers für Kunden gestattet.
