Bewerberrekord in der Pflegeausbildung: Klinikum Ludwigshafen meldet 4.200 Bewerbungen
Auf 200 Ausbildungsplätze entfallen rund 4.200 Bewerbungen – die Gesundheitsberufe wachsen gegen den Trend der dualen Ausbildung.

Der Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen bleibt eine der großen Baustellen des Landes. Doch bei den Bewerbungen für die Ausbildung zeigt sich ein überraschend positives Bild: Am Klinikum Ludwigshafen trafen auf 200 freie Ausbildungsplätze rund 4.200 Bewerbungen ein. Damit übersteigt die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches – ein Bewerberrekord bei der Pflegeausbildung.
Während die duale Berufsausbildung insgesamt wegen der wirtschaftlichen Krise rückläufig ist, legen die Gesundheitsberufe in großen Bereichen deutlich zu. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden 2025 etwa 64.300 Pflegeausbildungen begonnen, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Benny Neukamm berichtet, dass die Bewerbungen seit zwei Jahren stetig ansteigen. Diese Entwicklung sei nicht selbstverständlich, denn die Branche musste zuvor eine Durststrecke verkraften.
Corona-Delle ist überwunden, Wartelisten kehren zurück
In der Corona-Zeit waren die Bewerbungen zurückgegangen. Seit rund zwei Jahren ziehen die Zahlen nun wieder an. Inzwischen gibt es erneut Wartelisten für Ausbildungsplätze – ein deutliches Signal dafür, dass die Gesundheitsberufe für junge Menschen wieder attraktiver geworden sind.
Als wichtigste Gründe gelten der Wegfall des Schulgelds sowie die guten Übernahmechancen. Absolventinnen und Absolventen können häufig direkt nach der Ausbildung einsteigen und erhalten oft unbefristete Verträge. Diese Perspektive ist für viele Bewerberinnen und Bewerber entscheidend, wie Lilly Sand beschreibt, die noch zwei Lehrjahre vor sich hat: "Sicherheit spielt bei jedem eine Rolle. Vor allem bei uns jungen Menschen."
Imagewandel und neue Berufsbilder
Auch das Image der Branche wandelt sich. Social-Media-Videos und gezielte Aufklärung sorgen dafür, dass Berufe sichtbarer werden, die lange im Schatten standen. Ein Beispiel ist die Operationstechnische Assistenz (OTA), ein junger und bislang wenig bekannter Ausbildungsberuf. Patrycja Biundo hat zehn Jahre im Operationssaal gearbeitet und steht damit für eine Laufbahn, die über die klassische Pflegeausbildung hinausführt.
Attraktiver geworden sind zudem die Weiterbildungswege, etwa ein Studium im Gesundheitsbereich. Für Privatanleger ist diese Entwicklung ein Hinweis darauf, dass der Arbeitsmarkt im Gesundheitssektor weiterhin unter Spannung steht – und dass qualifiziertes Personal dort langfristig gefragt bleibt.
Lehrpersonalmangel könnte den Trend bremsen
Ganz so einheitlich wie am Klinikum Ludwigshafen ist die Lage allerdings nicht. Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn spricht nicht von einem flächendeckenden Bewerberboom. Zudem gefährdet der Mangel an Lehrpersonal den positiven Trend. Am Klinikum Ludwigshafen unterrichten rund 40 Lehrerinnen und Lehrer. Viele von ihnen studierten meist parallel zur Arbeit, was den Einstieg in den Lehrberuf zu einer hohen Hürde macht.
Dass der Bedarf an Fachkräften dauerhaft hoch bleibt, liegt an der Demografie. "Wir sind eine alternde Gesellschaft. Deswegen wird der Bedarf auch längerfristig hoch bleiben", sagt Ertl. Für Anleger bedeutet das: Der gesellschaftliche Druck auf das Gesundheitssystem wächst weiter, und Branchen, die von einer verlässlichen Personalversorgung abhängen, stehen vor einer anhaltenden Herausforderung.
Entscheidend für die künftige Entwicklung dürfte sein, ob genügend Lehrkräfte gewonnen werden können. Bleibt der Personalmangel in der Ausbildung bestehen, könnte er den aktuellen Aufschwung ausbremsen – trotz rekordverdächtiger Bewerberzahlen und wachsender Nachfrage nach Gesundheitsberufen.
