Bernstein: Robinhood zieht dank Prediction Markets an – Kursziel 160 Dollar
Bernstein stuft Robinhood mit Outperform ein und sieht dank Prediction Markets und neuer Produkte rund 69 Prozent Kurspotenzial.

Bernstein hat für Robinhood Markets (HOOD) eine „Outperform"-Empfehlung ausgesprochen und rechnet mit deutlich steigenden Kursen. Das Kursziel der Investmentfirma liegt bei 160 US-Dollar pro Aktie. Gegenüber dem Schlusskurs am Dienstag entspricht das einem Aufwärtspotenzial von rund 69 Prozent. Im Zentrum der Argumentation stehen Prediction Markets sowie weitere neue Produkte und Dienstleistungen, die auf aufstrebenden Technologien basieren.
Der für die Einschätzung verantwortliche Analyst Gautam Chhugani schrieb am Mittwoch in einer Notiz an Kunden, Prediction Markets und neue Produkte würden „wahrscheinlich den nächsten Wachstumsschub antreiben". Für die Bewertung der Aktie sei in den kommenden 12 bis 18 Monaten vor allem entscheidend, „wie schnell die Plattform neue Produkte skalieren kann, während sich die US-Regulierung und die Marktstruktur rasant weiterentwickeln".
Damit reiht sich Bernstein in eine wachsende Riege von Häusern ein, die der Handelsplattform über die kommenden Monate deutliches Wachstum zutrauen. Der Ausblick stützt sich auf mehrere konkrete Geschäftsfelder, die Robinhood zuletzt ausgebaut hat und die nun messbar zum Umsatz beitragen.
Die Details
Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Prediction Markets, also Märkte, auf denen Nutzer auf den Ausgang künftiger Ereignisse setzen. Der Umsatz von Robinhood aus diesem Segment stieg im dritten Quartal laut Bernstein auf das Sechsfache des Vorjahreszeitraums. Chhugani ergänzte, dass der Umsatz aus nicht-sportbezogenen Verträgen um 30 Prozent zugenommen hat. Das deutet darauf hin, dass sich die Nachfrage nicht allein auf Sportwetten konzentriert, sondern breiter aufgestellt ist.
Als weiteren Pluspunkt nannte der Analyst Rothera, eine Derivatebörse und Clearingstelle. Rothera ist als vierzehntes Geschäftsfeld von Robinhood inzwischen über die Schwelle von 100 Millionen US-Dollar im annualisierten Umsatz gestiegen. Für Chhugani ist das ein zusätzliches Argument für die Aktie, weil es zeigt, wie das Unternehmen neue Erlösquellen neben dem klassischen Brokerage-Geschäft aufbaut.
Chhugani hob zudem das Krypto-Geschäft hervor. „Das Krypto-Geschäft entwickelt sich vom reinen Retail-Trading für Kryptowährungen hin zu einem Infrastrukturgeschäft", schrieb er. Die HOOD-Chain verzeichnete eine starke Adoption mit 100 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen on-chain seit dem Launch. Hinzu kommt ein starkes Investoreninteresse am Handel mit Stock Tokens – rund 200 Equity-Tokens sind live – sowie an Perpetual-Futures.
Doch das Bild ist nicht durchweg positiv. Von den 33 Analysten, die Robinhood Markets abdecken, haben 27 eine Kauf- oder Stark-Kauf-Empfehlung, während fünf die Aktie als Halten einstufen. Die Daten stammen von LSEG. Die Aktienkurse sind im Jahr 2026 um mehr als 16 Prozent gefallen. Nach Veröffentlichung des Berichts für das dritte Quartal rutschte die Aktie im Vorhandel nochmals um 7 Prozent ab.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Einschätzung ist Teil einer längeren Reihe positiver Analystenstimmen. Bereits am 12.10.2026 berichtete aktien.news, dass Evercore ISI die Beobachtung von Robinhood Markets mit einem „Outperform"-Rating und einem 12-Monats-Kursziel von 130 US-Dollar aufgenommen hatte. Das Analysehaus bezeichnete das Unternehmen als „ein sehr beeindruckendes Unternehmen, das in relativ kurzer Zeit eine bedeutende Nutzer- und Einlagenbasis aufgebaut hat". Die Einschätzung unterstrich das wachsende Interesse institutioneller Analysten an der Plattform, die sich vom reinen Discount-Broker zu einem breiten Finanzdienstleister gewandelt hat.
Schon am 22.09.2026 meldete aktien.news, dass die Aktien von Robinhood am Montag um knapp drei Prozent zulegten und damit den S&P 500 übertrafen, der um 1,5 Prozent stieg. Auslöser waren steigende Kryptowährungspreise sowie ein neuer Analystenbericht von Gautam Chhugani, der Robinhood als einen der führenden Broker im Bereich tokenisierter Wertpapiere hervorhob. Der Kursanstieg fiel damals mit geopolitischen und globalen makroökonomischen Entwicklungen zusammen, die die Kurse digitaler Münzen und Token nach oben trieben.
Auch die jüngsten Quartalszahlen gehören zur Vorgeschichte. Am 14.02.2026 berichtete aktien.news, dass Robinhood das vierte Quartal 2025 mit überraschend starken Zahlen abgeschlossen hatte. Der Gewinn lag bei 605 Millionen US-Dollar beziehungsweise 66 Cent pro Aktie und übertraf damit die Analystenerwartungen von 63 Cent. Der Umsatz kletterte um 27 Prozent auf ein Rekordniveau von 1,28 Milliarden Dollar, lag aber leicht unter den Prognosen. Die Aktie reagierte dennoch mit einem Kursrückgang von rund 7 Prozent im nachbörslichen Handel. Bereits einen Tag zuvor, am 13.02.2026, hatte aktien.news dieselben Kernzahlen gemeldet und dabei auf den Fokus der Investoren auf die Frage verwiesen, ob Robinhood die Wachstumsdynamik auch 2026 aufrechterhalten kann.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Analyse vor allem deshalb relevant, weil sie zeigt, wo das Wachstum von Robinhood künftig herkommen soll. Der klassische Handel mit Aktien und Kryptowährungen bleibt die Basis, doch die neuen Felder – Prediction Markets, Derivate über Rothera sowie die Krypto-Infrastruktur mit der HOOD-Chain – rücken stärker in den Vordergrund. Der Umsatz aus Prediction Markets hat sich laut Bernstein im Jahresvergleich versechsfacht, was die Dynamik dieses Segments unterstreicht.
Gleichzeitig mahnen die Kursentwicklung und die Analystenmeinungen zur Vorsicht. Die Aktie ist im Jahr 2026 um mehr als 16 Prozent gefallen, und nach dem Q3-Bericht ging es im Vorhandel nochmals um 7 Prozent nach unten. Dass von 33 Analysten fünf die Aktie nur als Halten einstufen, zeigt, dass die Einschätzungen nicht einheitlich sind. Anleger sollten daher sowohl das Potenzial der neuen Produkte als auch die regulatorischen Rahmenbedingungen im Blick behalten, die laut Chhugani in den USA rasant in Bewegung sind.
Ausblick
Bernstein erwartet, dass die Geschwindigkeit, mit der Robinhood neue Produkte skaliert, in den kommenden 12 bis 18 Monaten zum entscheidenden Maßstab für die Aktie wird. Der Analyst verweist ausdrücklich auf die sich schnell verändernde US-Regulierung und Marktstruktur, die diesen Prozess begleiten. Mit Rothera hat Robinhood bereits ein vierzehntes Geschäftsfeld etabliert, das die 100-Millionen-Dollar-Schwelle beim annualisierten Umsatz überschritten hat. Ob sich die von Bernstein erwartete Dynamik einstellt, dürfte sich auch an der weiteren Entwicklung der Prediction Markets und des Krypto-Infrastrukturgeschäfts zeigen.
Kurz erklärt
- Prediction Markets: Märkte, auf denen Anleger auf den Ausgang künftiger Ereignisse setzen und sich die Erwartungen in einem handelbaren Preis widerspiegeln.
- Outperform: Ein Analystenurteil, das eine bessere Kursentwicklung der Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt erwartet.
- Clearingstelle: Eine Institution, die Transaktionen zwischen Handelspartnern abwickelt, absichert und den reibungslosen Ablauf des Handels gewährleistet.
- Stock Tokens: Tokenisierte Aktien, die als digitale Werte auf einer Blockchain abgebildet und gehandelt werden.
