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Bayer Roundup-Vergleich: Krebskläger vor schwieriger Entscheidung

Rund 200.000 Kläger verklagen Bayer wegen Roundup – doch ein Milliardenvergleich stellt viele vor eine schwierige Wahl.

2 Min
Bayer Roundup-Vergleich: Krebskläger vor schwieriger Entscheidung

Phillip Dressel hatte wenig Zeit. Der 69-jährige ehemalige Landschaftsgärtner aus den USA leidet an einer seltenen Form des Non-Hodgkin-Lymphoms und ist einer von rund 200.000 Klägern, die den deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer wegen des Unkrautvernichtungsmittels Roundup verklagt haben. Die Kläger behaupten, das Herbizid habe ihre Krebserkrankungen verursacht. Dressel musste bis zum 4. Juni eine weitreichende Entscheidung treffen – eine, die über eine potenziell lebensverändernde Geldsumme entscheidet.

Konkret stand Dressel vor zwei Optionen: Er konnte dem Anfang des Jahres ausgehandelten Sammelvergleich in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar beitreten oder sein individuelles Klageverfahren gegen Bayer weiterführen. Beide Wege haben ihre eigene Risikoabwägung – und beide können erhebliche finanzielle Konsequenzen haben.

Vergleich oder Einzelklage – eine Frage von Millionen

Im Rahmen des 7,5-Milliarden-Dollar-Vergleichs würde Dressel mindestens 48.000 US-Dollar erhalten. Das klingt nach einer substanziellen Summe, ist jedoch vergleichsweise bescheiden gegenüber dem, was ein Geschworenengericht möglicherweise zusprechen könnte. Seine Anwälte schätzen, dass ein erfolgreiches Einzelurteil eine Auszahlung in Millionenhöhe bedeuten könnte. Der Unterschied zwischen beiden Szenarien ist damit enorm – und das Risiko eines Scheiterns vor Gericht ebenso.

Der Fall Dressel steht stellvertretend für die Lage tausender Kläger, die sich in einer ähnlichen Zwickmühle befinden. Der 7,5-Milliarden-Dollar-Vergleich, den Bayer Anfang des Jahres angeboten hat, soll einen Großteil der anhängigen Roundup-Klagen beilegen. Doch nicht alle Betroffenen sind bereit, die vergleichsweise geringen Pauschalzahlungen zu akzeptieren – insbesondere jene, die glauben, vor Gericht deutlich mehr herausholen zu können.

Bayer und der jahrelange Roundup-Rechtsstreit

Bayer hatte den US-Agrarchemiekonzern Monsanto im Jahr 2018 für rund 63 Milliarden US-Dollar übernommen – und damit auch die rechtlichen Altlasten rund um Roundup geerbt. Der Wirkstoff Glyphosat, der in Roundup enthalten ist, steht seit Jahren im Verdacht, krebserregend zu sein. Internationale Behörden und Wissenschaftler sind in ihrer Bewertung gespalten: Während die Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat, kommen andere Regulierungsbehörden zu anderen Schlüssen.

Für Bayer ist die Roundup-Klagewelle eine der größten juristischen und finanziellen Belastungen der Unternehmensgeschichte. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren bereits Milliarden für Vergleiche aufgewendet, ohne das Problem vollständig aus der Welt zu schaffen. Die rund 200.000 noch offenen Klagen zeigen, dass ein Ende des Rechtsstreits noch nicht in Sicht ist.

Für Kläger wie Phillip Dressel geht es jedoch nicht nur um Geld. Es geht um Gerechtigkeit, Anerkennung und die Frage, ob ein Konzern für die gesundheitlichen Folgen eines Produkts zur Verantwortung gezogen wird. Die Entscheidung, einem Vergleich beizutreten oder auf ein Urteil zu setzen, ist dabei nicht nur finanziell, sondern auch emotional eine der schwersten, die ein Betroffener treffen kann.

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