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Baugenehmigungen steigen, doch die Stimmung im Wohnungsbau kippt

Im August wurden 6,8 Prozent mehr Wohnungen genehmigt, doch das ifo-Barometer trübt sich weiter ein.

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Baugenehmigungen steigen, doch die Stimmung im Wohnungsbau kippt

Die Baugenehmigungen in Deutschland legen weiter zu. Im August wurden 20.600 neue Wohnungen genehmigt, ein Plus von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Über die ersten acht Monate des Jahres summiert sich der Zuwachs auf 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Besonders dynamisch war das erste Halbjahr: Hier lag der Zuwachs bei gut 15 Prozent und damit auf dem stärksten Niveau seit 2016. Im Juli flachte der Aufwärtstrend zwar ab, zog danach aber wieder an. Für Marktbeobachter sind die Baugenehmigungen ein wichtiger Frühindikator im Kampf gegen den Wohnungsmangel und die steigenden Mieten.

Mehrfamilienhäuser treiben die Entwicklung

Den größten Anteil am Wachstum haben die Mehrfamilienhäuser. Bis einschließlich August wurden 90.600 Wohnungen in dieser Kategorie genehmigt, ein Plus von 14,5 Prozent. Bei Einfamilienhäusern wurden 31.500 Einheiten genehmigt, 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zweifamilienhäuser legten mit 21,7 Prozent auf 10.000 Wohnungen am stärksten zu.

Insgesamt wurden von Januar bis August 169.400 Wohnungen genehmigt. Das klingt nach viel, ist im historischen Vergleich aber bescheiden. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, ordnet ein: "Von Januar bis August wurden 169.400 Wohnungen genehmigt. Das klingt nach viel, ist aber noch immer rund ein Drittel weniger als 2021, als im selben Zeitraum über 250.000 Wohnungen genehmigt wurden. Wir erholen uns von einem historischen Tiefpunkt, von einem normalen Niveau sind wir noch weit entfernt."

Stimmung im Wohnungsbau trübt sich ein

Trotz der steigenden Genehmigungszahlen hellt sich die Stimmung in der Branche nicht auf. Das ifo-Wohnungsbau-Barometer fiel im September auf minus 25,1 Punkte, nach minus 22,5 Punkten im August. Während die aktuelle Lage kaum verändert blieb, blickten die Unternehmen deutlich skeptischer auf die Geschäftsaussichten.

Klaus Wohlrabe, Umfragechef des ifo-Instituts, sieht einen geldpolitischen Grund: "Die Zinserhöhung der EZB dürfte die Zuversicht im Wohnungsbau gedämpft haben. Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche."

Ein weiteres Problem ist die Kluft zwischen Genehmigung und tatsächlichem Baubeginn. Ende 2025 lagen rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis, weil sich der Bau für viele nicht rechnete. Die Baubranche beklagt fehlende Planungssicherheit.

Wohnungsmangel bleibt groß

Der Handlungsdruck bleibt hoch. Geschätzt fehlen in Deutschland mehr als eine Million Wohnungen. Im Vorjahr wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Jahr zuvor und der tiefste Stand seit 2012.

Die Bundesregierung will gegensteuern. Ein sogenannter Bau-Turbo soll Genehmigungen beschleunigen, das Bundesbauministerium stockt die Förderung für den EH-55-Neubau auf. Gleichzeitig soll der Neubau-Etat 2027 laut Regierung um über 40 Prozent sinken — ein Signal, das die Branche verunsichern dürfte.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger sind die Baugenehmigungen ein wichtiger Konjunkturindikator. Steigende Genehmigungen deuten auf wachsende Bautätigkeit hin und können Unternehmen aus dem Baugewerbe, der Baustoffindustrie und dem Handwerk begünstigen. Allerdings zeigt die aktuelle Lage, dass Genehmigungen nicht automatisch zu Fertigstellungen führen.

Die Kombination aus gedämpfter Stimmung, hohen Finanzierungskosten und geplanten Kürzungen beim Neubau-Etat mahnt zur Vorsicht. Wer in Immobilien- oder Bauwerte investiert, sollte die weitere Zinsentwicklung und die politischen Rahmenbedingungen genau beobachten. Der Aufwärtstrend bei den Genehmigungen ist ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Grund zur Entwarnung.

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