BASF hebt Gewinnprognose erneut an, Evonik-Übernahme bleibt offen
Der Chemiekonzern stellt 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro in Aussicht, doch der Aktienkurs hängt an der Frage, ob die Übernahme von Evonik gelingt.

BASF hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zum zweiten Mal angehoben. Der Ludwigshafener Chemiekonzern stellt für 2026 nun ein bereinigtes Ergebnis zwischen 7,4 und 7,8 Milliarden Euro in Aussicht. Zuvor lag die Spanne bei 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro. Im dritten Quartal stieg das bereinigte Ebitda um 15 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro.
Das operative Geschäft profitiert nach Darstellung des Konzerns vom Iran-Krieg und den damit verbundenen höheren Verkaufspreisen. An der Börse kam die Nachricht dennoch nicht an: Die BASF-Aktie verlor am Morgen 0,44 Prozent. Der Grund dafür liegt weniger im Zahlenwerk als in einem strategischen Thema, das die Anleger seit Wochen beschäftigt.
Im Zentrum steht die geplante Übernahme des Spezialchemiekonzerns Evonik. BASF hat sein Angebot für den Essener Wettbewerber auf 24 Euro pro Aktie erhöht, nachdem zuvor 22,15 Euro geboten worden waren. Ob der Zusammenschluss zustande kommt, ist weiterhin offen – laut der Quelle, auf die sich dieser Bericht stützt, spricht derzeit vieles dagegen. Vorstandschef Markus Kamieth äußerte sich nicht zur Reaktion von Evonik auf das verbesserte Angebot.
Die Details
Evonik ist Deutschlands zweitgrößter Chemiekonzern und erwirtschaftet einen Umsatz von knapp 15 Milliarden Euro. Das Unternehmen legt seine Quartalszahlen am 3. November vor. Für BASF ist die Übernahme Teil einer größeren Neuausrichtung: Konzernchef Kamieth verfolgt das Ziel, den Konzern schlanker, profitabler und widerstandsfähiger aufzustellen.
Zu dieser Strategie gehört, dass BASF sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentriert. Das Farben- und Lackgeschäft hat der Konzern nach eigenen Angaben 2025 und 2026 verkauft. Die Agrarsparte soll 2027 an die Börse gehen. Mit dem Angebot für Evonik würde nach einer Phase des Schrumpfens wieder Wachstum hinzukommen.
Kamieth hat zugleich deutlich gemacht, dass BASF nicht zu jedem Preis kaufen will. Die Kombination mit Evonik sei "eine Möglichkeit, aber kein Muss". Von einer Verbindung verspricht er sich eine "starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb". Wie es zu dem erhöhten Angebot kam und wie sich die Evonik-Seite positioniert, ließ BASF offen.
In der Branche gibt es derweil weitere Bewegungen: Covestro wurde im Vorjahr von Adnoc übernommen. Eine Übernahme des Konkurrenten Clariant gilt kartellrechtlich als schwer umsetzbar. Fachleute erwarten daher, dass US-Unternehmen als Übernahmeziele stärker in den Blick rücken.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Annäherung zwischen BASF und Evonik ist kein neues Thema. Bereits am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass BASF eine mögliche Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns prüft. Nach Informationen der "Financial Times" und des "Handelsblatt" hatte der Ludwigshafener Konzern erste Sondierungsgespräche mit dem Evonik-Management sowie dem Hauptaktionär, der RAG-Stiftung, geführt. Die Stiftung hält 44 Prozent an Evonik. Für BASF wurde damals eine Marktkapitalisierung von rund 47 Milliarden Euro genannt.
Am 26.09.2026 folgte der nächste Schritt: Beide Unternehmen bestätigten Sondierungsgespräche, die eine tiefgreifende Neuordnung der europäischen Chemiebranche einleiten könnten. Evonik sprach von einer "unverbindlichen Ansprache" für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot, BASF betonte, der Ausgang sei offen. An der Börse reagierten die Papiere heftig: Die BASF-Aktie verlor 3,6 Prozent und bildete das Schlusslicht im Dax, während Evonik um 7,2 Prozent zulegte.
Am 30.09.2026 wies Evonik das Angebot dann zurück. Laut einem Bericht der "Financial Times" lehnte der Vorstand nicht nur den gebotenen Preis von 22,15 Euro pro Aktie als unzureichend ab, sondern verweigerte BASF zugleich den Einblick in die Konzernbücher. Formelle Verhandlungen über eine Übernahme kamen für den MDax-Konzern nach dieser Darstellung nicht infrage.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass BASF an seinem Vorstoß festhält, der Weg zum Zusammenschluss aber mit Hürden gepflastert sei. Das unverbindliche Angebot von 22,15 Euro je Aktie lag damals drei Wochen zurück und entsprach einem Gesamtvolumen von rund 10,3 Milliarden Euro. Ein höheres Angebot stellte BASF nur in Aussicht, wenn der Konkurrent Einblick in die Bücher gewährt. Zugleich formierte sich politischer Widerstand: Die nordrhein-westfälische Landesregierung sprach sich gegen den Zusammenschluss aus.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die wichtigste Botschaft, beide Themen sauber zu trennen. Das operative Geschäft von BASF läuft derzeit besser als erwartet, wie die zweite Prognoseanhebung des Jahres zeigt. Der Aktienkurs wird aber kurzfristig vor allem von der Frage bewegt, ob die Evonik-Übernahme gelingt oder scheitert.
Diese Unsicherheit hat zwei Seiten. Kommt der Zusammenschluss zustande, entstünde ein deutlich größerer Chemiekonzern mit erweitertem Portfolio. Scheitert er, bleibt BASF auf dem eingeschlagenen Kurs der Konzentration auf das Kerngeschäft, mit dem geplanten Börsengang der Agrarsparte 2027 als nächstem großen Schritt. Anleger sollten daher sowohl die Zahlen des eigenen Konzerns als auch die Signale aus Essen im Auge behalten.
Hilfreich ist ein Blick auf die Bieterpreise. Das erste Angebot lag bei 22,15 Euro je Evonik-Aktie, das aktuelle bei 24 Euro. Ob dieser Anstieg ausreicht, um Evonik zum Einlenken zu bewegen, ist offen. Kamieth hat mit der Formulierung, die Kombination sei "eine Möglichkeit, aber kein Muss", bereits eine Grenze angedeutet.
Ein zweiter Punkt betrifft die Alternativen. In Europa fehlen nach Einschätzung von Marktbeobachtern gleichwertige Übernahmeziele, eine Absage von Evonik wäre daher auch eine Absage an einen deutschen beziehungsweise europäischen Champion. Evonik selbst sieht sich als Konsolidierer und muss beweisen, dass es allein besser dasteht.
Ausblick
Die nächsten Wochen bringen mehrere konkrete Termine. Am 3. November legt Evonik seine Quartalszahlen vor – der erste harte Gradmesser dafür, wie das Unternehmen ohne einen Zusammenschluss dasteht. Parallel prüft Evonik einem Bericht zufolge die Übernahme des US-Herstellers Ashland.
Für BASF bleiben die strategischen Pläne unverändert: Der Konzern will sich schlanker und profitabler aufstellen und die Agrarsparte 2027 an die Börse bringen. Der Ausgang der Evonik-Übernahme ist weiterhin unklar.
Interessant ist dabei der Blick auf die Portfolios. Die Geschäfte von Ashland und Evonik ergänzen sich laut Quelle gut, es gibt kaum Überschneidungen. Bei BASF und Ashland dagegen gäbe es zahlreiche Überschneidungen. Ein Beispiel für Evoniks Spezialisierung ist die Marke Eudragit, unter der Polymere für Tabletten- und Kapselüberzüge vertrieben werden.
Kurz erklärt
- Bereinigtes Ebitda: Gewinnkennzahl vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, bereinigt um Sonderposten, die den Vergleich zwischen Perioden erschweren.
- Übernahmeangebot: Preis, den ein Unternehmen den Aktionären eines anderen Unternehmens für deren Anteile bietet.
- Kartellrecht: Gesetzesrahmen, mit dem Wettbewerbsbehörden Zusammenschlüsse prüfen und bei zu großer Marktmacht untersagen können.
