Barclays stuft schwedische Banken hoch: SEB und Swedbank auf Overweight
Barclays setzt auf schwedische Banken: Zwei Institute steigen auf Overweight, ein drittes auf Equal Weight.

Die britische Investmentbank Barclays hat ihre Bewertung für schwedische Banken auf positiv gesetzt und zwei Institute auf „Overweight" sowie ein drittes auf „Equal Weight" hochgestuft. Als Begründung nennen die Analysten um Namita Samtani das sich erholende Unternehmenskreditgeschäft und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der schwedischen Reichsbank (Riksbank). Damit hebt sich Schweden in der nordischen Bankenlandschaft deutlich von seinen Nachbarn ab.
Die Analysten erklärten, dass die meisten europäischen Banken seit Ende August aufgrund von Sorgen um staatliche Spreadbreiten und fiskalische Unsicherheiten abgewertet wurden – schwedische Banken jedoch nicht. Investoren könnten sich daher stärker auf die Differenzierung innerhalb des Sektors konzentrieren, hieß es weiter. Schweden profitiere dabei von verbesserten Zinserwartungen und einem konstruktiveren Kreditumfeld.
Schweden mit überzeugendster Wachstumsstory
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Entwicklung der Unternehmensverschuldung. Schweden hat seit 2022 den tiefsten Abbau der Unternehmensverschuldung in den nordischen Ländern vollzogen, wobei die Unternehmensschulden etwa 15 Prozentpunkte des BIP unter ihrem Höchststand liegen. Das Wachstum bei Unternehmenskrediten ist im Jahr 2024 von minus 1% auf 4% zurückgekehrt. „Schweden bietet nun die überzeugendste Wachstumsstory bei Unternehmenskrediten in der nordischen Region", schrieb Barclays.
Konkret stuften die Analysten SEB von „Equal Weight" auf „Overweight" hoch und hoben das Kursziel von SEK 204 auf SEK 262 an. Die Bank bezeichnete SEB als ihre bevorzugte Möglichkeit, von einer Erholung der Kreditaufnahme großer Unternehmen zu profitieren. Barclays erwartet, dass der Gewinn je Aktie (EPS) 2027–28 um 6-7% über dem Konsens liegen wird.
Auch Swedbank wurde auf „Overweight" hochgestuft, mit einem Zielkurs von SEK 467 (zuvor SEK 347). Als Grund nennen die Analysten die ausgeprägte Zinsabhängigkeit des Instituts. Handelsbanken wechselte von „Underweight" auf „Equal Weight" mit einem Zielkurs von SEK 146, da Franchise-Druck eine positivere Einstufung begrenzt.
Zinsabhängigkeit als entscheidender Hebel
Barclays prognostiziert zwei weitere Zinserhöhungen der Riksbank um jeweils 25 Basispunkte im November 2026 und Juni 2027. Schwedische Banken gehören laut den Analysten zu den zinsabhängigsten Europas. Ein Anstieg um 50 Basispunkte würde den vorsteuerlichen Gewinn im Jahr 2027 durchschnittlich um etwa 8% steigern – verglichen mit etwa 5% für nordische Banken und 2,1% für europäische Peer-Unternehmen. Diese Sensitivität macht die schwedischen Institute für Anleger besonders interessant, sofern die Zinserwartungen Bestand haben.
Gemischtes Bild in der übrigen nordischen Region
Außerhalb Schwedens fällt das Bild differenzierter aus. Barclays behielt Jyske Bank bei „Overweight" und erhöhte das Kursziel von DKK 1.045 auf DKK 1.340, wobei auf Zinsabhängigkeit und gute Umsetzung verwiesen wurde. Es wird erwartet, dass die EPS 2027–28 um 5-16% über dem Konsens liegen werden.
Weniger optimistisch zeigt sich die Bank bei Norwegens DNB: Die Bewertung wurde von „Overweight" auf „Underweight" gesenkt und das Kursziel um 15% auf NOK 282 reduziert. Der Wettbewerb durch Sparkassen im Unternehmensbereich werde vom Markt weniger gut verstanden, hieß es. Die EPS werden 1-5% unter dem Konsens erwartet; ein möglicher Katalysator könnte der Capital Markets Day am 11. November sein. „Norwegen bleibt einer der verschuldetsten Unternehmensmärkte Europas (Unternehmensschulden zu BIP 140%), gestützt durch petrochemische und industrielle Investitionen, was weniger Spielraum für einen zyklischen Aufschwung bei der Kreditaufnahme lässt", schrieben die Analysten.
Danske Bank wurde von „Overweight" auf „Equal Weight" herabgestuft, da weniger Potenzial für einen Anstieg der EPS über den Konsens hinaus besteht. Bei Nordea bleibt Barclays auf „Underweight" und argumentiert, dass der Konsens den Trade-off zwischen Marktanteilszuwachs und Margendruck unterschätzt.
Fazit für Anleger
Für deutsche Privatanleger, die über nordische Banken nachdenken, zeigt die Barclays-Analyse eine klare Präferenz: Schweden steht im Zentrum der positiven Einschätzung, getragen von Zinsfantasie und einer Erholung der Unternehmenskredite. Norwegen und Dänemark werden dagegen vorsichtiger beurteilt. Die Differenzierung innerhalb der Region dürfte damit ein zentrales Thema für Investoren bleiben.
