Bankenkrise: Sorgen um Vertrauen
Analyse der aktuellen Vertrauenskrise im Bankensektor und ihrer Auswirkungen auf die Märkte

Die Finanzmärkte sind in den letzten Tagen aufgrund der Vertrauenskrise im Bankensektor äußerst nervös. Die jüngsten Zusammenbrüche im Bankensektor haben zu der Frage geführt, welche Ansteckungsgefahr noch von diesen Problemen ausgeht. Einige Experten beteuern jedoch, dass eine unmittelbare Ansteckung Europas durch die Probleme einiger Regionalinstitute in den USA ausgeschlossen ist, da es kaum geschäftliche Verflechtungen mit diesen Instituten gibt. Jedoch liegt die eigentliche Gefahr in der Basis jedes Bankgeschäfts, nämlich dem Vertrauen, dass die Geldhäuser ihre Verpflichtungen jederzeit erfüllen können.
Die Probleme der Credit Suisse sind ein direktes Resultat der Verwerfungen in den USA. Die Schweizer Großbank hatte schon seit Jahren mit hausgemachten Problemen zu kämpfen, die angesichts der aktuellen Vertrauenskrise nicht mehr zu kontrollieren waren. Typisch war auch, dass das einst so stolze Geldhaus erst kürzlich "erhebliche Schwächen" der internen Finanzkontrolle eingeräumt hatte. Das weckte an den Märkten frische Erinnerungen an die Finanzkrise 2007/08.
Die Deutsche Bank und Commerzbank betonten, fast keine beziehungsweise keine Additional-Tier-1-Anleihen (AT1) der Credit Suisse zu halten. AT1-Anleihen sind eine neue Anlageklasse, die nach der Finanzkrise geschaffen wurde, um Institute in Krisenzeiten besser abzusichern. Das Vertrauen in diesen jungen Markt wird durch den aktuellen Präzedenzfall jedoch nachhaltig erschüttert. Das Vorgehen der Schweizer Finanzaufsicht Finma wird CoCo-Bonds anderer Banken in Europa schaden, aber auch die Refinanzierung und die Kapitalkosten der Institute allgemein verteuern. Marktteilnehmer sollten sich daher jederzeit auf weitere Überraschungen gefasst machen.
Die Politik ist sich seit der vergangenen Finanzkrise bewusst, dass der Faktor Vertrauen entscheidend für die Entwicklung der kommenden Tage und Wochen bleibt. Das rasche und radikale Eingreifen zur Notrettung der Credit Suisse und die konzertierte Aktion der Notenbanken zeigen, wie entschlossen die Politik ist, Ansteckungseffekte dieses Mal im Keim zu ersticken. "Wenn irgendwo ein Streichholz angezündet wird, kommen die Löschzüge", kommentierte Robert Halver, Chefanalyst bei der Baader Bank, die neue Strategie gegenüber der ARD.
Entscheidend für die kommenden Tage und Wochen ist die Entwicklung des Faktors Vertrauen. Die Verantwortlichen dies- und jenseits des Atlantiks betonen, dass sich die Krisenfestigkeit der Banken seit der Finanzkrise deutlich verbessert hat. Der Bankensektor des Eurogebiets ist widerstandsfähig und verfügt über eine starke Kapital- und Liquiditätsposition. Das deutsche Bankensystem ist "gut aufgestellt". Auch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin erklärte, das deutsche Finanzsystem sei "stabil und robust".
Die Bankenkrise wird daher noch eine Weile ein Thema bleiben und die Märkte voraussichtlich weiter belasten. Es ist daher wichtig, dass die politisch Verantwortlichen weiterhin entschlossen handeln und für Transparenz sorgen, um das Vertrauen der Anleger in den Bankensektor wiederherzustellen. Eine umfassende Reform des Finanzsektors sowie eine Stärkung der Aufsichtsbehörden und der Regulierung sind hierfür unerlässlich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird, doch eins ist sicher: Die Banken müssen ihre Hausaufgaben machen und ihre Geschäftsmodelle anpassen, um langfristig erfolgreich zu sein und das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.
