Bank of Korea: Designierter Gouverneur befürwortet Won-Stablecoins
Shin Hyun-song sieht digitale Währungen als wichtigen Teil des zukünftigen Währungsökosystems Südkoreas.

Der designierte Gouverneur der südkoreanischen Zentralbank, Shin Hyun-song, hat sich klar für die Einführung von auf Won lautenden Stablecoins ausgesprochen. In schriftlichen Anmerkungen, die am Montag dem südkoreanischen Parlament vorgelegt wurden, erklärte er, dass diese digitalen Währungen eine wichtige Rolle im Währungsökosystem der Zukunft spielen würden. Shin wird am Mittwoch an einer parlamentarischen Bestätigungsanhörung teilnehmen.
„Ich erwarte, dass digitale Zentralbankwährungen und Einlagen-Token in einer Weise mit Stablecoins koexistieren können, die sich gegenseitig ergänzt und im Wettbewerb zueinander steht", sagte Shin laut Angaben der Bank of Korea. Diese Aussage signalisiert eine offene Haltung gegenüber privatwirtschaftlichen digitalen Währungen, die an den südkoreanischen Won gekoppelt wären – ein bemerkenswerter Schritt für einen Zentralbankchef.
Stablecoins sind digitale Token, deren Wert an eine Fiat-Währung wie den US-Dollar oder in diesem Fall den südkoreanischen Won gebunden ist. Sie gelten als weniger volatil als klassische Kryptowährungen wie Bitcoin und werden zunehmend im internationalen Zahlungsverkehr eingesetzt. Die Frage ihrer Regulierung und Integration in bestehende Währungssysteme beschäftigt Zentralbanken weltweit.
Erfahrung mit digitalen Zentralbankwährungen
Shin bringt einschlägige Erfahrung in das Amt mit: Vor seiner Nominierung war er bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) tätig. Im Jahr 2023 führte die südkoreanische Zentralbank gemeinsam mit der BIZ ein Pilotprojekt zur Erprobung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) durch. Diese Vorgeschichte dürfte Shins pragmatische Haltung gegenüber digitalen Währungsformen geprägt haben.
Neben dem Thema Stablecoins äußerte sich Shin auch zur Haushaltsverschuldung in Südkorea. Er betonte, dass die Bemühungen zum Schuldenabbau – sogenanntes Deleveraging – fortgesetzt werden müssten, da die Verschuldung der privaten Haushalte weiterhin auf einem hohen Niveau verharre. Zudem seien politische Maßnahmen zur Preisstabilisierung notwendig.
Immobilienmarkt und Währungsreserven im Fokus
Beim Thema Immobilienpreise zeigte sich Shin vorsichtig optimistisch, aber mahnte zur Wachsamkeit: „Es ist noch ungewiss, ob sich der Stabilisierungstrend bei den Immobilienpreisen fortsetzen wird, daher müssen politische Maßnahmen zur Steuerung der Nachfrage und zur Erhöhung des Angebots konsequent verfolgt werden." Laut lokalen Medienberichten stimmte er den Regulierungen der Regierung für Eigentümer mehrerer Immobilien zu, äußerte sich jedoch zurückhaltend gegenüber übermäßig hohen Grundsteuern.
Darüber hinaus kündigte Shin an, dass die Bank of Korea eine Diversifizierung ihrer Währungsreserven in Betracht ziehe. Konkret soll dabei eine Investition in börsengehandelte Goldfonds – sogenannte Gold-ETFs – geprüft werden. Gold-ETFs gelten als liquide und kostengünstige Alternative zum direkten Goldkauf und werden von zahlreichen Zentralbanken weltweit als Reserveinstrument genutzt.
Die Bestätigungsanhörung Shins vor dem südkoreanischen Parlament am Mittwoch gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu seiner offiziellen Ernennung. Seine Positionen zu Stablecoins, Immobilienpolitik und Währungsreserven dürften dabei im Mittelpunkt der Befragung stehen.
