Bank of Japan vor weiteren Zinserhöhungen: Yen-Schwäche setzt BOJ unter Druck
Die Bank of Japan wird ihre Zinspolitik voraussichtlich weiter straffen. Der schwache Yen und steigende Inflationsrisiken zwingen die Notenbank zum Handeln, während politische Unsicherheit die Lage verkompliziert.

Die Bank of Japan (BOJ) steht vor einer Richtungsentscheidung: Bei ihrer zweitägigen geldpolitischen Sitzung, die am Freitag endet, werden die Zinsen zwar voraussichtlich unverändert bei 0,75 % bleiben. Doch die Notenbank wird voraussichtlich ihre Wachstumsprognose anheben und weitere Zinserhöhungen signalisieren. Der Grund: Der Yen befindet sich im freien Fall und die Inflation droht außer Kontrolle zu geraten.
Der japanische Yen hat seit Oktober etwa 8 % gegenüber dem US-Dollar verloren und erreichte vergangene Woche mit 159,45 ein 18-Monats-Tief. Am Dienstag notierte die Währung bei 158,18. Dieser Verfall treibt die Importkosten in die Höhe und befeuert die Inflation – ein Szenario, das die BOJ zum Handeln zwingt.
Politische Unsicherheit erschwert Entscheidung
Die Lage wird durch die politische Entwicklung zusätzlich kompliziert. Premierministerin Sanae Takaichi kündigte für Februar Neuwahlen an und verspricht eine Abkehr von der "übermäßig straffen Fiskalpolitik". Sie erwägt sogar eine Senkung der Verbrauchssteuer – Maßnahmen, die die Inflation weiter anheizen könnten.
Für die BOJ entsteht ein Dilemma: Einerseits sprechen expansive Fiskalpolitik und schwacher Yen für schnellere Zinserhöhungen. Andererseits könnte ein Wahlsieg Takaichis Druck auf die Notenbank ausüben, die Zinsen niedrig zu halten, um die fragile Wirtschaft zu stützen.
Anleiherenditen auf 27-Jahres-Hoch
Die Sorge um Japans Staatsfinanzen hat die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen auf 2,30 % getrieben – den höchsten Stand seit 27 Jahren. Diese Entwicklung verschärft den Handlungsdruck auf die BOJ zusätzlich.
Ayako Fujita, Chefökonomin bei JPMorgan Securities Japan, erklärt: "Die BOJ hat bisher eine negative Haltung gegenüber aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen eingenommen." Die entscheidende Frage sei nun, ob die jüngste Yen-Abwertung zu einem Kurswechsel führe.
Nächste Zinserhöhung im April möglich
Reuters-Quellen zufolge sehen einige BOJ-Politiker Spielraum für eine frühere Zinserhöhung als vom Markt erwartet. Der April gilt als deutliche Möglichkeit für den nächsten Zinsschritt. Die BOJ hatte erst im Dezember die Zinsen von 0,5 % auf 0,75 % angehoben – das höchste Niveau seit 30 Jahren.
Von Reuters befragte Analysten erwarten mehrheitlich, dass die Notenbank bis Juli mit der nächsten Erhöhung wartet. Über 75 % gehen davon aus, dass der Leitzins bis September auf mindestens 1 % steigen wird.
Verbesserte Wirtschaftsprognosen erwartet
Im vierteljährlichen Ausblickbericht, der am Freitag veröffentlicht wird, dürfte die BOJ ihre Wachstumsprognose für das Fiskaljahr 2026 von zuvor 0,7 % nach oben korrigieren. Als Gründe gelten das staatliche Konjunkturpaket und nachlassende Auswirkungen von US-Zöllen.
Auch die Inflationsprognose für 2026 könnte leicht von 1,8 % angehoben werden. Die BOJ geht davon aus, dass Japan voraussichtlich im Oktober – in der zweiten Hälfte des im April beginnenden Geschäftsjahres – dauerhaft das Inflationsziel von 2 % erreichen wird.
Ausblick: Balanceakt für Gouverneur Ueda
BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda steht vor einem schwierigen Balanceakt. In seiner Pressekonferenz am Freitag werden Anleger genau darauf achten, wie er die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen zur Stützung des Yen mit dem Ziel vereinbart, einen zu starken Anstieg der Anleiherenditen zu vermeiden. Die Märkte erwarten klare Signale zur künftigen Zinspolitik – in einem Umfeld wachsender Unsicherheit.
