Bank of Israel lässt Leitzins bei 3,25 Prozent vor der Wahl
Die Notenbank pausiert eine Woche vor der Parlamentswahl und verweist auf hohe Unsicherheit durch geopolitische Spannungen.

Die Bank of Israel hat am Mittwoch ihre kurzfristigen Zinssätze unverändert gelassen. Eine Woche vor der allgemeinen Wahl im Land und angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen entschied sich die Notenbank für eine Pause. Der Leitzins bleibt damit bei 3,25 Prozent – wie von den Märkten breit erwartet.
Alle 15 von Reuters befragten Ökonomen hatten keine Änderung erwartet. Die Entscheidung fiel trotz stabiler Inflation. Die jährliche Inflationsrate lag im September bei 1,6 Prozent und damit deutlich innerhalb des Zielkorridors der Bank von 1 bis 3 Prozent.
Die Währungshüter wählen damit den vorsichtigen Weg: Statt die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern, warten sie die politischen und geopolitischen Entwicklungen ab. Für deutsche Anleger ist die Entscheidung vor allem deshalb relevant, weil Israel als technologieorientierte Volkswirtschaft und wichtiger Handelspartner ein Sensor für die Stimmung in einer von Konflikten geprägten Region ist.
Die Details
Die Zentralbank hielt ihren Leitzins bei 3,25 Prozent. Zuvor hatte sie die Zinsen im vergangenen November und Januar gesenkt, bevor sie wegen des Konflikts mit dem Iran und der Befürchtung eines Anstiegs der angebotsseitig getriebenen Inflation pausierte. Anschließend setzte sie die Zinssenkungen im Mai, Juli und September fort.
Die jährliche Inflationsrate stieg im September auf 1,6 Prozent – gegenüber 1,5 Prozent im August. Damit liegt sie innerhalb des Zielkorridors der Bank von 1 bis 3 Prozent. In einer Erklärung der Bank hieß es: "Die Unsicherheit bleibt angesichts der geopolitischen Spannungen hoch." Weiter heißt es dort: "Während des betrachteten Zeitraums blieb das Risikoaufschlag für Israel jedoch auf einem Niveau, das dem vor dem 7. Oktober 2023 ähnlich war, und der Schekel wertete ab."
Für die kommenden Jahre rechnet die Notenbank mit kräftigem Wachstum. Laut der Prognose der Personalabteilung der Forschungsabteilung der Bank wird das BIP im Jahr 2026 um 5,6 Prozent und im Jahr 2027 um 7,5 Prozent wachsen. Ein Großteil dieser Aufwertungen spiegelt den erwarteten großen Beitrag zur Produktion im Ausland durch israelische Unternehmen wider, so die Bank. Ohne die Produktion im Ausland wurde ein Wachstum von 3,4 Prozent im Jahr 2026 und 5,1 Prozent im Jahr 2027 prognostiziert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Israel am 5. Januar eine überraschende Zinssenkung beschlossen hatte. Wie aus dem veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervorging, stimmten alle vier anwesenden Mitglieder des Währungspolitischen Komitees (WPK) einstimmig für eine Senkung des kurzfristigen Referenzzinssatzes um 0,25 Prozentpunkte auf 4 Prozent. Es war die zweite Zinssenkung in Folge, nachdem die Zentralbank bereits im November erstmals seit fast zwei Jahren die Zinsen gesenkt hatte. Begründet wurde der Schritt mit einem sich verbessernden Inflationsumfeld nach dem Waffenstillstand im Gazastreifen im Oktober sowie mit der starken Aufwertung des Schekels gegenüber dem US-Dollar.
Am 30.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Israel ihren Leitzins auf der Sitzung am Montag bei 4 Prozent belassen hatte. Diese Entscheidung entsprach den Erwartungen aller von Bloomberg befragten Ökonomen. Der anhaltende Konflikt mit dem Iran sorgte für erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit sowohl in Israel als auch auf den globalen Märkten. Zentralbankgouverneur Amir Yaron hielt im Anschluss an die Bekanntgabe eine Pressekonferenz ab.
Am 06.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Israel ihren Leitzins von 3,75 Prozent auf 3,50 Prozent gesenkt hatte. Es war die zweite Zinssenkung in Folge, die die Kreditkosten auf den niedrigsten Stand seit Ende 2022 drückte. Als ausschlaggebende Faktoren nannte die Zentralbank einen starken Schekel sowie moderate Inflationserwartungen, die in der Abwägung die Prognosen für ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum überwogen.
Am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass Gouverneur Amir Yaron die künftige israelische Regierung eindringlich aufforderte, den Anstieg der Staatsverschuldung zu stoppen. In einer Rede auf einer Konferenz der Zeitung Calcalist bezeichnete er die Fiskalpolitik als die größte Herausforderung des Landes. Israel plant, am 27. Oktober Parlamentswahlen abzuhalten. Yaron machte die stark gestiegenen Verteidigungsausgaben als zentrales Problem aus. Das Verteidigungsbudget sei auf bis zu 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angewachsen – doppelt so viel wie vor den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert die Entscheidung mehrere Anhaltspunkte. Ein unveränderter Leitzins von 3,25 Prozent bedeutet zunächst, dass sich an den Finanzierungsbedingungen in Israel kurzfristig nichts ändert. Die Notenbank signalisiert mit der Pause, dass sie angesichts der Wahl und der geopolitischen Lage keine neuen Impulse setzen will.
Bemerkenswert ist die Kombination aus stabiler Inflation und kräftigen Wachstumsprognosen. Die Bank erwartet für 2026 und 2027 ein deutlich beschleunigtes BIP-Wachstum, das allerdings stark von der Produktion israelischer Unternehmen im Ausland getragen wird. Ohne diesen Effekt fallen die Prognosen spürbar niedriger aus. Anleger sollten daher genau unterscheiden, ob Wachstum aus dem Inland oder aus dem Auslandsgeschäft stammt.
Hinzu kommt die fiskalische Dimension: Der Notenbankchef hat die steigende Staatsverschuldung und die hohen Verteidigungsausgaben als zentrale Herausforderung benannt. Für die Bewertung israelischer Anleihen und des Schekels bleibt das ein wichtiger Faktor. Der Schekel hat laut Bank zuletzt abgewertet, während sich das Risikoaufschlag Israels wieder dem Niveau vor dem 7. Oktober 2023 angenähert hat.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist die allgemeine Wahl, die eine Woche nach der Zinsentscheidung ansteht und laut einem früheren Bericht für den 27. Oktober geplant ist. Die Bank of Israel wird ihre Geldpolitik voraussichtlich weiter datenabhängig ausrichten. Als Orientierung dienen die eigenen Prognosen: ein BIP-Wachstum von 5,6 Prozent im Jahr 2026 und 7,5 Prozent im Jahr 2027, beziehungsweise 3,4 Prozent und 5,1 Prozent ohne die Produktion im Ausland. Die Inflation liegt mit 1,6 Prozent im September weiterhin innerhalb des Zielkorridors von 1 bis 3 Prozent.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte kurzfristige Referenzzinssatz, an dem sich die Kreditkosten einer Volkswirtschaft orientieren.
- Inflationsrate: Die jährliche Teuerungsrate, die angibt, wie stark die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind.
- BIP: Das Bruttoinlandsprodukt misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft in einem Zeitraum produziert werden.
- Schekel: Die israelische Landeswährung, deren Wechselkurs die Ein- und Ausfuhren sowie die Importpreise beeinflusst.
