Bank of Canada erhöht Leitzins erstmals seit drei Jahren
Die kanadische Notenbank hebt den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent an und deutet weitere Schritte an.

Die Bank of Canada hat am Mittwoch ihren wichtigsten Leitzins zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren angehoben. Die Notenbank erhöhte den Satz wie breit erwartet um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Zugleich signalisierten die Währungshüter in Ottawa, dass weitere Zinserhöhungen erforderlich sein könnten, um zu verhindern, dass die stark steigenden Energiekosten die allgemeine Inflation weiter anheizen.
Gouverneur Tiff Macklem begründete den Schritt mit den deutlich höheren Inflationsaussichten und der Widerstandsfähigkeit der kanadischen Wirtschaft. „Angesichts der deutlich höheren Inflationsaussichten und der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft ist eine Erhöhung des Leitzinssatzes erforderlich, um das Risiko zu verringern, dass die erhöhten Energiepreise übergreifen und sich zu einer allgemeinen Inflation ausweiten“, sagte Macklem in seinen einleitenden Worten gegenüber Reportern. Mit Blick auf das weitere Vorgehen fügte er hinzu: „Es könnte notwendig sein, den Leitzins weiter anzuheben, aber angesichts der Unsicherheiten werden wir vorsichtig vorgehen.“
Die Zinserhöhung war die erste seit Juli 2023 und der erste Schritt innerhalb eines Jahres. Trotz der Anhebung liegt der Leitzins immer noch unter dem neutralen Zinsniveau, einem geldpolitischen Niveau, das weder als restriktiv noch als expansiv gilt. Für die Märkte bedeutet das: Der Spielraum für geldpolitische Lockerungen ist geringer geworden, wie der Governing Council betonte. „Der Governing Council war sich einig, dass die Risiken für die Inflation gestiegen sind und der Spielraum für eine geldpolitische Lockerung geringer geworden ist“, sagte Macklem.
Die Details
Die jährliche Inflationsrate lag im September bei 3,2 Prozent und damit über dem Zielbereich der Bank von 1 Prozent bis 3 Prozent. Dieser Anstieg war laut der Notenbank fast ausschließlich auf höhere Energie- und energiebezogene Transportkosten zurückzuführen. Macklem sagte, die Inflation werde das Jahr voraussichtlich mit 3,5 Prozent beenden und sich für den Großteil des nächsten Jahres bei etwa 3 Prozent einpendeln, bevor sie bis Mitte 2028 wieder nahe am Zielwert von 2 Prozent liege.
Die Bank passte ihre Inflationsprognose für 2027 von den im Juli prognostizierten 2,0 Prozent auf 3,1 Prozent nach oben an. Das Wachstum in diesem Jahr wird voraussichtlich bei 1,0 Prozent liegen, was höher ist als die im Juli erwarteten 0,7 Prozent.
Nach einem robusten jährlichen Wachstum von 3,3 Prozent im zweiten Quartal dürfte die Wirtschaft im dritten Quartal auf 2 Prozent und im vierten Quartal weiter auf 0,8 Prozent abschwächen, projizierte der neue geldpolitische Bericht der BoC. Der Bericht hob jedoch seine BIP-Prognose für das kommende Jahr und das darauffolgende Jahr von den im Juli für 2027 und 2028 vorhergesagten 1,8 Prozent auf 2 Prozent für beide Jahre an. Macklem sagte, dieses zusätzliche Wachstum würde helfen, die Schwachstellen beziehungsweise die ungenutzte Kapazität der Wirtschaft abzubauen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Canada ihren Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 2,25 Prozent belassen würde. Nachlassender Kerninflationsdruck gab den Währungshütern damals keinen Anlass für eine Erhöhung, während eine überraschend starke Wachstumserholung weitere Stimulierungsmaßnahmen überflüssig machte. Es war bereits die sechste Sitzung in Folge ohne Zinsänderung. Der damalige Satz von 2,25 Prozent markierte das untere Ende des von der BoC geschätzten neutralen Bereichs von 2,25 Prozent bis 3,25 Prozent.
Am 10.06.2026 meldete aktien.news, dass die BoC ihren Leitzins unverändert bei 2,25 Prozent belassen hatte – die fünfte Sitzung in Folge ohne Zinsänderung. Gouverneur Tiff Macklem brachte die damalige Lage auf den Punkt: „Wirtschaftliche Schwäche kombiniert mit steigender Inflation ist ein Dilemma für die Geldpolitik.“ Die Zentralbank stand vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma: eine schwächelnde Binnenwirtschaft auf der einen Seite, eine wieder anziehende Inflation auf der anderen.
In einem weiteren Bericht vom 10.06.2026 hieß es, die Bank habe die Zinspause fortgesetzt, weil es bislang nur begrenzte Anzeichen dafür gebe, dass die gestiegenen Energiepreise die Inflation auf breiter Basis anheizten. Macklem betonte jedoch gleichzeitig, die Zentralbank werde nicht zögern, die Zinsen bei Bedarf anzuheben, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Kanadas Gesamtinflationsrate war im April auf 2,8 Prozent gestiegen. Der Vergleich zeigt den Kurswechsel: Über mehrere Sitzungen hinweg hatte die BoC stillgehalten und auf ein Abklingen des Inflationsdrucks gehofft. Mit der nun beschlossenen Anhebung vollzieht sie die Trendwende, die sie in ihren vorherigen Statements bereits angekündigt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem deshalb relevant, weil Kanada als rohstoffreiches Land eng mit der Entwicklung der Energiemärkte verbunden ist. Die Notenbank führt die gestiegene Inflation fast ausschließlich auf höhere Energie- und energiebezogene Transportkosten zurück. Steigt dieser Preisdruck weiter, könnte das auch die Inflationsdebatte in anderen Volkswirtschaften befeuern.
Bemerkenswert ist, dass die Entscheidung nicht unumstritten war. Ökonomen, die sich gegen eine Zinserhöhung aussprachen, verwiesen darauf, dass die Kerninflation, die volatile Posten ausschließt, weiterhin bei rund 2 Prozent liege. Sie argumentierten zudem, dass eine Zinserhöhung die bescheidene wirtschaftliche Erholung behindern könnte, insbesondere vor dem Hintergrund der Handelsspannungen mit den USA und eines schwachen Arbeitsmarktes.
Macklem räumte bestehende Unsicherheiten ausdrücklich ein. Als Risiken nannte er die Handelsauseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten und eine schnellere Beendigung des Konflikts im Nahen Osten. Neue US-Zölle würden die Wirtschaft im vierten Quartal verlangsamen, so der Gouverneur, der jedoch Zuversicht äußerte, dass das Wachstum 2027 wieder anziehen sollte, da die Konsumausgaben weiter steigen, die Exporte sich erholen und die Unternehmensinvestitionen festigen.
Ausblick
Nach Einschätzung der Bank of Canada dürfte sich die Inflation erst mittelfristig normalisieren. Macklem erwartet, dass die Teuerung das Jahr mit 3,5 Prozent beendet, sich im Großteil des nächsten Jahres bei etwa 3 Prozent hält und erst bis Mitte 2028 wieder nahe am Zielwert von 2 Prozent liegt. Die BIP-Prognose für 2027 und 2028 wurde auf 2 Prozent für beide Jahre angehoben.
Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Im dritten Quartal dürfte die Wirtschaft auf 2 Prozent und im vierten Quartal auf 0,8 Prozent abschwächen. Macklem betonte, dass die Kombination aus höheren Energiepreisen und steigenden Weitergabekosten die Persistenz der Inflation erhöhe. Ob weitere Zinserhöhungen folgen, ließ er offen – der Governing Council werde angesichts der Unsicherheiten vorsichtig vorgehen.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, den eine Zentralbank festlegt und der die Kreditkosten der Geschäftsbanken beeinflusst.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinssätze, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
- Kerninflation: Ein Inflationsmaß, das volatile Posten wie Energiepreise ausklammert.
- Neutraler Zins: Ein geldpolitisches Zinsniveau, das weder als restriktiv noch als expansiv gilt.
