Fed-Zinsentscheid im Oktober: Zinspause erwartet, Dezember-Schritt im Fokus
Die US-Notenbank dürfte den Leitzins am Mittwoch unverändert lassen – doch der Markt blickt bereits auf Dezember.

Am Mittwoch um 19 Uhr deutscher Zeit gibt die US-Notenbank Federal Reserve ihren vierten Zinsentscheid unter ihrem Vorsitzenden Kevin Warsh bekannt. Die Marktmehrheit erwartet eine Zinspause, nachdem die Fed im September ihren jüngsten Zinsschritt vollzogen hat. Die Leitzins-Spanne von 3,75 bis 4 Prozent dürfte damit bestehen bleiben. Das von der CME betriebene FedWatch-Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Pause auf über 90 Prozent.
Die Fed steht vor einem doppelten Mandat: Sie muss sowohl die Preisstabilität als auch die Wirtschaftsstabilität im Blick behalten. Genau dieses Spannungsfeld macht die aktuelle Lage so schwierig. Warsh hat bei seinem Amtsantritt bewusst auf die sogenannte Forward Guidance verzichtet und entscheidet datenbasiert – klare Vorabsignale an die Märkte gibt es von ihm nicht mehr.
Einen Tag nach der Fed ist die Europäische Zentralbank (EZB) gefragt: Sie verkündet ihren Zinsentscheid am Donnerstag. Für deutsche Anleger ist das insofern relevant, als beide Notenbanken den Rahmen für Zinsen, Anleihen und Aktienbewertungen setzen.
Die Details
Die entscheidende Zahl für die Fed ist die Inflation. Im September lag die US-Teuerungsrate bei 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – deutlich über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent. Die Rate überschreitet dieses Ziel bereits seit mehr als fünf Jahren. Ein wesentlicher Treiber ist die Energiepreiskrise, die durch die US-Angriffe auf den Iran seit Ende Februar befeuert wird. Hinzu kommen mögliche Zweitrundeneffekte über Lohnerhöhungen, die die Inflation zusätzlich verfestigen könnten.
Ulrike Kastens, Senior Economist Europe beim Vermögensverwalter DWS, erwartet, dass die Teuerung "weiter auf mindestens vier Prozent steigen" wird. Die Prognose liegt damit klar über dem Ziel der Notenbank.
Gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt Schwäche. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 4,2 Prozent. Außerhalb der Landwirtschaft wurden nur 29.000 neue Stellen geschaffen – erwartet worden waren 90.000. Die Juli- und August-Stellenzahlen wurden nachträglich nach unten revidiert.
Trotz dieser schwachen Signale preist der Markt bereits den nächsten Schritt nach oben ein: Gut 77 Prozent der Beobachter erwarten eine Zinserhöhung im Dezember. Die Anleiherenditen sind deutlich gestiegen; die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt knapp bei fünf Prozent.
Das Dilemma der Notenbanker lässt sich so zusammenfassen: Eine hohe Inflation bei gleichzeitig laufender Konjunktur erlaubt höhere Zinsen, eine schwache Wirtschaft würde dagegen niedrigere Zinsen nahelegen. Beide Problemfelder bestehen derzeit parallel. Christian Scherrmann, DWS-Chefvolkswirt für die USA, bringt das auf den Punkt: "Weder Inflation noch Beschäftigung liefern den Notenbankern ein klares Signal."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Fed die Zinsen unverändert ließ – es könnte die letzte Sitzung unter Jerome Powell gewesen sein. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen damals erneut gestiegene Ölpreise.
Am 18.06.2026 folgte die dritte Pause in Folge: Die zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses votierten einstimmig dafür, die Zinsspanne bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Es war die erste Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der im Mai die Leitung der US-Notenbank übernommen hatte.
Am 29.07.2026 berichtete aktien.news über Warshs "No-Guidance-Regime": Der Fed-Chef verzichtet bewusst auf Prognosen und Vorabsignale, was Märkte und Beobachter gleichermaßen im Unklaren lässt. Er erklärte, er habe "keine Toleranz" für eine Inflation, die seit mehr als fünf Jahren über dem Ziel der Fed liegt.
Am 17.09.2026 schließlich vollzog die Fed ihren jüngsten Zinsschritt und hob den Leitzins auf die Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Der Beschluss des Offenmarktausschusses fiel einstimmig.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist vor allem die Richtung der Renditen wichtig. Steigende Anleiherenditen belasten Aktien, weil sie den Renditevorteil von Dividendenpapieren schmälern. Besonders betroffen sind Wachstumswerte und Tech-Konzerne, deren Bewertung stark von künftigen Gewinnen abhängt. Auch fremdkapitalabhängige Unternehmen mit KI-Projekten geraten unter Druck, weil höhere Zinsen die Finanzierung verteuern.
Auf der Anleiheseite reagieren kurzlaufende Papiere besonders zinssensibel. Wer sein Depot breit aufstellt, verteilt diese Risiken besser. Anleger sollten daher Laufzeiten und Zinssensitivität ihrer Positionen prüfen und sich bewusst machen, dass Aktien gegenüber Bonds derzeit an Renditevorteil verlieren.
Jörg Held vom Portfoliomanagement bei Ethenea Independent Investors beschreibt die Lage so: "Eine Notenbank, die nicht spricht, überlässt die Zinspolitik dem Anleihemarkt." Genau das ist der Kern des aktuellen Umfelds: Ohne Vorabsignale der Fed müssen Anleger die Erwartungen des Marktes selbst interpretieren – und die sind derzeit auf weitere Zinserhöhungen gerichtet.
Ausblick
Der nächste Fixpunkt ist der EZB-Entscheid am Donnerstag. Danach richtet sich der Blick auf die Dezember-Sitzung der Fed, bei der die Mehrheit der Beobachter einen Zinsschritt nach oben erwartet. Ob es dazu kommt, hängt von den kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten ab – Warsh hat klargemacht, dass er datenbasiert entscheidet und keine Vorabprognosen liefert.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld beschaffen können und der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
- Forward Guidance: Die bewusste Kommunikation einer Notenbank über ihre künftige Zinspolitik, auf die Warsh verzichtet.
- Anleiherendite: Die Rendite, die ein Anleger mit einer Anleihe erzielt und die als Vergleichsmaßstab zu Aktien dient.
- Zweitrundeneffekte: Indirekte Preisanstiege, die entstehen, wenn höhere Kosten über Löhne an die Verbraucher weitergegeben werden.
