Fed-Sitzung: Keine Zinserhöhung erwartet, Warsh im Fokus
Die US-Notenbank dürfte am Mittwoch pausieren, doch Fed-Chef Kevin Warsh könnte die Richtung für Dezember vorgeben.

Die US-Notenbank Federal Reserve entscheidet an diesem Mittwoch über den Leitzins. Die Märkte rechnen damit, dass die Zentralbank trotz einer Inflation, die deutlich über dem Zielwert liegt, auf eine Zinsanhebung verzichtet. Die Zinsentscheidung der US-Notenbank wird damit voraussichtlich wenig Spannung bieten. Der CNBC-Live-Blog begleitet die Entscheidung und die anschließende Pressekonferenz von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh.
Laut dem CME Group's FedWatch-Tool bewerten die Märkte die Wahrscheinlichkeit, dass das den Leitzins festlegende Federal Open Market Committee (FOMC) seine im September um einen viertel Prozentpunkt durchgeführte Erhöhung mit einem weiteren Schritt fortsetzt, mit weniger als 10 Prozent. Unter der Annahme, dass diese Markterwartung zutrifft, bliebe der Leitzinssatz der Fed in einem Bereich zwischen 3,75 und 4 Prozent. Damit würde die Notenbank eine Pause einlegen, obwohl die Teuerungsrate weiterhin deutlich über dem Zielwert liegt.
Die Aufmerksamkeit der Anleger verlagert sich damit auf Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und die Hinweise, die er in seiner Pressekonferenz nach der Sitzung geben möchte. Da für diese Sitzung keine Aktualisierungen des „Dot Plot" der Zinsprognosen oder der Zusammenfassung der wirtschaftlichen Prognosen („Summary of Economic Projections") vorgesehen sind, werden weniger Details darüber vorliegen, wie die Beamten die aktuellen Bedingungen und den künftigen Pfad der Geldpolitik einschätzen. Umso größeres Gewicht bekommt das, was Warsh mündlich sagt.
Die Details
Händler erwarten, dass die Fed den Ausfall im Oktober bei ihrer nächsten Sitzung im Dezember durch eine Zinserhöhung ausgleicht. Der Markt geht also davon aus, dass die Pause nur vorübergehend ist. Für die Sitzung am Mittwoch selbst sind keine neuen Projektionen vorgesehen, sodass die Entscheidung ohne die sonst übliche Projektionsmatrix auskommt.
Einige Beobachter sind der Ansicht, dass es Dissenterstimmen gegen die Entscheidung zur Zinspause geben könnte. Die Regionalpräsidenten Beth Hammack von Cleveland und Lorie Logan von Dallas sowie Neel Kashkari von Minneapolis kommen als Nein-Stimmen in Frage. Jeder von ihnen hatte sich im Juli gegen eine Zinspause ausgesprochen. Sollten sie erneut abweichend votieren, wäre das ein sichtbares Zeichen für die interne Debatte über den richtigen geldpolitischen Kurs.
Die Entscheidung der Fed fällt weniger als eine Woche vor einer entscheidenden Zwischenwahl, bei der die Machtverhältnisse im Kongress neu ausgehandelt werden. Der geldpolitische Beschluss steht damit in einem politisch aufgeladenen Umfeld, auch wenn die Notenbank ihre Unabhängigkeit betont.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass von der Fed weithin eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet wurde. Es wäre die erste Zinserhöhung seit Juli 2023 gewesen, die den Zielbereich auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben hätte. Zinsfutures preisten damals eine Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent für diesen Schritt ein, wie das CME FedWatch Tool zeigte. Vor Veröffentlichung der neuesten Inflationsdaten lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei etwa 70 Prozent. Da das Ergebnis der Zinsentscheidung weitgehend feststand, richteten sich die Blicke der Marktteilnehmer auf den „Dot Plot" – die Projektion der künftigen Zinsentwicklung durch die Fed-Mitglieder.
Am 29.07.2026 berichtete aktien.news über eine Fed-Zinsentscheidung, die um 14:00 Uhr EDT (18:00 Uhr GMT) bekanntgegeben werden sollte. Obwohl es als wahrscheinlich galt, dass der Leitzins unverändert bleibt, war die Lage ungewöhnlich offen. Der Grund: Fed-Chef Kevin Warsh hatte ein sogenanntes „No-Guidance-Regime" eingeführt – er verzichtet bewusst auf Prognosen und Vorabsignale, was Märkte und Beobachter gleichermaßen im Unklaren lässt. Warsh übernahm im Mai die Leitung der US-Notenbank und hat seitdem einen klaren Kurs in der Inflationsbekämpfung signalisiert. Er erklärte, er habe „keine Toleranz" für eine Inflation, die seit mehr als fünf Jahren über dem 2%-Ziel der Fed liegt.
Bereits am 28.07.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Fed-Chef Warsh vor einer wegweisenden FOMC-Sitzung stand und eine Zinserhöhung trotz angespannter Inflationslage als unwahrscheinlich galt. Analysten zufolge würde ein solcher Schritt den laufenden Arbeitsgruppen vorgreifen, die Warsh selbst ins Leben gerufen hat. Diese Arbeitsgruppen haben den Auftrag, zentrale Themen der Geldpolitik neu zu bewerten: Inflation, Künstliche Intelligenz, Datenlage und die Kommunikationsstrategie der Federal Reserve. Eine voreilige Zinserhöhung würde die Arbeit dieser Gremien unterlaufen, bevor sie überhaupt zu Ergebnissen gekommen sind.
Am 16.06.2026 berichtete aktien.news, dass eine Mehrheit der Fed-Entscheidungsträger der Ansicht war, die kurzfristigen Kreditkosten in den USA sollten das gesamte Jahr über unverändert bleiben. Dies ging aus Prognosen hervor, die am Mittwoch erwartet wurden. Gleichzeitig plante eine kleine Anzahl von Fed-Mitgliedern offenbar eine Zinserhöhung. Ziel dieser Maßnahme wäre es, zu verhindern, dass sich ein Inflationsschub dauerhaft in der US-Wirtschaft festsetzt. Die Notenbank stand damit vor einer gespaltenen internen Debatte über den richtigen geldpolitischen Kurs.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Sitzung vor allem wegen der Kommunikation von Bedeutung. Weil keine aktualisierten Projektionen veröffentlicht werden, liefert die Pressekonferenz von Warsh die einzigen Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Pfad. Der Leitzins in der Spanne von 3,75 bis 4 Prozent bleibt zunächst bestehen, sofern die Markterwartung zutrifft.
Die Möglichkeit von Dissenterstimmen ist ein Signal für die interne Debatte. Sollten Hammack, Logan oder Kashkari gegen eine Zinspause stimmen, würde das die gespaltene Haltung innerhalb des FOMC unterstreichen. Für Anleger bedeutet das, dass die Unsicherheit über den Dezember-Schritt bestehen bleibt. Hinzu kommt der politische Kalender: Die Entscheidung fällt weniger als eine Woche vor der Zwischenwahl, was die Reaktion an den Finanzmärkten verstärken kann.
Ausblick
Händler erwarten, dass die Fed den Ausfall im Oktober bei ihrer nächsten Sitzung im Dezember durch eine Zinserhöhung ausgleicht. Bis dahin bleibt der Leitzins in der Spanne zwischen 3,75 und 4 Prozent, falls die Märkte mit ihrer Erwartung von weniger als 10 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt richtig liegen. Neue Projektionen der Fed-Mitglieder stehen erst dann wieder zur Verfügung, wenn der Dot Plot und die Summary of Economic Projections turnusmäßig aktualisiert werden.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz einer Zentralbank, der bestimmt, zu welchen Konditionen sich Banken kurzfristig Geld beschaffen.
- Dot Plot: Eine Grafik, in der die Mitglieder der Notenbank ihre erwarteten Zinspfade anonym eintragen.
- Dissenterstimme: Die abweichende Stimme eines Mitglieds gegen die Mehrheitsentscheidung in einem Gremium.
