Australien erhöht Leitzins auf 3,85 Prozent – Erste Anhebung seit 2023
Reserve Bank reagiert auf steigende Inflation und erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte.

Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat am Dienstag überraschend den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,85 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung seit November 2023 und markiert eine Kehrtwende in der Geldpolitik, nachdem die Zentralbank im Jahr 2025 noch drei Zinssenkungen vorgenommen hatte. Der Vorstand stimmte einstimmig für die Maßnahme.
Die Entscheidung entspricht den Erwartungen von Ökonomen und folgt auf besorgniserregende Inflationsdaten. Die jährliche Verbraucherinflation in Australien stieg im Dezember auf 3,8 Prozent, nachdem sie im Vormonat noch bei 3,4 Prozent gelegen hatte. Damit erreichte die Teuerungsrate den höchsten Stand seit sechs Quartalen und liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert der RBA von 2,5 Prozent.
Der größte Treiber der Inflation waren die Wohnkosten, insbesondere die Stromrechnungen. Staatliche Stromvergünstigungen, die Haushalte zuvor entlastet hatten, sind inzwischen weitgehend aufgebraucht. Dies führte zu einem spürbaren Anstieg der Energiekosten für australische Verbraucher in den vergangenen zwölf Monaten.
Zweischneidiges Schwert für die Zentralbank
Die RBA sieht sich mit einer komplexen wirtschaftlichen Lage konfrontiert. Die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft trotz höherer US-Zölle sowie die Exportdynamik ostasiatischer Volkswirtschaften, angetrieben durch den KI-Boom, schaffen laut Analystin Nguyen ein "zweischneidiges Schwert". Diese Kräfte hätten zwar die Bremswirkung auf das Binnenwachstum reduziert, gleichzeitig aber auch die "natürliche Abkühlung einer bereits überhitzten Wirtschaft" begrenzt.
Die australische Wirtschaft zeigte sich zuletzt robust. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal – das schnellste Expansionstempo seit etwa zwei Jahren. Diese Dynamik erschwert es der Zentralbank, die Inflation einzudämmen, ohne das Wachstum zu stark zu belasten.
Weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen
Hochrangige RBA-Beamte haben in den vergangenen Monaten wiederholt Erwartungen an baldige Zinssenkungen zurückgewiesen. Andrew Hauser, stellvertretender Gouverneur der Reserve Bank, bezeichnete die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Zinssenkungen Anfang des Jahres als "wahrscheinlich sehr gering" und verwies auf die anhaltend hohe Inflation.
Gouvернeurin Michele Bullock bekräftigte diese Haltung nach der Zinsentscheidung vom 9. Dezember und stellte klar, dass Zinssenkungen auf absehbare Zeit nicht in Sicht seien. Auf die Frage nach weiteren möglichen Zinserhöhungen antwortete Bullock, die Bank werde die Wirtschaftsdaten "von Sitzung zu Sitzung" bewerten. Dies lässt Raum für weitere geldpolitische Straffungen, sollte die Inflation nicht zurückgehen.
Für deutsche Anleger mit Engagements in australischen Aktien oder Anleihen bedeutet die Zinserhöhung möglicherweise attraktivere Renditen bei festverzinslichen Wertpapieren, könnte aber gleichzeitig den australischen Dollar stärken und Aktienbewertungen unter Druck setzen.
