Apple warnt vor steigenden Speicherchip-Kosten durch KI-Boom
Samsung und SK Hynix verlagern Produktion auf lukrative KI-Chips – Smartphone-Hersteller unter Druck

Apple spürt erstmals deutlich die Auswirkungen der Speicherchip-Knappheit auf seine Gewinnmargen. CEO Tim Cook warnte in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen vor steigenden Kosten im laufenden Quartal. Die Ursache: Südkoreanische Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix konzentrieren sich zunehmend auf die Produktion hochmargiger Speicherchips für KI-Anwendungen.
"Wir sehen weiterhin, dass die Marktpreise für Speicher deutlich steigen", erklärte Cook. Während die Auswirkungen im traditionell starken Weihnachtsquartal noch "minimal" gewesen seien, erwartet der Apple-Chef für das laufende Quartal spürbare Belastungen. Besonders brisant: Die Nachfrage nach dem iPhone 17 ist laut Cook "überwältigend", vor allem in China und Indien – was den Speicherbedarf weiter erhöht.
Die Situation verschärft sich, weil Samsung Electronics und SK Hynix gemeinsam zwei Drittel des globalen DRAM-Marktes kontrollieren. Beide Unternehmen haben ihre Produktionskapazitäten massiv auf High-Bandwidth Memory (HBM) für KI-Server umgestellt. Diese Chips erzielen deutlich höhere Gewinnmargen als konventionelle DRAM-Chips für Smartphones und PCs.
Branche passt sich an – Verkaufsprognosen nach unten korrigiert
Die Folgen sind bereits spürbar: "PC- und Mobilfunkkunden passen ihre Einkaufsmengen an", bestätigte SK Hynix in der eigenen Quartalspräsentation. Einige Hersteller erwägen, die Speicherchip-Spezifikationen in preissensiblen Produktlinien zu reduzieren oder verfolgen konservativere Lieferstrategien.
Die Marktforscher IDC und Counterpoint haben ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert. Beide erwarten für 2026 einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Verkäufe um mindestens 2 Prozent – eine Kehrtwende gegenüber früheren Wachstumserwartungen. Der PC-Markt soll laut IDC sogar um 4,9 Prozent schrumpfen, nach einem Plus von 8,1 Prozent im Vorjahr.
Auch Samsung selbst bekommt die Auswirkungen zu spüren. Der Gewinn des Mobilfunkgeschäfts des weltgrößten Smartphone-Herstellers brach im vierten Quartal um 10 Prozent ein. Manager Cho Seong warnte vor einem "herausfordernden Jahr 2026" mit stagnierenden Auslieferungen und dem Risiko weiterer Abwärtskorrekturen.
KI-Boom verschärft strukturelle Knappheit
Die Chipknappheit ist nicht nur eine vorübergehende Erscheinung. Nach aggressiven Kapazitätserweiterungen ab 2017, die zu Überkapazitäten führten, agieren die Hersteller heute deutlich konservativer. Samsung kündigte an, die Expansion in den Jahren 2026 und 2027 begrenzt zu halten.
Gleichzeitig boomt das KI-Geschäft: SK Hynix dominiert den HBM-Chipmarkt mit 61 Prozent Marktanteil, gefolgt von Samsung mit 19 Prozent und Micron mit 20 Prozent. Samsung priorisiert bewusst Serverkunden und will den Anteil KI-bezogener Produkte weiter erhöhen – was die Verfügbarkeit konventioneller Chips zusätzlich einschränkt.
"PC- und Mobilfunkkunden haben Schwierigkeiten, Speichervorräte zu sichern", fasste Park Joon Deok, Leiter des DRAM-Marketings bei SK Hynix, die Lage zusammen. Die Kunden seien direkt und indirekt von Lieferengpässen und der starken Nachfrage nach serverbezogenen Produkten betroffen.
Ob Apple die iPhone-Preise aufgrund der Chipknappheit erhöhen wird, ließ CEO Cook in der Telefonkonferenz bewusst offen. Die Frage eines Analysten dazu beantwortete er nicht.
