Apple unter Ternus: Was Cooks Erbe für Anleger bedeutet
Tim Cooks letzte Bilanzkonferenz offenbart Apples enormes Wachstum – und stellt neue CEO John Ternus vor große Herausforderungen.

Tim Cook hielt am 30. Juli seine letzte Telefonkonferenz als Apple-CEO ab. Die dabei präsentierten Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, wie stark sich das Unternehmen seit seinem Amtsantritt im August 2011 verändert hat. Apple erzielte im dritten Geschäftsquartal (Zeitraum bis 27. Juni) einen Umsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar – mehr als das gesamte Geschäftsjahr 2011, in dem Apple auf 108,2 Milliarden US-Dollar kam. Diese Zahl allein illustriert das Ausmaß des Wachstums unter Cook besser als jede Analyse.
Cook übernahm den CEO-Posten unter denkbar schwierigen Bedingungen: Er folgte Apple-Mitgründer Steve Jobs, der das Unternehmen vom Rand des Bankrotts zurückgeführt und zur wertvollsten Firma der Welt gemacht hatte. Dass Cook diese Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern übertraf, zeigt der Blick auf die Aktienrendite. In den vergangenen 15 Jahren erzielte die Apple-Aktie inklusive Dividenden eine Rendite von 2.720% – gegenüber 758,8% für den S&P 500 im gleichen Zeitraum.
Die Details
Der Quartalsumsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar entspricht einem Anstieg von 16% gegenüber dem Vorjahresquartal. Haupttreiber war einmal mehr das iPhone: Der Umsatz mit Apples Flaggschiff-Produkt stieg um 22% auf 54,3 Milliarden US-Dollar und machte damit rund die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2011 entfielen auf das iPhone 47,1 Milliarden US-Dollar bzw. 43% des Gesamtumsatzes – der Anteil hat sich also kaum verändert, obwohl das absolute Volumen massiv gewachsen ist.
Neben dem Hardware-Geschäft wächst auch das margenstärkere Dienstleistungssegment erfreulich. Der Bereich Services – der Werbung, Support-Services, den App Store und Zahlungsdienste umfasst – legte um 12% zu und steuerte 28% zum Gesamtumsatz bei. Dieses Segment gilt als besonders wertvoll, da es höhere Margen aufweist als das Hardware-Geschäft und für wiederkehrende Einnahmen sorgt.
Zuletzt hat Apple das iPhone Duo auf den Markt gebracht, ein faltbares Telefon mit einem Einstiegspreis von 2.000 US-Dollar. Wie gut dieses Gerät bei den Konsumenten ankommt, werden die Ergebnisse für das vierte Quartal zeigen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21. April 2026 berichtete aktien.news, dass Tim Cook als CEO von Apple zurücktritt und damit eine der erfolgreichsten Amtszeiten in der Geschichte des US-Technologiesektors beendet. Unter seiner Führung wuchs der Börsenwert des iPhone-Konzerns von weniger als 350 Milliarden US-Dollar auf eine Marktkapitalisierung von 4 Billionen US-Dollar. Die Apple-Aktie legte während Cooks 15-jähriger Amtszeit um 1.932% zu und übertraf damit laut Dow Jones Market Data den S&P 500, der im gleichen Zeitraum um 504% zulegte.
Ebenfalls am 21. April 2026 berichtete aktien.news über die Einschätzung des Technologieanalysten Dan Ives von Wedbush Securities, der den Führungswechsel als entscheidenden Moment für das Unternehmen bezeichnete. Ives hob hervor, dass Cook eine globale öffentliche Persona geschaffen und ein unübertroffenes Gespür für Lieferketten und Logistik bewiesen habe.
Am 4. August 2026 berichtete aktien.news, dass Cooks designierter Nachfolger John Ternus den Chefposten übernehmen soll – und dass für Anleger damit die entscheidende Frage aufkommt, ob die Apple-Aktie auch für das nächste Jahrzehnt ein Kauf ist. Am 12. August 2026 bestätigte aktien.news schließlich, dass Cook den CEO-Posten am 1. September 2026 offiziell an Ternus übergab, den bisherigen Leiter der Hardware-Entwicklung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Bewertung der Apple-Aktie ein zentrales Thema. Die Aktie wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 38 gehandelt – deutlich über dem 10-Jahres-Median von 27. Auch im Vergleich zum S&P 500, der ein KGV von 27 aufweist, ist Apple höher bewertet. Das Unternehmen wird damit wie eine Wachstumsaktie gehandelt, obwohl es bereits zu den größten der Welt zählt.
Die hohe Bewertung setzt Ternus unter Druck, das Wachstum aufrechtzuerhalten. Apples jüngste Erfolgsbilanz bei neuen Produkten war dabei nicht makellos: Ein kostspieliger Versuch, ein selbstfahrendes Auto zu vermarkten, scheiterte. Auch das VisionPro-Produkt war bisher nicht sonderlich erfolgreich. Diese Rückschläge zeigen, wie schwierig es ist, neben dem dominanten iPhone-Geschäft neue Umsatzträger zu etablieren.
Langfristig gilt: Kein Unternehmen kann sich dauerhaft auf ein einziges Produkt verlassen – auch Apple nicht. Das iPhone macht nach wie vor rund die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Solange kein zweites Produkt ähnliche Dimensionen erreicht, bleibt Apple strukturell vom iPhone abhängig.
Ausblick
Ternus hat in seinen ersten Tagen als CEO Berichten zufolge dem Produktdesign und den Veröffentlichungen Priorität eingeräumt. Er möchte die Organisation schlanker aufstellen und mehr Produkte in kürzerer Folge auf den Markt bringen. Berichten zufolge plant Ternus, Produkte über das gesamte Jahr verteilt vorzustellen, anstatt nur bei speziellen Events. Wie schnell neue Produkte skalieren und von Konsumenten angenommen werden, dürfte die entscheidende Frage für die künftige Kursentwicklung sein.
Die ersten konkreten Hinweise auf den Erfolg des neuen faltbaren iPhone Duo werden erwartet, wenn Apple die Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegt. Apple kann den Cashflow aus dem iPhone-Geschäft nutzen, um die Produktentwicklung zu finanzieren – angesichts der Unternehmensgröße müssen neue Produkte jedoch schnell skalieren, um einen spürbaren Einfluss auf den Gesamtumsatz zu haben.
Kurz erklärt
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Eine Kennzahl, die den Aktienkurs eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Gewinn je Aktie setzt und zur Bewertung herangezogen wird.
- Services-Segment: Der Unternehmensbereich, der digitale Dienstleistungen wie App-Verkäufe, Abonnements und Zahlungsdienste bündelt und in der Regel höhere Margen erzielt als Hardware.
- Skalierung: Die Fähigkeit eines Produkts oder Geschäftsmodells, bei steigender Nachfrage überproportional zu wachsen, ohne dass die Kosten im gleichen Maß steigen.
