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Karibik-Kreuzfahrten unter Druck: Aktien der Großen Drei leiden

Überkapazitäten in der Karibik drücken die Preise – und die Aktien von Royal Caribbean, Carnival und Norwegian auf Jahrestief.

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Karibik-Kreuzfahrten unter Druck: Aktien der Großen Drei leiden

Die Karibik ist das beliebteste Kreuzfahrtziel der Welt – und genau das wird den großen Reedereien derzeit zum Verhängnis. Ein massives Überangebot an Kreuzfahrtschiffen in der Region hat eine Runde von Preissenkungen ausgelöst, die besonders in der wichtigen Hochsaison Januar und Februar spürbar ist. Die Folge: Die Aktien der „Großen Drei" – Royal Caribbean, Carnival und Norwegian Cruise Line – steuern auf ihr schwächstes Jahr seit der Pandemie zu.

Karibische Inseln ziehen etwa zwei Fünftel aller weltweiten Kreuzfahrtpassagiere an. Die Region ist damit das Herzstück der gesamten Branche. Dass ausgerechnet hier die Preise unter Druck geraten, trifft die Reedereien an einem besonders empfindlichen Punkt.

Kapazität wächst so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr

Der Hauptgrund für die Misere ist ein deutlicher Kapazitätsanstieg. Norwegian hat seine Kapazitäten in der Karibik um massive 40 Prozent aufgestockt. Hinzu kommt, dass Konkurrenten Schiffe in die Region verlegt haben, die ursprünglich für den Nahen Osten vorgesehen waren. Insgesamt wird die Kapazität in der Karibik in diesem Jahr laut Schätzungen der Analysten von Goldman Sachs um 12 Prozent steigen – so stark wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

Die Nachfrage hält mit diesem Wachstum schlicht nicht Schritt. Wie bei Hotels führen die hohen Fixkosten von Kreuzfahrtschiffen dazu, dass die Betreiber bei sinkender Auslastung schnell in die Verlustzone geraten. Norwegian hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr bereits um mehr als ein Drittel gesenkt. Bei Carnival wird erwartet, dass die Ergebnisse in etwa stabil bleiben – ein schwacher Trost angesichts der Erwartungen.

Carnival-Chef Joshua Weinstein räumte offen ein, dass eine gleichbleibende Kapazität in der Region „mein Leben einfacher machen würde". Erschwerend kommt hinzu, dass die Betreiber zuletzt auch an Land hohe Investitionen getätigt haben: Carnival hat 600 Millionen US-Dollar in die Entwicklung eines privaten Resorts auf Grand Bahama gesteckt, während Norwegian im vergangenen Monat einen Wasserpark auf seiner eigenen Privatinsel eröffnete. Diese Investitionen erhöhen den Druck, die Schiffe möglichst gut auszulasten.

Kein Neuland: Überkapazitäten hat die Branche schon überstanden

Erfahrene Kreuzfahrt-Investoren kennen solche Phasen. Ein vergleichbarer Kapazitätsanstieg in der Karibik im Jahr 2014 setzte die Preise ein ganzes Jahr lang unter Druck – bevor sie sich Ende 2015 wieder erholten. Die aktuelle Situation ist also kein Einzelfall, sondern ein zyklisches Muster in einer kapitalintensiven Branche.

Ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Freizeitunternehmen: Reedereien können ihre Schiffe flexibel umpositionieren. Carnival etwa zeigt sich derzeit begeistert von Europa, wo eine Reihe sommerlicher Hitzewellen neues Interesse an Nordmeer-Reisen geweckt hat. Diese Flexibilität macht Kreuzfahrtgesellschaften weniger anfällig als viele andere Akteure im Freizeitsektor.

Langfristige Wachstumstrends bleiben intakt

Trotz der kurzfristigen Turbulenzen profitiert die Branche von starken strukturellen Rückenwind. Etwa ein Drittel der rund 40 Millionen Passagiere, die in diesem Jahr weltweit in See stechen, sind laut UBS Neulinge. Studien zeigen zudem eine hohe Wiederkehrquote unter Kreuzfahrtgästen. Besonders attraktiv: Rückkehrer geben laut Royal-Caribbean-Chef Jason Liberty tendenziell etwa ein Viertel mehr aus als Erstfahrer.

Die starke Nachfrage nach Karibikurlauben war der Motor für die beeindruckende Erholung der Branche nach der Pandemie. Kurzfristig belasten Überkapazitäten und Preisdruck die Aktien und Gewinne. Mittel- bis langfristig sprechen die wachsende Passagierzahl und die hohe Kundentreue jedoch weiterhin für den Sektor – sofern die Reedereien ihre Kapazitäten besser auf die Nachfrage abstimmen.

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