Apollo, Blackstone und KKR kämpfen um Shell-Anteil an LNG Canada
Die drei größten Vermögensverwalter der Welt bieten um Shells 40-Prozent-Beteiligung am pazifischen Flüssiggas-Exportprojekt.

Apollo Global Management, Blackstone und KKR sind die verbliebenen Bieter im Auktionsverfahren um eine bedeutende Beteiligung am Projekt LNG Canada. Dies berichteten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Energiekonzern Shell hält derzeit 40 Prozent an dem Projekt und führt den Verkaufsprozess an.
Der Transaktionswert wird laut den Insidern deutlich über 10 Milliarden US-Dollar liegen – und könnte nach Einschätzung einiger Quellen sogar bis zu 15 Milliarden US-Dollar erreichen. Alle Personen, die mit Reuters sprachen, baten um Anonymität, da das Bieterverfahren vertraulich ist. Apollo, Blackstone, KKR und Shell lehnten jeweils eine offizielle Stellungnahme ab.
Strategischer Schritt für Shell
Der Verkauf kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Shell gab zeitgleich ein Geschäft im Wert von 16,4 Milliarden US-Dollar zum Kauf des kanadischen Erdgasproduzenten ARC Resources bekannt. Der Verkauf der LNG-Canada-Beteiligung soll Shell ermöglichen, vor einer möglichen Erweiterung der Anlage neues Kapital zu gewinnen.
Shell-CEO Wael Sawan äußerte sich diese Woche und erklärte, der Konzern sei mit seinem 40-Prozent-Anteil an LNG Canada „sehr zufrieden". Gleichzeitig betonte er, das Unternehmen sei bestrebt, Barmittel aus renditeschwächeren Geschäftsbereichen zu generieren, in denen Shell „nicht der natürliche Eigentümer" sei. Shell plant, die Beteiligung an der ersten und zweiten Phase des Projekts an einen einzigen Bieter zu verkaufen, anstatt die beiden Teile aufzuteilen.
LNG Canada nahm die Produktion im Juni auf und ist die erste große Anlage für verflüssigtes Erdgas in Nordamerika mit direktem Zugang zum Pazifik. Dies ermöglicht den direkten Versand an Abnehmer in Asien – dem weltweit größten Markt für den tiefgekühlten Brennstoff. Neben Shell sind auch die japanische Mitsubishi Corp, die malaysische Petronas sowie MidOcean – ein Joint Venture der Investmentgesellschaft EIG und Saudi Aramco – an dem Projekt beteiligt.
Versicherungskapital als Finanzierungshebel
Alle drei Bieter nutzen Kapital aus ihrem jeweiligen Versicherungsgeschäft, um ihre Gebote zu stärken. Apollo setzt dabei auf seine Tochter Athene, Blackstone auf Blackstone Credit & Insurance und KKR auf Global Atlantic. Vermögensverwalter haben in den letzten Jahren verstärkt Versicherungsbestände als kostengünstige Finanzierungsquelle für strategische Investitionen genutzt.
Infrastrukturanlagen wie LNG Canada eignen sich besonders gut für solche Investitionen, da sie als risikoarm und langfristig gelten. Blackstone nutzte beispielsweise im vergangenen Jahr seine Versicherungseinheit, um ein Joint Venture mit EQT zu unterstützen, das Beteiligungen an wichtigen US-Pipeline-Anlagen hält. Diese Strategie hat sich in der Branche als bewährtes Modell etabliert.
Die Attraktivität von LNG Canada für potenzielle Käufer ist zuletzt weiter gestiegen. Nordamerikanische Energiewerte profitierten davon, Öl und Gas ungehindert transportieren zu können, während die Energieversorgung im Nahen Osten aufgrund des Krieges zwischen den USA und dem Iran gedrosselt wurde. Dies verleiht dem Projekt zusätzliche strategische Bedeutung auf dem globalen Energiemarkt.
Letztlich könnte jedes der drei Unternehmen – Apollo, Blackstone oder KKR – den Zuschlag erhalten. Shell behält sich jedoch auch die Option vor, einen Teil oder die gesamte Beteiligung zu behalten, wie die Insider betonten.
