Anthropic-IPO beantragt: Welche KI-Aktien vom Börsengang profitieren
Der Claude-Entwickler reicht S-1-Antrag ein und offenbart 1.300 Prozent Umsatzwachstum im ersten Halbjahr.

Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude, hat am Montag den lang erwarteten Börsengang (IPO) beantragt. Mit dem S-1-Antrag bei den US-Behörden erhalten Investoren erstmals einen detaillierten Einblick in die Finanzen des KI-Labors. Der Schritt markiert den Startschuss für eines der größten IPOs aller Zeiten.
Die Zahlen beeindrucken: Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 1.300 Prozent auf 16,3 Milliarden Dollar. Getrieben wird dieses Wachstum von der boomenden Nachfrage nach der Claude-Familie von KI-Produkten. Zugleich legt der Antrag aber auch massive Rechenkosten und tiefe Verluste offen.
Anthropic plant die Notierung an der Nasdaq unter dem Ticker „ANT". Nach Angaben aus dem Umfeld soll das Unternehmen während der Thanksgiving-Woche an die Börse gehen. Damit würde die Notierung vor der des Konkurrenten OpenAI erfolgen, dem Hersteller von ChatGPT. Dessen Gründer hatten sich vor fünf Jahren von Anthropic abgetrennt, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen.
Die Details
Der S-1-Antrag ist nicht nur für Anthropic selbst von Bedeutung, sondern auch für die Unternehmen, mit denen das KI-Labor Verträge abgeschlossen hat. Diese Firmen sind nicht einfach nur „KI-Aktien". Ein starker Börsenstart würde die Anteile an diesen Unternehmen aufwerten und die Argumentation für die mit den Deals verbundenen Ausgabenverpflichtungen stärken. Wichtig ist die Einordnung: Dies sind Szenarien, keine Prognosen.
Zu den zentralen Partnern zählen Amazon, Alphabet und Microsoft. Die drei Unternehmen sind allerdings zugleich Konkurrenten von Anthropic. Zusammen kanalisieren sie 48 Prozent des Umsatzes von Anthropic im ersten Halbjahr über ihre Marktplätze. Der Antrag räumt ein, dass sie ihre eigenen Modelle bevorzugen könnten – ein Risiko für die künftige Umsatzentwicklung.
Die gleiche Analyse weist auf Hersteller von HBM-Speicher hin, die der Antrag als Lieferanten nennt. Diese gelten als eine ruhigere Möglichkeit, am Ausbau der KI-Infrastruktur teilzuhaben. Auch Strom- und Kühlsysteme, Netzwerke sowie Optik werden als wahrscheinliche Nutznießer genannt. Diese Unternehmen werden jedoch nicht im Antrag genannt, sodass dieser Teil auf Schlussfolgerungen beruht.
Auf der anderen Seite könnte softwarebasierte Sitzplatzlizenzierung unter Druck geraten, da Anthropic in Anwendungen vorstößt. Alle genannten Preise entsprechen den Schlusskursen vom 26. Oktober 2026 und können während der Vorhandelssitzung am 27. Oktober veraltet sein.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic kurz vor einem Börsengang stehe. Damals hieß es, der IPO könnte bereits Anfang November abgeschlossen werden und eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar einbringen. Für Anleger ergäben sich dadurch interessante Perspektiven – insbesondere über zwei bekannte US-Tech-Aktien. Amazon und Alphabet halten Minderheitsbeteiligungen an Anthropic, die bei einem Börsengang erheblich an Wert gewinnen könnten. Der annualisierte Umsatz erreichte dem Bericht zufolge im Mai 47 Milliarden Dollar.
Am 29.09.2026 meldete aktien.news, dass Anthropic der Nachrichtenagentur Reuters im Vorfeld des Börsenstarts einige Schlüsselkennzahlen mitgeteilt habe. Demnach stieg der Umsatz von Anthropic im Jahr 2025 um mehr als 1.000 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Zugleich meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Von diesem Nettoverlust entfielen 34 Milliarden Dollar auf eine bilanzielle Belastung.
Schon am 02.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Anthropic offiziell die Weichen für einen Börsengang in den USA gestellt habe. Das Unternehmen teilte mit, die entsprechenden Unterlagen bei den US-Behörden eingereicht zu haben, um noch in diesem Jahr einen IPO durchzuführen. Preis und Anzahl der angebotenen Aktien seien „noch nicht festgelegt worden". Zum damaligen Zeitpunkt wurde Anthropic von privaten Investoren mit mehr als 965 Milliarden US-Dollar bewertet – und lag damit vor dem Rivalen OpenAI, der zuletzt mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet wurde.
Am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic nun davon ausgehe, seinen Börsengang im November 2026 zu starten. Zuvor waren die Pläne für einen Start im Oktober verschoben worden. Sollte die Bewertung tatsächlich bei den von einigen Investoren ins Spiel gebrachten zwei Billionen US-Dollar liegen, könnte dies einer der größten Börsengänge aller Zeiten werden.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Anthropic-IPO aus mehreren Gründen relevant. Direkt können sie an der Notierung erst nach dem Börsenstart teilnehmen. Interessanter sind jedoch die indirekten Wege: Über die Beteiligungen von Amazon und Alphabet erhalten Anleger bereits vor dem IPO eine gewisse Exposition zum KI-Labor. Diese Minderheitsbeteiligungen könnten bei einem erfolgreichen Börsengang an Wert gewinnen.
Ein zweiter Ansatzpunkt sind die Zulieferer. Der Antrag nennt HBM-Speicherhersteller als Lieferanten, während Strom- und Kühlsysteme, Netzwerke sowie Optik als wahrscheinliche Nutznießer gelten. Anleger sollten beachten, dass diese Unternehmen nicht namentlich im Antrag genannt werden – die Zuordnung beruht auf Schlussfolgerungen aus dem Dokument. Wer hier investiert, trägt ein höheres Unsicherheitsrisiko.
Ein Risiko besteht in der Abhängigkeit von den großen Marktplätzen. Amazon, Alphabet und Microsoft kanalisieren zusammen 48 Prozent des Anthropic-Umsatzes. Sollten diese Konzerne ihre eigenen KI-Modelle bevorzugen, könnte das die Umsatzbasis von Anthropic belasten. Umgekehrt könnte softwarebasierte Sitzplatzlizenzierung unter Druck geraten, wenn Anthropic mit eigenen Anwendungen in angestammte Märkte vordringt.
Diese Überlegungen sind Szenarien und keine Prognosen. Sie stellen ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Anleger sollten die offiziellen Unterlagen und die weitere Berichterstattung abwarten, bevor sie Entscheidungen treffen.
Ausblick
Der Zeitplan ist klar umrissen: Anthropic plant die Notierung an der Nasdaq unter dem Ticker „ANT" während der Thanksgiving-Woche. Damit würde das Unternehmen vor dem Konkurrenten OpenAI an die Börse gehen. Die Bewertung könnte nach Einschätzung einiger Investoren bei rund zwei Billionen US-Dollar liegen, womit es einer der größten Börsengänge aller Zeiten wäre. Preis und Anzahl der angebotenen Aktien waren zuletzt noch nicht festgelegt. Anleger sollten die Preisentwicklung im Blick behalten, da die genannten Kurse den Schlusskursen vom 26. Oktober 2026 entsprechen und bereits am 27. Oktober veraltet sein können.
Kurz erklärt
- IPO: Der erstmalige Börsengang eines Unternehmens, bei dem Aktien erstmals öffentlich zum Kauf angeboten werden.
- S-1-Antrag: Das Registrierungsdokument, das ein Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht für einen Börsengang einreicht.
- HBM-Speicher: Eine spezielle Art von Hochgeschwindigkeitsspeicher, der in KI-Rechenzentren zum Einsatz kommt.
- Sitzplatzlizenzierung: Ein Abrechnungsmodell, bei dem Software pro Nutzer oder Arbeitsplatz statt pauschal berechnet wird.
