Anthropic bereitet historischen Börsengang vor: Details zu Strategie und Aktienklassen
Das KI-Unternehmen hinter Claude hat am 26. Oktober die IPO-Unterlagen bei der SEC eingereicht – die Nasdaq-Notierung wird für November erwartet.

Das KI-Unternehmen Anthropic steht kurz vor einem der bedeutendsten Börsengänge der Geschichte. Wie Bloomberg berichtet, hat das Unternehmen, das hinter dem Chatbot „Claude" steht, am 26. Oktober die offiziellen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Die Notierung an der Nasdaq wird für November erwartet.
Anthropic wurde Ende 2020 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet – aus Differenzen hinsichtlich Ethik- und Sicherheitsstandards. Mit der Einreichung der Unterlagen gewährt das Unternehmen erstmals tiefe Einblicke in seine Finanzkennzahlen und strategischen Pläne. Die Branche blickt gespannt auf den Handelsstart im kommenden Monat.
Im Zuge der Vorbereitungen hat Anthropic zudem die Struktur seiner Aktienklassen offengelegt. Laut Informationen des Wall Street Journal unterscheidet das Unternehmen zwischen zwei Hauptkategorien: Class-A-Aktien und Class-N-Aktien. Diese Unterscheidung ist für Anleger zentral, weil sie bestimmt, wer bei Anthropic das Sagen hat – und wer lediglich wirtschaftlich beteiligt ist.
Die Details
Die Class-A-Aktien sind stimmberechtigte Anteile. Sie werden von frühen Investoren und Mitarbeitern gehalten und bilden die Basis für den Börsengang. Bemerkenswert ist, dass Anthropic von der üblichen 180-tägigen Sperrfrist abweicht und einigen frühen Anteilseignern einen früheren Verkauf ermöglicht. Diese Aktien berechtigen zudem zu Dividenden und einem Anspruch auf das Restvermögen bei einer möglichen Liquidation.
Die Class-N-Aktien sind dagegen stimmrechtslose Anteile. Sie werden primär von strategischen Partnern gehalten und wandeln sich bei einem Verkauf oder einer Übertragung in der Regel in Class-A-Aktien um. Anthropic plant, diese Klasse gezielt einzusetzen, um seine Mission als „Public Benefit Corporation" – also als gemeinwohlorientiertes Unternehmen – weiter zu verfolgen. Auch diese Anteilseigner haben Anspruch auf Dividenden und wirtschaftliche Teilhabe.
Mit der Einreichung der Unterlagen gewährt Anthropic erstmals tiefe Einblicke in seine Finanzkennzahlen und strategischen Pläne. Der Börsengang an der Nasdaq wird für November erwartet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Vorbereitungen auf den Börsengang ziehen sich über Monate. Bereits am 27.03.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic einen Börsengang schon im vierten Quartal 2026 erwägt. Das US-Technologiemagazin The Information berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Führungskräfte des Startups entsprechende Pläne bereits intern diskutiert hätten. Banker, die um das Mandat für den IPO konkurrieren, rechneten damit, dass Anthropic bei seinem Börsengang mehr als 60 Milliarden Dollar einsammeln würde. Die endgültige Bewertung sollte allerdings erst kurz vor der Emission festgelegt werden.
Am 02.06.2026 folgte der nächste Schritt: Anthropic gab bekannt, vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang bei der SEC eingereicht zu haben. Damit kam das KI-Labor seinem direkten Konkurrenten OpenAI zuvor, von dem ebenfalls erwartet wurde, in Kürze entsprechende Unterlagen einzureichen. In einer offiziellen Mitteilung erklärte Anthropic, die vertrauliche Einreichung „gibt uns die Option, an die Börse zu gehen, nachdem die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat." Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass der genaue Zeitpunkt des Börsengangs von den Marktbedingungen abhänge.
Ebenfalls am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Bewertung von Anthropic der Marke von einer Billion Dollar nähert. Das Unternehmen wurde zuletzt von privaten Investoren mit mehr als 965 Milliarden US-Dollar bewertet – und lag damit sogar vor dem Rivalen OpenAI, der zuletzt mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Preis und Anzahl der angebotenen Aktien seien zum damaligen Zeitpunkt „noch nicht festgelegt worden".
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass ein Angebot bis November erwartet wird. Anthropic hatte der Nachrichtenagentur Reuters im Vorfeld des Börsenstarts einige Schlüsselkennzahlen mitgeteilt. Der Umsatz von Anthropic stieg im Jahr 2025 um mehr als 1.000 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Zugleich meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Von diesem Nettoverlust entfielen 34 Milliarden Dollar auf eine bilanzielle Belastung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Anthropic-Börsengang ein Ereignis von besonderer Bedeutung. Der IPO gilt als einer der größten in der Geschichte der US-Kapitalmärkte und dürfte die gesamte KI-Branche in den Fokus rücken. Die zweigeteilte Aktienstruktur hat dabei direkte Folgen für die Einflussmöglichkeiten: Wer Class-N-Aktien hält, ist wirtschaftlich beteiligt, hat aber kein Stimmrecht. Der Einfluss auf die Unternehmensführung bleibt damit bei den Inhabern der Class-A-Aktien.
Bemerkenswert ist die Abweichung von der üblichen 180-tägigen Sperrfrist. Normalerweise können frühe Investoren und Mitarbeiter ihre Anteile erst sechs Monate nach dem Börsengang verkaufen. Dass Anthropic einigen frühen Anteilseignern einen früheren Verkauf ermöglicht, könnte schon kurz nach dem Handelsstart für zusätzliches Angebot an der Aktie sorgen.
Anleger sollten zudem die Kennzahlen im Blick behalten, die Anthropic im Vorfeld mitgeteilt hat. Dem starken Umsatzwachstum steht ein erheblicher Nettoverlust gegenüber. Die Bewertung des Unternehmens näherte sich zuletzt der Marke von einer Billion US-Dollar. Diese Angaben stammen aus den früheren Berichten von aktien.news und geben einen Anhaltspunkt für die Dimension des Börsengangs.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Der genaue Preis und die Anzahl der angebotenen Aktien werden erst kurz vor der Emission festgelegt.
Ausblick
Die Notierung an der Nasdaq wird für November erwartet. Der genaue Zeitpunkt des Börsengangs hängt nach Angaben von Anthropic von den Marktbedingungen ab. Die endgültige Bewertung soll erst kurz vor der Emission festgelegt werden. Mit der Einreichung der Unterlagen am 26. Oktober ist der formale Prozess bei der SEC nun angestoßen. Die Branche blickt gespannt auf den Handelsstart im kommenden Monat.
Kurz erklärt
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse, mit dem es Kapital von Investoren einsammelt.
- Stimmrechtslose Aktien: Anteile, die wirtschaftliche Teilhabe gewähren, ihren Inhabern aber kein Stimmrecht in der Hauptversammlung geben.
- Sperrfrist (Lock-up): Eine vertraglich vereinbarte Frist, während der frühe Anteilseigner ihre Aktien nach dem Börsengang nicht verkaufen dürfen.
- Public Benefit Corporation: Eine US-Rechtsform für Unternehmen, die neben Gewinn auch ein gemeinwohlorientiertes Ziel verfolgen.
