Anleihen-Blues bedroht Big Tech bei steigenden KI-Investitionen
Steigende Anleiherenditen und explodierende KI-Ausgaben setzen die Technologiegiganten unter massiven Druck.

Die fünf größten Hyperscaler – darunter Apple und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft – planen in diesem Jahr KI-Investitionen von rund 630 Milliarden US-Dollar. Das entspricht mehr als 2 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Für das kommende Jahr werden bereits über 800 Milliarden Dollar erwartet, was nahezu 3 Prozent des BIP ausmacht.
Historisch finanzierten die Technologieriesen ihre Expansion aus eigenen Barmitteln. Ihre kombinierten Cash-Bestände belaufen sich noch immer auf über 350 Milliarden Dollar – ein Grund, warum Apple und Microsoft höhere Kreditratings als die US-Regierung genießen. Doch diese Reserven schmelzen rapide ab.
Laut Apollo Global Management flossen Ende vergangenen Jahres bereits rund 60 Prozent des operativen Cashflows der Hyperscaler in Investitionsausgaben. Dieser Anteil ist inzwischen auf fast 70 Prozent gestiegen. Analysten von Morgan Stanley rechnen damit, dass die kumulierten Capex-Ausgaben in diesem und im nächsten Jahr etwa 1,4 Billionen Dollar betragen – und damit fast 90 Prozent des erwarteten operativen Cashflows von 1,6 Billionen Dollar verschlingen werden.
Schuldenemissionen auf Rekordniveau
Da die eigenen Mittel nicht mehr ausreichen, wenden sich die Tech-Konzerne verstärkt den Kreditmärkten zu. Die Bank of America schätzt, dass die Schuldenemissionen der Hyperscaler 2025 insgesamt 175 Milliarden Dollar erreichen werden – gegenüber 121 Milliarden im Vorjahr und mehr als dem Sechsfachen des Jahresdurchschnitts von 28 Milliarden Dollar aus den fünf vorangegangenen Jahren.
Noch größer ist das Bild, wenn man den gesamten Tech-Sektor betrachtet. Analysten der japanischen Bank MUFG beziffern die Investment-Grade-Anleiheemissionen von Tech- und KI-Unternehmen im vergangenen Jahr auf 245 Milliarden Dollar – nicht weit entfernt von den kumulierten 298 Milliarden Dollar des gesamten vorangegangenen Jahrzehnts.
Gleichzeitig steigen die Zinsen wieder spürbar. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist im laufenden Monat um 45 Basispunkte geklettert – der stärkste Anstieg seit Oktober 2024. Am Markt für Investment-Grade-Unternehmensanleihen blieb die Spread-Ausweitung mit rund 15 Basispunkten bislang moderat, doch Analysten warnen vor einer Verschärfung.
Doppelter Gegenwind für den Sektor
Die Kombination aus höheren Zinsen und wachsenden Schulden auf der einen sowie der Aussicht auf sinkende Gewinne und fallende Aktienkurse auf der anderen Seite beschreibt Reuters-Kolumnist Jamie McGeever als potenziellen "Doppelschlag" für Big Tech. Der Roundhill Magnificent Seven ETF verlor zuletzt in einem Monat rund 10 Prozent und liegt fast 20 Prozent unter seinem Oktober-Hoch.
Die Folgen für die Gesamtwirtschaft könnten erheblich sein. Sollten die massiven KI-Investitionen Früchte tragen, wäre eine US-Rezession kaum vorstellbar. Scheitern die Pläne jedoch an steigenden Renditen und fallenden Kursen, droht laut McGeever ein "perfekter Sturm" aus Inflation, höheren Kreditkosten und einem bereits schwachen Arbeitsmarkt – mit weitreichenden Folgen für die gesamte US-Wirtschaft.
