Anglo American verkauft Stahlkohle-Sparte für 3,875 Milliarden Dollar
Der Bergbaukonzern Anglo American veräußert seine Kokskohle-Vermögenswerte an den britischen Käufer Dhilmar und schließt damit eine schwierige Portfoliobereinigung ab.

Anglo American hat den Verkauf seiner verbleibenden Kokskohle-Vermögenswerte an das private, im Vereinigten Königreich registrierte Bergbauunternehmen Dhilmar vereinbart. Der Gesamterlös beläuft sich auf bis zu 3,875 Milliarden US-Dollar in bar. Damit gelingt dem an der Londoner Börse notierten Konzern der lang angestrebte Ausstieg aus dem Kokskohle-Geschäft.
Die Transaktion setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einer sofortigen Barzahlung von 2,3 Milliarden US-Dollar sowie erfolgsabhängigen Zusatzzahlungen von bis zu 1,575 Milliarden US-Dollar. Anglo American gab an, den Erlös zur Tilgung der Nettoverschuldung zu verwenden. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2027 erwartet.
Schwieriger Verkaufsprozess nach Minenunfall
Der Weg zu diesem Deal war alles andere als geradlinig. Im August des Vorjahres war ein ähnliches Geschäft mit dem in St. Louis ansässigen Kohleproduzenten Peabody Energy geplatzt. Peabody hatte sich von einer Vereinbarung über 3,78 Milliarden US-Dollar zurückgezogen, nachdem es in einer der für das Geschäft zentralen Minen zu einem Brand und einer anschließenden Stilllegung gekommen war.
Anglo American hat daraufhin ein Schiedsverfahren gegen Peabody eingeleitet und erklärte, dass diese rechtlichen Bemühungen auch nach dem neuen Deal mit Dhilmar fortgesetzt werden. Der Konzern verfolgt damit parallel zur neuen Transaktion weiterhin mögliche Ansprüche aus dem geplatzten Peabody-Geschäft.
Strategische Neuausrichtung nach abgewehrter BHP-Übernahme
Der Verkauf der Kokskohle-Sparte ist Teil einer umfassenden Umstrukturierung, die Anglo American im Jahr 2024 einleitete. Auslöser war ein Übernahmeangebot des Konkurrenten BHP Group, das der Konzern erfolgreich abwehrte. In der Folge begann Anglo American, sein Portfolio gezielt zu verschlanken und sich auf strategische Kernbereiche zu konzentrieren.
Ein zentrales Ziel dieser Neuausrichtung ist eine geplante Fusion mit Teck Resources. Durch diesen Zusammenschluss soll einer der weltweit größten Kupferproduzenten entstehen – ein Metall, das angesichts der globalen Energiewende und des wachsenden Bedarfs an Elektromobilität und erneuerbaren Energien als strategisch besonders wertvoll gilt.
Die Kokskohle-Vermögenswerte, auch als Metallurgische Kohle oder Stahlkohle bekannt, werden vor allem zur Stahlproduktion eingesetzt und unterscheiden sich von der Kraftwerkskohle. Trotz des globalen Trends weg von fossilen Brennstoffen bleibt Kokskohle für die Stahlindustrie vorerst unverzichtbar. Mit dem Verkauf an Dhilmar trennt sich Anglo American von einem Geschäftsbereich, der nicht mehr zur künftigen strategischen Ausrichtung des Konzerns passt.
Der neue Käufer Dhilmar ist ein privates Bergbauunternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich. Über die genaue Herkunft oder weitere Details zu Dhilmar machte Anglo American keine näheren Angaben. Für Anglo American bedeutet der Deal den endgültigen Rückzug aus der Kokskohle – sofern die Transaktion wie geplant im ersten Quartal 2027 abgeschlossen wird.
