Amazon und OpenAI vor Milliardenpartnerschaft
Gespräche über Investment, Chips und Cloud-Kapazitäten verändern Kräfteverhältnisse im KI-Markt

Amazon und OpenAI verhandeln über eine deutlich engere Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Im Zentrum der Gespräche steht eine mögliche Investition von mehr als zehn Milliarden US-Dollar des US-Konzerns in das KI-Unternehmen. Im Gegenzug könnte OpenAI künftig verstärkt auf Chips und Rechenleistung von Amazon zurückgreifen. Die Verhandlungen laufen seit Oktober und befinden sich noch in einem frühen Stadium. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend über die Gespräche.
Für Amazon hätte ein solcher Deal erhebliche strategische Bedeutung. Zwar ist der Konzern mit Amazon Web Services der weltweit größte Anbieter von Cloud-Diensten, im Bereich der KI-Halbleiter ist Amazon jedoch erst seit wenigen Jahren aktiv. Der Markt für spezialisierte KI-Chips wird bislang klar von Nvidia dominiert, das einen Marktanteil von bis zu 90 Prozent hält. Amazon versucht mit der Entwicklung eigener Prozessoren, insbesondere der Trainium-Chips, diese Abhängigkeit zu reduzieren.
Die Trainium-Chips werden bisher vor allem in Amazons eigenen Rechenzentren sowie beim KI-Unternehmen Anthropic eingesetzt. Ziel ist es, AWS für KI-Firmen attraktiver zu machen, die dort ihre Modelle trainieren und betreiben wollen. Der Wettbewerbsdruck ist dabei hoch, da <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft Azure und Google Cloud zuletzt Marktanteile hinzugewinnen konnten. Microsoft ist zudem mit 27 Prozent an OpenAI beteiligt, während Google eigene KI-Modelle und eigene Chips entwickelt.
Für OpenAI würden die Gespräche in eine Phase fallen, in der das Unternehmen seine Abhängigkeit von Microsoft verringern will. Der Softwarekonzern bleibt jedoch weiterhin im Besitz exklusiver Rechte an den fortschrittlichsten Modellen. Eine mögliche Vereinbarung mit Amazon würde daran nichts ändern. Dennoch könnte OpenAI durch die Nutzung von Amazon-Chips seine technologische Basis breiter aufstellen.
Ein Investment von Amazon könnte die Bewertung von OpenAI auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar steigen lassen. Bereits zuvor hatten beide Unternehmen eine Vereinbarung geschlossen, in deren Rahmen OpenAI Serverkapazitäten von Amazon anmietet, die bislang allerdings mit Nvidia-Chips betrieben werden. Parallel dazu hat OpenAI langfristige Lieferverträge mit mehreren Chip- und Infrastruktur-Anbietern abgeschlossen.
Die zunehmende Verflechtung großer Technologiekonzerne stößt bei einigen Investoren auf Skepsis. Angesichts milliardenschwerer Verpflichtungen für Rechenzentren, Chips und Cloud-Leistungen wächst die Sorge vor einer möglichen Überhitzung des KI-Marktes. Zusätzlich sprechen Amazon und OpenAI über eine kommerzielle Zusammenarbeit im Bereich des Onlinehandels, um neue Erlösquellen zu erschließen.
