Alaska Air streicht rund 200 Stellen wegen explodierender Treibstoffkosten
Der CEO warnt vor einem Jahresverlust von bis zu 700 Millionen Dollar und kündigt Einsparungen an.

Die Alaska Air Group streicht rund 200 nicht tarifgebundene Stellen. Mit dem Schritt reagiert die in Seattle ansässige Fluggesellschaft auf steigende Kraftstoffpreise und geopolitische Herausforderungen, die ihre Finanzen unter Druck setzen. Chief Executive Ben Minicucci warnte die Belegschaft zugleich vor einem möglichen Jahresverlust von bis zu 700 Millionen Dollar. Die Nachricht erreichte die Öffentlichkeit am Freitag, dem 30. Oktober.
Der Abbau betrifft weniger als 1 Prozent der rund 32.500 Mitarbeiter von Alaska, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Konkret entfallen 125 Stellen auf den Bundesstaat Washington und 48 auf Hawaii. Keine operativen Frontline-Jobs ohne Managementverantwortung werden gestrichen, betonte das Unternehmen.
Die betroffenen Beschäftigten haben ihren letzten Arbeitstag am 13. November. Ihr Gehalt wird bis zum 31. Dezember weitergezahlt; darüber hinaus erhalten sie Abfindungen und weitere Unterstützungsleistungen. Das geht aus der Mitteilung des Unternehmens hervor. Der Schritt markiert eine Zäsur: Droht der Verlust tatsächlich in dieser Höhe, wäre es der erste bereinigte Verlust vor Steuern außerhalb der Pandemie seit 2003.
Der Treibstoffpreisschock erreicht jetzt die Arbeitsplätze der Branche
Minicucci erklärte den Mitarbeitern in einer Reuters vorliegenden Memo, das Unternehmen könne in diesem Jahr Verluste von bis zu 700 Millionen Dollar verzeichnen, falls sich die aktuellen Bedingungen fortsetzen. „Wir müssen zur finanziellen Disziplin zurückkehren, die schon lange einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt“, schrieb der CEO. Die Gemeinkosten seien in den vergangenen Jahren „überproportional zum Umsatz gewachsen“.
Der Personalabbau zeigt, dass der durch den Iran-Krieg ausgelöste Schock bei den Kraftstoffpreisen nun auch Arbeitsplätze in der Luftfahrtbranche erreicht. Zuvor hatten US-Fluggesellschaften bereits damit begonnen, Preise anzuheben und das Wachstum ihrer Flugverbindungen zu drosseln. Der Schritt verdeutlicht zudem den wachsenden finanziellen Druck auf Alaska Air, während das Unternehmen eine ambitionierte Expansion in den Bereichen Premium- und Internationalreisen verfolgt. Das starke Umsatzwachstum kann mit den steigenden Kraftstoffkosten kaum Schritt halten.
Im dritten Quartal wuchs der Umsatz, die Marge brach ein
Die operative Entwicklung macht die Zwickmühle sichtbar. Im dritten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 14 Prozent. Die bereinigte Marge vor Steuern sank jedoch auf 1,1 Prozent, nach 4,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wächst also, die Profitabilität schrumpft.
Für das Gesamtjahr hat Alaska Air eine bereinigte Verlustprognose je Aktie von 5 bis 5,50 Dollar ausgegeben. Darin berücksichtigt das Unternehmen 1,8 Milliarden Dollar an zusätzlichen Kraftstoffkosten im Vergleich zum ursprünglichen Jahresplan. Für das vierte Quartal erwartet der Carrier Kraftstoffkosten von 4,65 bis 4,85 Dollar pro Gallone. Das ist nahezu doppelt so viel wie die 2,50 Dollar, die im ursprünglichen Plan für 2026 angenommen wurden.
Auch Delta, American und Southwest senken ihre Prognosen
Der Druck ist kein Einzelfall. Laut Daten des US-Arbeitsministeriums stiegen die Inlandsfluggastpreise in den Vereinigten Staaten in den sieben Monaten bis September durchschnittlich um fast 23 Prozent im Jahresvergleich. Trotz dieser höheren Ticketpreise haben Delta Air Lines, American Airlines und Southwest Airlines ihre Gewinnprognosen für 2026 nach unten korrigiert. Höhere Gebühren können die gestiegenen Kraftstoffausgaben offenbar nicht vollständig ausgleichen.
Bereits am 05.10.2026 berichtete aktien.news über steigende Flugpreise bei sinkenden Gewinnen
Die aktuelle Entwicklung fügt sich in ein Muster, das aktien.news in den vergangenen Wochen mehrfach beschrieben hat. Am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Flugpreise im August um 23,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen waren und auch die Tarife für Thanksgiving und Weihnachten deutlich angezogen hatten. Hohe und volatile Kerosinkosten sowie eine eingeschränkte Kapazität lieferten den Fluggesellschaften Argumente für höhere Ticketpreise. Für die Airlines fiel die Bilanz dennoch zwiespältig aus, weil steigende Kraftstoffausgaben die Umsatzzuwächse ausglichen. Der Iran-Krieg, der Ende Februar begann, trieb die Treibstoffpreise – einschließlich Diesel, Benzin und Kerosin – nach oben.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass Delta Air Lines seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um fast ein Viertel senkte. Auslöser waren die rasant gestiegenen Treibstoffkosten, die die Gesamtrechnung im Jahr 2026 voraussichtlich um 6 Milliarden US-Dollar erhöhen sollten. Die robuste Reisenachfrage und höhere Ticketpreise wurden dadurch vollständig zunichtegemacht. Die Aktien der Fluggesellschaft fielen im frühen Handel um 2,5 Prozent. Es war die erste Senkung der Jahresprognose in diesem Jahr; zugleich hob Delta den prognostizierten Anstieg der Treibstoffkosten um weitere 2 Milliarden Dollar an. Als Hauptursache galt der Iran-Krieg.
Am 22.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Aktien der US-Fluggesellschaften nur moderat erholten. Die frisch vorgelegten Quartalszahlen belegten eine starke Nachfrage, machten zugleich aber die Belastung durch deutlich gestiegene Kraftstoffkosten sichtbar. Höhere Gebühren kompensierten einen erheblichen Teil dieser Kostensteigerung, konnten sie aber nicht vollständig ausgleichen. United Airlines verfehlte die Analystenschätzungen und senkte seine Prognose; auch Alaska Air blieb hinter den Erwartungen zurück.
Für deutsche Privatanleger bleibt die Marge der kritische Punkt
Die Kombination aus robuster Nachfrage, höheren Ticketpreisen und explodierenden Kerosinkosten ist für Anleger schwer zu greifen. Umsatzrekorde täuschen: Entscheidend ist, wie viel davon nach den Treibstoffausgaben übrig bleibt. Bei Alaska Air zeigt sich das besonders deutlich – 14 Prozent mehr Umsatz trafen auf eine bereinigte Marge vor Steuern von nur 1,1 Prozent. Wer in Airline-Aktien investiert ist, sollte deshalb weniger auf die Passagierzahlen als auf die Kostenstruktur und die Fähigkeit zur Weitergabe von Preissteigerungen achten. Die Prognoseunsicherheit bleibt hoch: Alaska Air selbst rechnet mit einem bereinigten Verlust je Aktie zwischen 5 und 5,50 Dollar, Delta, American und Southwest haben ihre Erwartungen für 2026 gesenkt.
Alaska Air will trotz Sparprogramm in Flotte und Streckennetz investieren
Der Konzern hält an seinen langfristigen Plänen fest. Nach der Übernahme von Hawaiian Airlines investiert Alaska Air in Premium-Kabinen, Treueprogramme und internationale Routen und will sein Langstreckennetz von Seattle aus ausbauen. Minicucci sagte, Alaska werde trotz restriktiverer Ausgabenpolitik weiterhin in die Flotte, das Kundenerlebnis und das Streckennetz investieren. Die Kürzungen betreffen damit die Verwaltung, nicht das Wachstumsprogramm.
Für die kommenden Wochen sind die nächsten Schritte bereits terminiert: Der letzte Arbeitstag der betroffenen Mitarbeiter ist der 13. November, die Gehaltszahlungen laufen bis zum 31. Dezember. Wie sich die Kraftstoffkosten im vierten Quartal entwickeln, bleibt der entscheidende Faktor für die Frage, ob es bei dem drohenden Jahresverlust von bis zu 700 Millionen Dollar bleibt.
Drei Fachbegriffe aus diesem Artikel kurz erklärt
- Nicht tarifgebundene Stellen: Beschäftigte, die nicht unter einen Tarifvertrag fallen und deren Arbeitsverhältnis daher leichter angepasst werden kann.
- Bereinigte Marge vor Steuern: Gewinnmarge vor Steuern, bei der Sondereffekte herausgerechnet werden, um die operative Ertragskraft zu zeigen.
- Frontline-Jobs: Tätigkeiten in der unmittelbaren Betriebsabwicklung, die direkt am Flugbetrieb beteiligt sind.
