Airbus-Gewinn sinkt im dritten Quartal wegen langsamer Flugzeuglieferungen
Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern fällt um neun Prozent auf 1,77 Milliarden Euro, das Jahresziel bleibt.

Airbus hat im dritten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern – die bevorzugte Kennzahl des Konzerns – fiel um neun Prozent auf 1,77 Milliarden Euro. Als Ursachen nannte der weltweit größte Flugzeugbauer das niedrigere Volumen der Flugzeugauslieferungen sowie Integrationskosten, die durch die Übernahme von Arbeiten des Zulieferers Spirit AeroSystems entstanden sind.
Auch beim Umsatz musste der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Federn lassen: Die Erlöse sanken im Berichtszeitraum um zwei Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Dennoch hielt das Unternehmen an seinen wichtigsten Finanzzielen für dieses Jahr fest. Airbus bekräftigte am Mittwoch seine Absicht, rund 870 Verkehrsflugzeuge auszuliefern – nur einen Tag, nachdem der Rivale Boeing sein Ziel für das Jahr gesenkt hatte.
Für die Aktionäre spiegelt sich die angespannte Lage im Kurs wider. Die Aktien des Unternehmens sind seit Jahresbeginn um mehr als fünf Prozent gefallen. Als Gründe dafür gelten Hürden in der Lieferkette und Qualitätsprobleme, die die Produktion ausgebremst haben.
Die Details
Bis Ende September hat Airbus 547 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert. Damit müssen in den drei letzten Monaten des Jahres noch mehr als 320 Maschinen an Fluggastkunden übergeben werden, um das Jahresziel zu erreichen. Im dritten Quartal allein gelangen 196 Auslieferungen.
Der Druck auf die Produktion ist hoch, denn die Nachfrage ist ungebrochen: Die meistverkaufte Familie der Schmalrumpfflugzeuge A320 ist für die nächsten acht Jahre ausverkauft. Dennoch wurde der Konzern in den vergangenen zwei Jahren von Produktionsmängeln und Engpässen in der Lieferkette geplagt.
Ein weiteres Problem betrifft die Breitrumpf-Jets vom Typ A330. Deren Auslieferung verlangsamte sich im Sommer, nachdem im Juni ein Qualitätsmangel bei einigen in Produktion befindlichen Flugzeugen festgestellt worden war. Als zwei der verbleibenden Hauptprobleme hob das Unternehmen zuletzt Verzögerungen beim US-Motorenhersteller Pratt & Whitney für seine A320-Jets sowie Qualitätsprobleme bei Kabinensitzen hervor.
Konzernchef Guillaume Faury sagte vor Reportern, die Motoren blieben der „engste Flaschenhals“ für die Produktion. Die Teams von Airbus seien „vollständig mobilisiert für eine Aufholjagd zum Jahresende“, um das Auslieferungsziel zu erreichen. In einer offiziellen Mitteilung ergänzte Faury: „Vor dem Hintergrund eines komplexen geopolitischen und operativen Umfelds konzentrieren wir uns auf die Auslieferung, während wir gleichzeitig unerschütterlich an unserer Qualität festhalten. Unser Plan ist klar, und unsere Teams sind mit an Bord, um unsere Ziele zu erreichen.“
Trotz der hohen Treibstoffpreise infolge des Krieges im Nahen Osten sieht Faury bei den Fluggastkunden bislang keine Zurückhaltung. Der CEO sagte, es gebe „keine Stornierungen und keine Anfragen zur Verschiebung“.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen reihen sich in eine längere Phase ein, in der Airbus mit Lieferkettenproblemen kämpft. Bereits am 19.02.2026 berichtete aktien.news, dass der Konzern für das Geschäftsjahr 2025 ein deutlich verbessertes operatives Ergebnis vorgelegt hatte: Das bereinigte EBIT kletterte um ein Drittel auf 7,1 Milliarden Euro, der Umsatz legte um sechs Prozent zu, und die Dividende sollte auf 3,20 Euro je Aktie steigen. Zugleich wurde das Produktionsziel von 820 ausgelieferten Flugzeugen im Jahr 2025 verfehlt.
Ebenfalls am 19.02.2026 meldete aktien.news, dass Airbus seine Produktionsziele für Schmalrumpfflugzeuge nach unten korrigierte und dafür öffentlich den US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney verantwortlich machte. Angestrebt wurde nun bis Ende 2026 eine monatliche Produktionsrate zwischen 70 und 75 Maschinen, die sich ab 2027 bei 75 Flugzeugen stabilisieren sollte. Ursprünglich war bereits für 2027 eine feste Rate von 75 Maschinen pro Monat geplant gewesen.
Ein weiterer Archivbericht vom 19.02.2026 beleuchtete die Quartalszahlen: Airbus erzielte im vierten Quartal 2024 einen Gewinn pro Aktie von 3,27 Euro, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, und übertraf damit die Analystenschätzungen von 2,34 Euro deutlich. Der Umsatz stieg in den drei Monaten bis zum 31. Dezember um fünf Prozent auf 25,98 Milliarden Euro, blieb aber unter den Erwartungen von 27,5 Milliarden Euro. Der konsolidierte Auftragseingang erhöhte sich bis Ende 2025 auf 123,3 Milliarden Euro, der Auftragsbestand lag bei 619 Milliarden Euro.
Am 13.03.2026 beschrieb aktien.news das paradoxe Problem des Konzerns: Die Nachfrage nach modernen, treibstoffsparenden Flugzeugen war angesichts hoher Ölpreise so groß wie selten zuvor, doch Airbus konnte sie wegen Lieferengpässen und Produktionsproblemen nicht bedienen. Der Bericht erinnerte daran, dass die Kapitalmarkttage des Konzerns lange als vorhersehbar galten, seit Guillaume Faury 2019 das Ruder von Tom Enders übernahm – bis im Februar dieses Jahres Überraschungen folgten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die zentrale Botschaft, dass Airbus operativ unter Druck steht, die langfristige Nachfrage aber intakt bleibt. Die A320-Familie ist für die nächsten acht Jahre ausverkauft, und der Konzern sieht trotz hoher Treibstoffpreise keine Stornierungen oder Verschiebungswünsche bei den Fluggastkunden. Das stützt die Auftragslage, entbindet das Unternehmen aber nicht von der Aufgabe, die Auslieferungen zu beschleunigen.
Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn mehr als fünf Prozent verloren. Die Diskrepanz zwischen vollen Auftragsbüchern und gebremster Produktion ist damit das bestimmende Thema. Anleger sollten die genannten Engpässe – Motoren von Pratt & Whitney, Kabinensitze, die Integration der Spirit-AeroSystems-Arbeiten – als die Faktoren beobachten, die über die Erreichung der Jahresziele entscheiden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Airbus hält an seinem Ziel fest, bis Ende 2026 etwa 870 Flugzeuge auszuliefern. Nach 547 Auslieferungen bis Ende September verbleiben dafür mehr als 320 Maschinen in den letzten drei Monaten des Jahres. Faury zufolge sind die Teams „vollständig mobilisiert für eine Aufholjagd zum Jahresende“.
Der Konzern hat zudem seine wichtigsten Finanzziele für dieses Jahr beibehalten. Aus dem Archiv geht hervor, dass Airbus bis Ende 2026 eine monatliche Produktionsrate zwischen 70 und 75 Schmalrumpfflugzeugen anstrebt, die sich ab 2027 bei 75 Maschinen stabilisieren soll. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt maßgeblich von der Lieferung der Triebwerke ab, die Faury als engsten Flaschenhals bezeichnet.
Kurz erklärt
- Bereinigtes EBIT: Gewinn vor Zinsen und Steuern, bereinigt um Sondereffekte – die von Airbus bevorzugte Kennzahl für die operative Ertragskraft.
- Lieferkette: Das Netz aus Zulieferern und Logistikpartnern, das Bauteile und Triebwerke für die Endmontage bereitstellt.
- Schmalrumpfflugzeug: Verkehrsflugzeug mit einem durchgehenden Kabinengang, typisch für Kurz- und Mittelstrecken.
- Breitrumpfflugzeug: Verkehrsflugzeug mit zwei Kabinengängen, das vor allem auf Langstrecken eingesetzt wird.
