ADP: 90.000 neue Jobs im September – US-Arbeitsmarkt überrascht positiv
Private Unternehmen schufen im September 90.000 Stellen und übertrafen damit die Wall-Street-Erwartungen von 68.000, wie ADP mitteilt.

Private Unternehmen in den USA haben im September 90.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das geht aus dem aktuellen Beschäftigungsbericht des Lohnabrechnungsunternehmens ADP hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Damit fiel der Zuwachs deutlich stärker aus als von den meisten Analysten erwartet. Die von Dow Jones ermittelte Konsensschätzung hatte bei lediglich 68.000 Stellen gelegen.
Zudem wurde der Wert für den Vormonat nach unten revidiert: Im August waren es nur 36.000 neue Stellen statt der zuvor gemeldeten Zahl. Der September-Wert markiert damit eine spürbare Beschleunigung gegenüber dem schwachen Vormonat. ADP-Chefökonomin Nela Richardson kommentierte die Entwicklung mit klaren Worten: „Es ist ein starker Bericht. Nach einer dreimonatigen Verlangsamung erholte sich die Jobschaffung, und das Lohnwachstum blieb solide."
Dienstleister und Warenproduzenten legen gleichermaßen zu
Bemerkenswert ist die Ausgewogenheit des Berichts: Dienstleister schufen 59.000 Stellen, während Produzenten von Waren 31.000 Arbeitsplätze beitrugen. Insgesamt deutet diese Verteilung darauf hin, dass die Einstellungsbereitschaft nicht nur auf einzelne Branchen beschränkt ist. Allerdings gab es auch klare Verlierer.
Bildung und Gesundheitsdienste führten die Schaffung von Arbeitsplätzen mit 55.000 Neueinstellungen an. Weitere Wachstumsbereiche waren das Freizeit- und Gastgewerbe mit 22.000 Stellen, die Fertigung mit 17.000 sowie das Bauwesen mit 15.000 neuen Arbeitsplätzen. Auf der anderen Seite verzeichneten die Finanzdienstleistungen mit minus 16.000 Stellen den stärksten Rückgang. Auch professionelle und geschäftliche Dienstleistungen bauten 11.000 Arbeitsplätze ab, während Rohstoffe und Bergbau einen leichten Rückgang von 1.000 Stellen verzeichneten.
Nach Unternehmensgröße betrachtet, entfiel ein großer Teil des Wachstums auf mittelständische Betriebe: Firmen mit zwischen 50 und 499 Mitarbeitern meldeten einen Zuwachs von 54.000 Stellen. Regional kam ein Großteil des Beschäftigungswachstums aus dem Nordosten der USA, der allein 56.000 Arbeitsplätze hinzufügte.
Auch beim Gehalt gab es Bewegung. Das Basisgehalt stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent, während das Bruttoentgelt um 4,7 Prozent zulegte. Das solide Lohnwachstum dürfte für die geldpolitischen Entscheidungsträger der Federal Reserve ein wichtiger Indikator bleiben.
Arbeitsmarkt stabil – Inflation bleibt das größere Risiko
Der Bericht bestätigt nach Einschätzung mehrerer Federal-Reserve-Beamten, dass der Arbeitsmarkt nach einer Wachstumsangst im Jahr 2025 weitgehend gesund ist. Die politischen Entscheidungsträger sehen das größere Risiko derzeit jedoch in der persistenten Inflation. Aus diesem Grund hatten die Zentralbanker die Leitzinsen Anfang September um einen viertel Prozentpunkt angehoben.
Der ADP-Bericht gilt als Vorläufer für den offiziellen Nonfarm-Payrolls-Bericht des US-Arbeitsministeriums, der am Freitag veröffentlicht wird. Der Konsens an der Wall Street rechnet dort mit einem Plus von 84.000 Arbeitsplätzen, nach einem Anstieg von 162.000 im Vormonat. Die Arbeitslosenquote soll derweil unverändert bei 4,1 Prozent bleiben.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung des US-Arbeitsmarkts von erheblicher Bedeutung. Er bestimmt maßgeblich den Kurs der US-Notenbank und damit die Richtung der globalen Finanzmärkte. Ein robuster Arbeitsmarkt mit solidem Lohnwachstum spricht tendenziell gegen schnelle Zinssenkungen und stützt den US-Dollar. Die am Freitag anstehenden offiziellen Zahlen dürften daher neue Impulse für Aktien- und Rentenmärkte liefern – ein Umfeld, das besonders für exportorientierte deutsche Unternehmen und den DAX relevant bleibt.
