Ackman treibt Fannie Mae und Freddie Mac an – Tech-Sektor unter Druck
Aussagen des Hedgefonds-Managers über ein Ende der Staatskontrolle beflügeln die Hypothekenriesen – der Nasdaq erlebt derweil den schwächsten Tag seit Juni.

Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac haben am Donnerstag deutlich zugelegt. Auslöser waren Äußerungen des Hedgefonds-Managers Bill Ackman in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Der Gründer und CEO von Pershing Square ist an beiden Unternehmen maßgeblich beteiligt und äußerte die Einschätzung, dass die beiden Hypothekenfinanzierer die staatliche Zwangsverwaltung noch vor dem Ende der Trump-Administration verlassen könnten.
Diese Perspektive deckt sich mit Positionen, die der Präsident bereits vor seiner Wiederwahl vertreten hatte. Anleger reagierten unmittelbar: Die Freddie-Mac-Aktie stieg um knapp 15 Prozent, Fannie Mae legte um 12,6 Prozent zu. Trotz dieser Rally bleiben beide Papiere deutlich unter ihren historischen Höchstständen und notieren rund 70 Prozent darunter.
Der Kurssprung der beiden staatlich geförderten Unternehmen (Government-Sponsored Enterprises, GSE) fiel in ein insgesamt turbulentes Marktumfeld. Der Nasdaq Composite verbuchte seinen schwächsten Handelstag seit Juni, getragen von einer scharfen Verkaufswelle im Technologiesektor. Der Halbleitersektor, abgebildet durch den VanEck Semiconductor ETF (SMH), verlor 6 Prozent.
Die Details
Die Schwäche im Chip-Bereich schlug sich auch international nieder. Der iShares MSCI South Korea ETF (EWY) fiel um knapp 5 Prozent, was auf die hohe Gewichtung von Chip- und Technologiewerten in diesem Index zurückzuführen ist. Südkoreas stellvertretender Premierminister Lee Hyoung-il zeigte sich dennoch zuversichtlich und erklärte, die Chip-Nachfrage dürfte bis 2027 robust bleiben.
Ein Gegenbeispiel lieferte Apple: Der Titel erreichte mit 348,22 US-Dollar ein neues Hoch und rückt damit bei der gesamten Marktkapitalisierung näher an Nvidia heran. Rückenwind kommt von der Erwartung rund um die Einführung des neuen „iPhone Duo" zum Preis von 2.000 US-Dollar. Western Digital hingegen verlor im nachbörslichen Handel 5 Prozent, obwohl das Unternehmen die Gewinnschätzungen für das erste Geschäftsquartal übertroffen hatte – ein Beleg für die derzeit ausgeprägte Risikoaversion der Anleger.
Eine Ausnahme von der Tech-Verkaufswelle bildete der Cybersecurity-Sektor. Der Amplify Cybersecurity ETF (HACK) schloss 0,4 Prozent höher. Hintergrund waren Berichte über eine weit verbreitete Sicherheitslücke im Code, der die Mehrheit der Websites antreibt. Check Point legte um 6 Prozent zu, Palo Alto Networks um 2,2 Prozent.
Ackman lieferte neben seiner Einschätzung zu Fannie Mae und Freddie Mac auch eine breitere makroökonomische Einordnung. Er beschrieb das aktuelle Umfeld als „booming market", der durch geopolitische Konflikte künstlich gebremst werde – namentlich den Russland-Ukraine-Krieg und den Iran-Krieg – sowie durch anhaltende Inflation und hohe Zinsen. Den Iran-Konflikt bezeichnete er als „extremely well-executed war" und vertrat die Auffassung, dass eine Lösung im Nahen Osten der US-Wirtschaft letztlich zugutekommen würde.
Als wesentlichen Inflationstreiber benannte Ackman steigende Energiekosten. Die US-Ölpreise seien 2026 um 72 Prozent gestiegen, Brent-Rohöl um 83 Prozent. Diese Kostenentwicklung bringt die US-Notenbank Federal Reserve in eine schwierige Lage: Die Verbraucherpreise lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahresniveau und entfernten sich damit weiter vom Inflationsziel der Fed von 2 Prozent.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die beiden Hypothekenfinanzierer sind für die Märkte kein unbeschriebenes Blatt. Bereits am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac am Freitag um etwa 12 Prozent eingebrochen waren. Der Ausverkauf setzte damals eine mehrtägige Verlustserie fort und dämpfte die Hoffnungen auf eine baldige Privatisierung. Von ihren Höchstständen im September hatten die Papiere seinerzeit mehr als 40 Prozent an Wert verloren, notierten im Jahresvergleich aber noch über 60 Prozent im Plus. Als Belastung galt die Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der Wohnungsbaupolitik unter Präsident Donald Trump sowie eine Direktive an die beiden Hypothekenriesen.
Auch die allgemeine Marktvolatilität ist ein wiederkehrendes Thema. Am 09.10.2026 berichtete aktien.news von einem volatilen Handelstag: Der Nasdaq Composite verzeichnete mit einem Minus von 1,3 Prozent den schlechtesten Handelstag seit August, der S&P 500 gab um 0,5 Prozent nach, während der Dow Jones Industrial Average ein leichtes Plus von 0,1 Prozent behauptete. Im Zentrum der Nervosität stand das hohe Zinsniveau. Der Wall-Street-Veteran David Zervos, damals neuer Berater im US-Finanzministerium, bezeichnete die Renditen für 10- und 30-jährige US-Staatsanleihen als „wirklich sehr hoch"; diese hatten zuletzt 24-Jahres-Höchststände erreicht.
Bereits am 07.04.2026 hatte aktien.news über eine Phase erhöhter Volatilität berichtet. In der Woche bis zum 7. April 2026 verzeichneten die wichtigsten Indizes ihre stärksten Rückgänge seit sieben Monaten. Der Nasdaq verbuchte für die Woche ein Minus von über 2 Prozent, besonders auffällig war der Einbruch bei der Softbank Group mit rund 20 Prozent innerhalb einer Woche – der stärkste wöchentliche Rückgang seit Beginn der Pandemie.
Zu Ackmans Engagement im Technologiesektor liegt ebenfalls ein früherer Bericht vor. Am 18.02.2026 meldete aktien.news, dass Pershing Square Ende 2025 eine neue Position im Facebook-Mutterkonzern Meta Platforms aufgebaut hatte. Die Beteiligung machte rund 10 Prozent des Fondskapitals aus, was etwa 2 Milliarden Dollar entspricht. Der Schritt erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem Meta-Aktien unter Druck standen und in den vorangegangenen sechs Monaten etwa 13 Prozent an Wert verloren hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind mehrere Punkte relevant. Erstens zeigt der Kurssprung bei Fannie Mae und Freddie Mac, wie stark diese Titel auf regulatorische und politische Signale reagieren – und nicht auf fundamentale Kennzahlen. Die hohe Sensitivität bedeutet auch ein hohes Risiko, wie der Einbruch vom Januar 2026 belegt.
Zweitens bleibt das Umfeld von Inflation und hohen Zinsen bestimmt. Die Verbraucherpreise in den USA lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahr, die Ölpreise sind deutlich gestiegen. Für Portfolios mit US-Technologiewerten ist die jüngste Verkaufswelle im Halbleitersektor ein Hinweis darauf, dass Bewertungsrisiken schnell sichtbar werden können.
Drittens lohnt der Blick auf die Differenzierung innerhalb des Technologiesektors: Während Chiphersteller und der breite Nasdaq unter Druck standen, erreichte Apple ein neues Hoch und der Cybersecurity-Sektor schloss im Plus. Ackman selbst bleibt gegenüber einzelnen Titeln wie Meta und Netflix optimistisch. Bei Meta, dessen Aktie trotz starker Ergebnisse und Umsatzprognosen um 6 Prozent fiel, wertet er den Rückgang als Ausdruck von Kurzfristigkeit gehebelter Marktteilnehmer. Die aggressiven Investitionen in KI-Infrastruktur hält er für eine notwendige Strategie, die langfristig zu einer Beschleunigung des Geschäfts führen soll. Netflix verteidigte er mit dem Argument, die Sorgen um die Inhalte-Bibliothek seien übertrieben; die Bewertung von 18-mal Gewinn sei historisch niedrig, und er erwartet ein Gewinnwachstum im mittleren bis hohen Teenager-Bereich auf absehbare Zeit.
Ausblick
Der Markt richtet den Blick auf die kommenden Quartalszahlen, darunter die von American Express. Anleger müssen dabei die Widerstandskraft einzelner Wachstumstitel gegen die makroökonomischen Belastungen durch Inflation und geopolitische Unsicherheit abwägen. Die plötzliche Bewegung bei Fannie Mae und Freddie Mac unterstreicht den anhaltenden Einfluss prominenter Investoren wie Bill Ackman, dessen langfristige These zu den beiden GSE ein zentraler Beobachtungspunkt für Marktteilnehmer bleibt, die auf regulatorische Verschiebungen in den kommenden Jahren warten.
Kurz erklärt
- Conservatorship: Staatliche Zwangsverwaltung, in der die Behörden die Kontrolle über ein Unternehmen übernehmen und dessen Geschäfte beaufsichtigen.
- GSE (Government-Sponsored Enterprise): Privatrechtlich organisierter Finanzierer, der vom US-Staat gefördert wird und Kredite für den Wohnungsmarkt bereitstellt.
- ETF: Börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index oder Sektors abbildet und wie eine Aktie gehandelt wird.
