ANZEIGE

US-Anleger optimistisch nach rückläufiger Inflation

Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

5 Min
US-Anleger optimistisch nach rückläufiger Inflation

Die US-Anleger sind weiterhin in Kauflaune, wie der Marktbericht zeigt. An der Wall Street konnte die Generalprobe vor dem morgigen Zinsentscheid der Notenbank erfolgreich gemeistert werden. Die positiven Reaktionen der Anleger resultierten aus den rückläufigen Inflationsdaten, die für Erleichterung sorgten und die Sorgen bezüglich steigender Zinsen milderten.

Der Rückgang der Inflation im Mai auf vier Prozent wurde von den Anlegern positiv aufgenommen. Diese Zahlen bestätigen ihre Einschätzung, dass die Federal Reserve (Fed) vorerst keine weiteren Zinserhöhungen vornehmen wird.

Trotz des Rückgangs bleibt die Inflation weiterhin hartnäckig über dem von der Fed festgelegten Ziel von zwei Prozent. Richard Flynn, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab, gibt zu bedenken, dass der Preisdruck sich im Vergleich zum Jahresanfang auf eine kleinere Anzahl von Bereichen beschränkt hat.

Die Kursgewinne an der Wall Street setzten sich fort, und alle großen Aktienindizes verzeichneten weitere Zugewinne. Der Leitindex Dow Jones stieg um 0,43 Prozent und schloss bei 34.212 Zählern. Besonders gut schnitten die technologielastigen Indizes ab: Der Nasdaq Composite-Index legte um 0,83 Prozent zu und der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,79 Prozent. Auch der marktbreite S&P-500-Index schloss mit einem Anstieg von 0,69 Prozent bei 4369 Punkten höher.

Allerdings gab es eine leichte Unruhe bei den Aktien des Technologieunternehmens Apple, das unter einem negativen Analystenkommentar litt. UBS-Analyst David Vogt strich seine Kaufempfehlung aufgrund maßgeblicher Nachfrageschwächen und einem hohen Bewertungsaufschlag im Vergleich zum S&P 500. Die Apple-Aktie schloss bei 183,31 Dollar mit einem leichten Rückgang von 0,26 Prozent.

Auch der deutsche Aktienmarkt reagierte positiv auf den Rückgang der US-Inflation im Mai. Der DAX startete mit Schwung in den Handel und erreichte zunächst sein Tageshoch bei 16.223 Punkten, das im späteren Verlauf noch leicht übertroffen wurde. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 16.230 Punkten, was einem Zugewinn von 0,83 Prozent entspricht. Trotz des inflationären Umfeldes und des bisher beispiellosen Zinszyklus der großen Notenbanken zeigt sich der DAX weiterhin robust. Auch der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, legte um 0,61 Prozent auf 27.473 Punkte zu.

Die kommende Woche steht ganz im Zeichen der Notenbanken: Die Federal Reserve wird morgen um 20:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) ihren Zinsentscheid bekanntgeben, gefolgt von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Die Bank of Japan wird die "Woche der Notenbanken" am Freitag abschließen. Von der EZB wird erwartet, dass sie die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöht, wobei sie im Zinszyklus noch hinter der Fed zurückliegt.

Die US-Verbraucherpreise sind im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,0 Prozent gestiegen und damit besser als erwartet ausgefallen. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 4,1 Prozent gerechnet, während die Rate im April noch bei 4,9 Prozent lag.

Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Kerninflation, die die Preise für Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt, mit einem Anstieg von 5,3 Prozent im Jahresvergleich weiterhin hoch. Die monatliche Kernrate von 0,4 Prozent könnte die US-Notenbank nicht beruhigen.

Es wird erwartet, dass die Fed im Juni nach zuvor zehn Zinserhöhungen eine Zinspause einlegt. Die US-Leitzinsen bewegen sich derzeit zwischen 5,00 und 5,25 Prozent. Das Inflationsziel der Fed von 2,00 Prozent ist noch in weiter Ferne, daher wird im Juli eine weitere Zinserhöhung erwartet.

Die Spekulationen der Anleger auf eine Zinspause der Fed belasten den Dollar, der gegenüber wichtigen Währungen etwas schwächer wird. Gleichzeitig stärkt sich der Euro und übersteigt zeitweise die Marke von 1,08 Dollar.

In Großbritannien deutet ein überraschend deutlicher Anstieg der Löhne um 7,2 Prozent auf eine weitere Zinserhöhung durch die Bank of England (BoE) in den kommenden Wochen hin. Die Zinsspekulationen führten zu einem Kursplus von 0,8 Prozent für das Pfund Sterling auf 1,2605 Dollar.

Die Ölpreise konnten sich heute erholen und die Verluste des Vortages ausgleichen. Die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um über 3,0 Prozent pro Barrel (159 Liter). Die Experten bezeichnen dies als Gegenbewegung aufgrund von Sorgen über eine schwächelnde Nachfrage in China bei gleichzeitig steigenden globalen Vorräten. Die People's Bank of China (PBoC) hat ihre Geldpolitik gelockert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Regierung in Peking plant angeblich weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur, was Hoffnungen auf eine steigende Rohstoffnachfrage aus China weckt.

Im DAX gehörte die Zalando-Aktie neben dem Tagessieger Adidas zu den größten Kursgewinnern. Der Stifel-Analyst Benjamin Kohnke empfiehlt den Anlegern, über den aktuellen Gegenwind hinwegzusehen. Er ist optimistisch, dass das E-Commerce-Volumen zum Jahresende wieder anziehen wird, und sieht daher im reduzierten Aktienkurs eine gute Einstiegsgelegenheit.

Auch die SAP-Aktie konnte positive Impulse verzeichnen. Der US-Rivale Oracle übertraf mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen, insbesondere im Bereich Cloud-Erlöse, die aufgrund des wachsenden Interesses an künstlicher Intelligenz um 54 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar stiegen. Oracle erzielte einen Gesamtgewinn von 3,3 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen berät laut Insidern über neue Ziele für den Autokonzern. Hintergrund ist der wachsende Konkurrenzdruck auf dem wichtigen chinesischen Markt. Die Investoren richten ihre Aufmerksamkeit auch auf den Kapitalmarkttag des Unternehmens in der kommenden Woche, bei dem sie Aufschluss über die Strategie des Konzernchefs Matthias Müller erwarten. Analysten drängen schon seit längerem darauf, dass Volkswagen seine strukturellen Probleme angeht und insbesondere die Software-Tochter Cariad erfolgreich positioniert.

Siemens plant den Bau eines neuen Werks für seine Industrieautomatisierungs-Sparte in Singapur. Das Investitionsvolumen wird auf eine niedrige dreistellige Millionensumme geschätzt. Das Werk soll dem Werk in Amberg, Bayern, ähneln und ebenso stark ausgelastet sein wie das Werk in Chengdu, China, wo Siemens seit zehn Jahren Steuerungstechnik für Maschinen und Anlagen produziert. Die Sparte Digital Industries, zu der die Automatisierungstechnik gehört, erlebt derzeit einen Auftragsboom.

Der Finanzinvestor Silver Lake möchte trotz des Scheiterns einer Mehrheitsübernahme weiterhin bei der Darmstädter Software AG einsteigen. Das ursprüngliche Angebot über 2,36 Milliarden Euro wurde nicht erfüllt. Silver Lake hat die Bedingung einer Mehrheitsbeteiligung aufgegeben und verlängert automatisch sein Angebot um zwei Wochen bis zum 28. Juni.

Die US-Handelsaufsicht FTC versucht, die Übernahme des Videospielanbieters Activision Blizzard durch Microsoft mit einem richterlichen Notbeschluss zu stoppen. Bereits im Dezember wurden rechtliche Schritte wegen Wettbewerbsbedenken eingeleitet, und nun hat die FTC einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, um den Abschluss des 69 Milliarden Dollar schweren Deals zu verhindern.

GeldpolitikInflationUSA

Meistgelesene News

  1. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  2. Bitcoin bei 63.591 Dollar – Volatilität auf Sechsmonatstief
  3. Nvidia-Ausblick treibt globale Märkte trotz makroökonomischer Risiken
  4. Lebensmittel- und Getränkeriesen kämpfen mit Lieferketten und Profitabilität
  5. N-Able-Aktie steigt nach Aufstockung des Rückkaufprogramms um 50 Mio. USD

Disclaimer