Wild Horse Nine: John Malkovich glänzt als plauderfreudiger CIA-Agent
Martin McDonaghs düster-witzige Caper-Komödie spielt 1973 in Santiago de Chile und kommt am 6. November in die Kinos.

Martin McDonagh ist zurück – und er bringt John Malkovich als CIA-Agenten mit. In „Wild Horse Nine" spielt Malkovich den altgedienten Agenten Chris Carlisle, der im Santiago de Chile des Jahres 1973 nicht aufhören kann, über seine vergangenen Einsätze zu plaudern. An seiner Seite agiert Sam Rockwell als CIA-Partner Lee Chesterfield. Der Film läuft ab dem 6. November in den Kinos in Großbritannien und den USA – das geht aus einer Filmkritik hervor, die in der Financial Times erschienen ist. McDonagh zeichnet für Drehbuch und Regie verantwortlich.
Die Handlung setzt in einem Jahr an, das Historiker als Wendepunkt registrieren: Chile hat gerade den linksgerichteten Präsidenten Salvador Allende gewählt. Carlisle und Chesterfield sitzen in dieser Gemengelage an einem Tisch mit zwei jungen Einheimischen, und Carlisle lässt den Satz fallen: „Genießen Sie ihn, solange Sie können." Chesterfield reagiert panisch und versucht, seinen Partner zum Schweigen zu bringen. Glücklicherweise, so heißt es in der Kritik, müssen die beiden noch ein Flugzeug erwischen – zur Osterinsel, der Heimat der berühmten Moai-Statuen.
Warum Carlisle seinen Partner überhaupt um Begleitung gebeten hat, bleibt zunächst offen. Nach und nach erfährt das Publikum, dass seine Redseligkeit die Aufmerksamkeit seiner Arbeitgeber auf sich gezogen hat. Die Kritik beschreibt das Geschehen als verbalen Slapstick, der immer weiterläuft. Carlisle trägt einen Porkpie-Hut und ein schelmisches Funkeln in den Augen – ein Erzähler, der die Abenteuer in Guatemala (1954), im Kongo (1960) und sogar in Dallas (1963) zum Besten gibt. Der ironische Einschub der Kritik dazu: Leider könnten auch US-Präsidenten unamerikanisch sein.
Wer eine Komödie über Figuren erwartet, die die mörderische Militärdiktatur Pinochets erst ermöglicht haben, bekommt eine klare Antwort: Ja, und der Film geht im weiteren Verlauf noch weitere tonale Risiken ein. Für McDonagh ist das Tabubrechen markentypisch – auf der Bühne und später in Filmen wie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" hat er, wie die Kritik anmerkt, schon lange Zuschauer verschreckt. Die Frage, wie sich bei einer bestimmten Zielgruppe besser Empörung auslösen ließe, als die CIA zur Zeit Allendes als zügellose Schurken zu zeigen, stellt die Kritik rhetorisch selbst.
Der Agentenchef entpuppt sich als Steve Buscemi, und Chris zeigt erste Anzeichen von Demenz
Vieles dreht sich wie so oft bei McDonagh um Gezänk zwischen zwei Männern, die aufeinander angewiesen sind. Wer das Gefühl kennt, es schon einmal gesehen zu haben, denkt der Kritik zufolge wahrscheinlich an „In Bruges" – ebenfalls zwei Ganoven, die gemeinsam sightseeing machen und streiten, unterwegs zu einem gefürchteten Boss. Dieser Teil des Stoffs wurde, so die Kritik, aus Harold Pinters „The Dumb Waiter" übernommen. Die Komödie ist durchgehend präsent und trifft nach Einschätzung des Rezensenten manchmal den Nerv.
Für Humor sorgen trockene Smalltalks über Käse und eine heikle Bemerkung über die Briten. Als der große Chef der Agentur auftaucht, stellt sich heraus, dass er von Steve Buscemi gespielt wird – was, wie der Kritiker trocken bemerkt, immer wohltuend ist. Die Lacher sind aber nicht die ganze Geschichte. Die unausgesprochene gegenseitige Zuneigung zwischen Chris und Lee trägt auch melancholische Züge. Früh erfährt das Publikum, dass der ältere Mann an Krebs im Endstadium leidet und erste Anzeichen von Demenz zeigt.
Die Kritik räumt ein, dass man das für einen noch flapsigeren Kunstgriff halten kann, als einen liebenswerten Mörder und Freund von Despoten zum unterhaltsamen Gesellschaftsspiel zu machen. Danach gehe es an die Herzlichkeit – und auch hier überzeuge das Drehbuch, weil Ausrufe über Leben und Tod mit flüsternder Anmut landen. McDonaghs vielleicht nützlichstes Geschenk sei ohnehin sein großartiges Gespür für Schauspieler.
Die Kritik bekennt freimütig, vergessen gehabt zu haben, wie gut Malkovich sein kann – gut genug, um die Prämisse eines liebenswerten Mörders beinahe zu verkaufen. Der Film wirft dabei die Frage auf, wie schmutzig die eigenen Hände werden dürfen, bevor die Chance auf den Himmel verspielt ist. Am Ende hat Chris in diesem späten Stadium das politische Licht erblickt, eine präzise, säurehaltige Rede unterstreicht den Punkt. McDonagh nimmt dann, trotz seines charakteristischen Unfugs, den einfachen Weg: Weder Gott noch das Publikum müssen seinen Bösewicht für weniger als einen Engel halten.
aktien.news hat 2026 mehrfach über Filmkritiken der Financial Times berichtet
Bereits am 15.05.2026 berichtete aktien.news über sechs Filme, die die FT-Redaktion in dieser Woche empfahl – darunter ein Werk von Steven Soderbergh über einen legendären Maler und eine Kunstrestauratorin sowie ein Film von László Nemes. Am 23.05.2026 folgte die Spionageserie „Ponies", in der Emilia Clarke und Haley Lu Richardson zwei amerikanische Frauen in Moskau spielen, während ihre Ehemänner als CIA-Offiziere in der Sowjetunion im Einsatz sind. Die Serie spielt 1976/1977 und kam nach ihrem US-Debüt Anfang 2025 nach Großbritannien.
Am 15.06.2026 stellte die FT ihre Sommerlektüre vor: acht Krimis und Thriller, ausgewählt von FT-Chefredakteurin Roula Khalaf und weiteren Kritikern, darunter Peter Haningtons Roman, der an Graham Greenes „Brighton Rock" anknüpft. Am 01.10.2026 schließlich ging es um „Digger", in dem Tom Cruise unter der Regie von Alejandro González Iñárritu einen lautstarken Ölmagnaten in einer hektischen schwarzen Klima-Komödie spielt, die den Menschen am Rande einer Katastrophe zeigt. Geheimdienst- und SpionageStoffe tauchen in dieser Auswahl also wiederholt auf – „Wild Horse Nine" setzt diese Linie fort.
Aus der Filmkritik ergibt sich kein direkter Finanzimpuls für Privatanleger
Die Kritik nennt weder Unternehmen noch Aktienticker noch Beträge; auch die erkannten Entitäten enthalten keine Finanzwerte. Für deutsche Privatanleger liefert der Text damit keinen unmittelbaren Anlass für Anlageentscheidungen. Der Beitrag ist Teil der Kultur- und Filmberichterstattung der Financial Times, aus der auch die hier zitierten Stücke stammen – darunter der Newsletter theFilmmyFT Digest, auf den die Kritik zu Beginn hinweist. Wer den Text als Stimmungsbild liest, erhält vor allem eine Einordnung des Regisseurs McDonagh und der schauspielerischen Leistung Malkovichs, nicht aber eine Einschätzung zu einzelnen Werten.
Der Kinostart ist für den 6. November in Großbritannien und den USA angesetzt
Die Kritik nennt als Termin den 6. November, an dem der Film in den Kinos in Großbritannien und den USA anläuft. Weitere Startmärkte, Einspielergebnisse oder eine Fortsetzung werden in dem Text nicht erwähnt; auch zu einem deutschen Kinostart macht die Quelle keine Angabe. Über die Kritik hinausgehende Erwartungen an die Vermarktung lassen sich aus dem vorliegenden Material nicht ableiten.
Drei Begriffe aus der Kritik brauchen eine kurze Einordnung
- Caper-Komödie: Ein Filmgenre, in dem eine Gruppe von Gaunern einen Plan verfolgt und die Spannung aus dessen Gelingen oder Scheitern entsteht.
- Gonzo: Ein Erzählstil, der bewusst subjektiv, überdreht und dicht am Geschehen berichtet.
- Moai: Die monumentalen Steinstatuen, für die die Osterinsel bekannt ist.
