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Wie ein Versicherungsprodukt den Boom von Private Credit antreibt

Ein scheinbar sicheres Anlageprodukt mit Marktrenditen ohne Verlustrisiko entpuppte sich für Anleger als enttäuschend – und bereicherte Private-Equity-Riesen.

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Wie ein Versicherungsprodukt den Boom von Private Credit antreibt

Sabrina Elliott erbte eine Summe Geld und wollte sie sicher anlegen. Ihr Schwiegersohn empfahl ihr ein Versicherungsprodukt, das verlockend klang: 40.000 US-Dollar investieren, an Kursgewinnen des Aktienmarkts partizipieren – und das ohne Verlustrisiko. Was folgte, ist ein Lehrstück über die Schattenseiten komplexer Finanzprodukte und die wachsende Macht von Private-Asset-Managern wie Apollo Global Management.

Das Produkt versprach Renditen, die an die Marktentwicklung gekoppelt waren. Der Preis dafür: eine Kapitalbindung von zwölf Jahren. Für viele Anleger klingt ein solches Angebot attraktiv – Teilhabe an Börsengewinnen, aber kein Risiko bei fallenden Kursen. Doch ein entscheidender Haken steckte im Kleingedruckten.

Der Haken im Kleingedruckten

Das hinter dem Produkt stehende Unternehmen Aviva behielt sich das Recht vor, den Anteil an den Marktgewinnen, den Elliott erhielt, regelmäßig zu senken. Genau das geschah – und zwar gleich zweimal. Der Auslöser: Aviva wurde von Athene übernommen, einem Versicherer, hinter dem der Private-Asset-Riese Apollo Global Management steht. Nach der Übernahme wurden die Konditionen für Elliott zweimal zu ihren Ungunsten angepasst.

Solche Produkte – in den USA als sogenannte Fixed Indexed Annuities bekannt – sind in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Baustein im Geschäftsmodell großer Private-Credit- und Private-Equity-Firmen geworden. Sie sammeln über Versicherungsgesellschaften langfristiges Kapital von Privatanlegern ein und investieren es anschließend in weniger liquide, aber renditestärkere Anlageklassen wie Private Credit. Der Anleger trägt dabei das Risiko reduzierter Beteiligungsquoten, während der Asset-Manager von einer stabilen, langfristigen Kapitalbasis profitiert.

Private Credit als Profiteur

Apollo Global Management steht exemplarisch für dieses Modell. Über die Versicherungstochter Athene gelingt es dem Konzern, Milliarden an Anlegergeldern einzusammeln und diese in alternative Anlagen zu lenken – fernab der klassischen Kapitalmärkte. Dieses Modell hat den Aufstieg von Private Credit in den vergangenen Jahren maßgeblich befeuert und ist mittlerweile in der gesamten Branche verbreitet.

Für Anleger wie Sabrina Elliott bedeutet das: Wenn die Police nach zwölf Jahren Laufzeit Ende 2023 auslief, fiel die tatsächlich erzielte annualisierte Rendite deutlich bescheidener aus als ursprünglich erhofft. Die genaue Endzahl geht aus dem vorliegenden Bericht nicht vollständig hervor, doch das Muster ist klar – die Konditionen wurden im Laufe der Zeit mehrfach verschlechtert.

Was deutsche Anleger daraus lernen können

Für deutsche Privatanleger ist dieses Beispiel aus den USA durchaus relevant. Auch hierzulande existieren Produkte, die Marktrenditen mit Kapitalschutz kombinieren – etwa bestimmte Indexzertifikate oder fondsgebundene Rentenversicherungen mit Garantiekomponenten. Entscheidend ist stets, welche Rechte sich der Anbieter vorbehält, die Konditionen im Laufe der Vertragslaufzeit zu verändern.

Folgende Punkte sollten Anleger bei solchen Produkten besonders kritisch prüfen:

  • Welche Rechte hat der Anbieter, die Partizipationsrate oder Obergrenzen (Caps) zu verändern?
  • Was passiert bei einem Eigentümerwechsel des Versicherers?
  • Wie lang ist die Kapitalbindungsfrist und welche Kosten entstehen bei vorzeitigem Ausstieg?
  • Wer steht letztlich hinter dem Produkt und welche Interessen verfolgt dieser Akteur?

Das Beispiel von Sabrina Elliott zeigt: Ein Produkt, das auf den ersten Blick sicher und attraktiv wirkt, kann durch vertraglich erlaubte Anpassungen im Laufe der Zeit erheblich an Attraktivität verlieren. Die Komplexität solcher Konstruktionen begünstigt dabei in erster Linie die Anbieter – und nicht die Anleger.

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