VOO und QQQM: Kaufen Sie dieselben Aktien doppelt?
Wer beide Indexfonds kombiniert, landet oft in einem konzentrierten, technologielastigen Portfolio – trotz vermeintlicher Streuung.

Viele Anleger glauben, mit dem Kauf verschiedener Indexfonds ihr Portfolio breit zu diversifizieren. Doch wer sowohl den Vanguard S&P 500 ETF (VOO) als auch den Invesco QQQM hält, könnte de facto dieselben Aktien doppelt kaufen. Der Grund liegt in der starken Überschneidung beider Indizes bei den größten Technologiewerten.
Der S&P 500 und der Nasdaq-100 – die jeweiligen Referenzindizes von VOO und QQQM – halten größtenteils denselben Mix aus bedeutenden Technologieunternehmen. Wer beide Fonds ins Depot legt, erhält damit keineswegs automatisch eine breitere Streuung, sondern verstärkt in vielen Fällen lediglich die Gewichtung derselben Werte. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das trotz mehrerer Fondspositionen stark auf einen einzigen Sektor konzentriert ist.
Dieses Phänomen ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem der modernen Indexfondslandschaft. Große Indexfonds sind heute stark auf dieselben wenigen Technologiewerte konzentriert – und das spiegelt sich direkt in den Portfolios von Millionen Privatanlegern wider.
Die Details
Das Kernproblem liegt in der Konstruktion der Indizes selbst. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq-100 sind marktkapitalisierungsgewichtet. Das bedeutet: Je größer ein Unternehmen, desto höher sein Anteil im Index. Da die größten börsennotierten Unternehmen der Welt heute überwiegend aus dem Technologiesektor stammen, dominieren diese Werte zwangsläufig beide Indizes.
Der Kauf von VOO und QQQM gleichzeitig führt damit nicht zu einer echten Risikostreuung über verschiedene Branchen oder Geschäftsmodelle. Stattdessen entsteht ein konzentriertes, technologielastiges Portfolio – auch wenn es auf dem Papier aus zwei verschiedenen Fonds besteht. Anleger, die glauben, mit dieser Kombination breiter aufgestellt zu sein, unterliegen einer Diversifikationsillusion.
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news in einem früheren Artikel über dieses strukturelle Problem: Ein Blick auf den Vanguard S&P 500 ETF (VOO) zeigt demnach, dass 38 Prozent seines Vermögens in Technologieaktien stecken und 37 Prozent auf die zehn größten Positionen des Index entfallen. Obwohl der Fonds Hunderte von Aktien hält, hängt seine Wertentwicklung damit stark von weniger als zehn Unternehmen ab.
Als mögliche Lösung nennt der Quelltext Dividenden-ETFs. Konkret werden der Schwab U.S. Dividend Equity ETF und der iShares Core Dividend Growth ETF als Alternativen angeführt. Diese Fonds könnten im Falle eines Abverkaufs im Technologiesektor eine bessere Diversifikation bieten, da sie typischerweise andere Sektoren und Unternehmensprofile abbilden als reine Marktkapitalisierungsindizes.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema Überschneidungen bei Indexfonds beschäftigt aktien.news bereits seit Monaten. Bereits am 13.07.2026 berichtete aktien.news, dass Indexfonds zwar sofortige Diversifizierung, niedrige Kosten und einfache Handhabung bieten, dass aber wer mehrere Indexfonds kombiniert, möglicherweise ein verstecktes Risiko übersieht: sogenannte Überschneidungen, auf Englisch „Overlapping". Als klassisches Beispiel wurde damals genannt, dass wer sowohl den SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) als auch den iShares Core S&P 500 ETF (IVV) besitzt, faktisch zweimal denselben Index hält.
Am 14.09.2026 vertiefte aktien.news das Thema mit Blick auf die Kombination von VOO und dem Vanguard Morningstar Growth ETF (VUG). In jenem Bericht wurde auch auf Daten von Goldman Sachs verwiesen, wonach im ersten Halbjahr 2026 mehr als eine Billion US-Dollar in in den USA gehandelte ETFs geflossen sind – ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres. Der enorme Kapitalzufluss in ETFs macht das Thema Überschneidungen damit für immer mehr Anleger relevant.
Am 28.09.2026 berichtete aktien.news zudem über den Vergleich zwischen dem Invesco QQQ ETF und dem Vanguard Growth ETF (VUG). Der QQQ erzielte demnach über 15 Jahre eine durchschnittliche jährliche Rendite von 20 Prozent, der VUG kam auf 17,5 Prozent im selben Zeitraum. Auch dieser Artikel verdeutlichte, dass scheinbar unterschiedliche Wachstumsfonds oft ähnliche Positionen halten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft klar: Die bloße Anzahl der gehaltenen ETFs sagt wenig über die tatsächliche Diversifikation eines Portfolios aus. Entscheidend ist, welche Wertpapiere die einzelnen Fonds tatsächlich halten und wie stark diese sich überschneiden. Wer VOO und QQQM kombiniert, sollte sich bewusst sein, dass er damit keine echte Risikostreuung über verschiedene Sektoren erzielt.
Ein Abverkauf im Technologiesektor würde ein solches Portfolio doppelt treffen – sowohl über den S&P 500-Anteil als auch über den Nasdaq-100-Anteil. Dividenden-ETFs wie der Schwab U.S. Dividend Equity ETF oder der iShares Core Dividend Growth ETF können laut Quelltext in einem solchen Szenario eine bessere Pufferung bieten, da sie andere Unternehmensprofile und Sektoren abdecken.
Anleger sollten vor dem Kauf eines weiteren ETFs prüfen, welche Aktien dieser Fonds tatsächlich enthält und ob diese bereits in bestehenden Positionen vertreten sind. Kostenlose Online-Tools zur Analyse von ETF-Überschneidungen können dabei helfen, die tatsächliche Zusammensetzung eines Portfolios zu verstehen.
Ausblick
Der Quelltext enthält keine konkreten Termine, Pläne oder Prognosen für die weitere Entwicklung der genannten ETFs oder Indizes. Die strukturelle Konzentration großer Indexfonds auf Technologiewerte ist jedoch ein anhaltender Trend, der sich aus der marktkapitalisierungsgewichteten Konstruktion dieser Indizes ergibt und solange bestehen bleibt, wie Technologieunternehmen die höchsten Börsenbewertungen aufweisen.
Kurz erklärt
- Überschneidung (Overlapping): Wenn mehrere Fonds im Portfolio dieselben Wertpapiere halten und dadurch keine echte Risikostreuung entsteht.
- Marktkapitalisierungsgewichtung: Ein Indexkonstruktionsprinzip, bei dem Unternehmen mit höherem Börsenwert einen größeren Anteil am Index erhalten.
- Dividenden-ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der gezielt Aktien von Unternehmen mit regelmäßigen Dividendenzahlungen bündelt und damit oft andere Sektoren abdeckt als reine Wachstumsindizes.
