Scottish Mortgage im Fokus: Vier Fragen zum Baillie-Gifford-Flaggschiff
Scottish Mortgage ist der beliebteste Investment Trust bei ii-Kunden – KI-Chancen und Zinserwartungen bestimmen den weiteren Weg.

Scottish Mortgage Ord (LSE: SMT), der Flaggschiff-Growth-Trust von Baillie Gifford, war im vergangenen Monat der meistgekaufte Investment Trust bei den Kunden von Interactive Investor (ii). Die Popularität kommt nicht von ungefähr: Der Trust verzeichnete in diesem Jahr starke Renditen und konnte seit 2023 allgemein deutliche Kursgewinne vorweisen.
Ein wesentlicher Treiber der diesjährigen Performance war eine frühe Position in Space Exploration Technologies Corp Class A (NASDAQ: SPCX). Damit hat das Management von Baillie Gifford einmal mehr bewiesen, dass es bereit ist, frühzeitig in Unternehmen zu investieren, die noch nicht im Mainstream angekommen sind – eine Strategie, die Scottish Mortgage seit Jahrzehnten prägt.
Dennoch stehen dem Trust grundlegende Fragen ins Haus: Wie stark ist die Abhängigkeit von den Gewinn- und Verlustchancen rund um Künstliche Intelligenz? Und welche Rolle spielen die erwarteten Zinserhöhungen für die künftige Entwicklung des Trusts? Diese Fragen beschäftigen Anleger und Analysten gleichermaßen.
Die Details
Scottish Mortgage ist als Investment Trust an der Londoner Börse (LSE) notiert und wird von Baillie Gifford verwaltet, einem der bekanntesten aktiven Fondsmanager Großbritanniens mit Sitz in Edinburgh. Der Trust investiert weltweit in Wachstumsunternehmen – sowohl in börsennotierte als auch in nicht börsennotierte Gesellschaften.
Die starken Renditen im laufenden Jahr 2026 sind laut dem Bericht von Interactive Investor maßgeblich auf die frühe Beteiligung an Space Exploration Technologies Corp Class A (NASDAQ: SPCX) zurückzuführen. Diese Position verdeutlicht den typischen Ansatz von Scottish Mortgage: frühzeitig in disruptive Unternehmen einzusteigen, bevor sie für die breite Masse der Investoren zugänglich werden.
Gleichzeitig ist der Trust stark von zwei übergeordneten Themen abhängig: erstens von der weiteren Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz (KI) und den damit verbundenen Gewinn- und Verlustchancen, zweitens von den Erwartungen an die Zinspolitik. Steigende Zinsen belasten typischerweise Wachstumsaktien, da zukünftige Gewinne bei höheren Zinssätzen stärker abgezinst werden – ein strukturelles Risiko für einen Growth-Trust wie Scottish Mortgage.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Marktumfeld für Investment Trusts war zuletzt alles andere als ruhig. Bereits am 4. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass der Baillie Gifford US Growth Trust vor einer entscheidenden Hauptversammlung steht: Der US-Hedgefonds Saba Capital Management hat drei eigene Mitarbeiter als Direktoren für die Jahreshauptversammlung am 23. Oktober nominiert. Sollten diese Kandidaten die aktuellen vier Vorstandsmitglieder ersetzen, könnten sie Baillie Gifford als Investmentmanager abberufen. Der Vorstand des Trusts hat den Aktionären einstimmig empfohlen, gegen diese Resolutionen zu stimmen.
Bereits am 24. September 2026 berichtete aktien.news, dass Saba Capital einen neuen Anlauf unternommen hat, um den Vorstand des Baillie Gifford US Growth Ord (LSE: USA) abzusetzen. Laut diesem Bericht hält Saba rund 30 % der USA-Anteile und ist damit einer der größten Anteilseigner. Es ist bereits der dritte Versuch des Aktivisten, die Kontrolle über den Trust zu erlangen – schon 2024 hatte Saba versucht, den Vorstand zu übernehmen.
Am 1. Oktober 2026 berichtete aktien.news zudem, dass der Sektor „Technology & Technology Innovation" der am besten performende Investment-Association-Sektor des laufenden Jahres ist. Bis zum 25. September lag er 34,1 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn, wie Berechnungen von Saltydog Investor zeigen. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig: Der Sektor hatte 2025 rund 15 Prozent zugelegt, machte zu Beginn des Jahres 2026 jedoch kaum Fortschritte und fiel im März deutlich.
Am 5. Oktober 2026 hielt Kolumnist Ian Cowie in seinem Bericht für Interactive Investor fest, dass das dritte Quartal 2026 für die meisten Investmenttrusts trotz zahlreicher Risikofaktoren profitabel war. Zu den belastenden Faktoren zählten steigende Staatsanleiherenditen, die aktuell auf ihrem höchsten Niveau seit der globalen Finanzkrise 2008 liegen, sowie die Zölle von US-Präsident Donald Trump.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die Scottish Mortgage im Depot halten oder einen Einstieg erwägen, sind vor allem zwei Aspekte relevant. Erstens: Der Trust ist kein breit diversifiziertes Produkt, sondern ein konzentriertes Wachstumsportfolio mit hoher Abhängigkeit von Technologie- und KI-Themen. Wer hier investiert, setzt bewusst auf langfristiges Wachstumspotenzial – und muss entsprechende Schwankungen aushalten können.
Zweitens zeigt das Umfeld bei anderen Baillie-Gifford-Produkten – insbesondere die anhaltenden Angriffe von Saba Capital auf den Baillie Gifford US Growth Trust – dass aktivistische Investoren den britischen Investment-Trust-Sektor zunehmend ins Visier nehmen. Scottish Mortgage selbst ist davon aktuell nicht direkt betroffen, doch das Thema verdeutlicht, dass auch etablierte Trusts nicht immun gegen externe Einflussnahme sind.
Die steigenden Staatsanleiherenditen, die laut Ian Cowies Bericht auf dem höchsten Niveau seit der globalen Finanzkrise 2008 liegen, stellen ein strukturelles Risiko für wachstumsorientierte Trusts wie Scottish Mortgage dar. Höhere Zinsen erhöhen die Hürde für Wachstumsunternehmen, deren Bewertungen stark von zukünftigen Gewinnen abhängen.
Ausblick
Die zentrale Frage für Scottish Mortgage bleibt, wie sich die KI-Gewinn- und Verlustchancen weiterentwickeln und welchen Kurs die Zinspolitik einschlägt. Beide Faktoren sind laut dem Bericht von Interactive Investor entscheidend für die weitere Entwicklung des Trusts. Konkrete Termine oder angekündigte Maßnahmen seitens Baillie Gifford nennt der Quelltext nicht.
Für den Baillie Gifford US Growth Trust steht hingegen ein konkretes Datum fest: Die Jahreshauptversammlung am 23. Oktober wird zeigen, ob Saba Capital seinen dritten Anlauf zur Übernahme des Vorstands erfolgreich gestalten kann – ein Ausgang, der die gesamte Baillie-Gifford-Fondsfamilie in den Blick der Öffentlichkeit rückt.
Kurz erklärt
- Growth-Trust: Ein Investment Trust, der vorrangig in Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial investiert, oft auf Kosten laufender Erträge.
- Nettoinventarwert (NAV): Der rechnerische Wert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich seiner Verbindlichkeiten, aufgeteilt auf die Anzahl der umlaufenden Anteile.
- Aktivistischer Investor: Ein Großaktionär, der durch gezielte Stimmrechtsausübung oder öffentlichen Druck Einfluss auf die Strategie oder Führung eines Unternehmens bzw. Fonds nimmt.
