WEF-Studie: Wirtschaftskonflikte lösen bewaffnete Konflikte als größtes Risiko ab
Handelskriege und geopolitische Spannungen dominieren die Risikowahrnehmung globaler Experten. Das zeigt die neue Studie des Weltwirtschaftsforums.

Die wirtschaftliche Konfrontation zwischen Staaten hat bewaffnete Konflikte als größtes globales Risiko abgelöst. Dies geht aus der jährlichen Risikowahrnehmungsstudie des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor, die am Mittwoch in London vorgestellt wurde. Über 1.300 internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wurden für die Erhebung befragt.
Handelskriege als neue Hauptbedrohung
Saadia Zahidi, Geschäftsführerin des WEF-Treffens in Davos, nannte steigende Zölle, Kontrollen ausländischer Investitionen und strengere Angebotskontrollen bei kritischen Mineralien als zentrale Beispiele. "Wirtschaftspolitische Instrumente werden im Wesentlichen zu Waffen, anstatt eine Grundlage für die Zusammenarbeit zu sein", erklärte sie auf einer Pressekonferenz. Die "America First"-Politik von US-Präsident Donald Trump hat zu einem starken Anstieg der US-Handelszölle weltweit geführt und die Spannungen zwischen den USA und China verschärft.
Umweltrisiken rutschen in Rangliste ab
Überraschend ist der Rückgang der Umweltbedenken in der kurzfristigen Risikowahrnehmung. Extreme Wetterereignisse fielen vom 2. auf den 4. Platz, Umweltverschmutzung vom 6. auf den 9. Platz. Die Besorgnis über kritische Veränderungen der Erdsysteme und den Verlust der biologischen Vielfalt sank um sieben beziehungsweise fünf Positionen. Allerdings zeigt die Langfristperspektive ein anderes Bild: Über einen Zehn-Jahres-Horizont betrachtet, belegen Umweltbedenken die ersten drei Plätze der größten Risiken.
KI-Governance wird zur Langzeitsorge
Die "negativen Folgen von KI-Technologien" rangieren im Zwei-Jahres-Horizont nur auf Platz 30, steigen aber im Zehn-Jahres-Horizont auf Platz 5. Zahidi betonte, dass sich die Bedenken vor allem auf unzureichende Steuerung der KI konzentrieren. Experten befürchten negative Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Gesellschaft und psychische Gesundheit. Zudem werde KI zunehmend als Waffe in der Kriegsführung eingesetzt.
Bedeutung für deutsche Anleger
Die Ergebnisse der WEF-Studie haben direkte Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen. Unternehmen, die stark vom internationalen Handel abhängig sind oder in Lieferketten mit kritischen Mineralien involviert sind, könnten unter verschärften geopolitischen Spannungen leiden. Gleichzeitig könnten Sektoren profitieren, die auf regionale Lieferketten und Energieunabhängigkeit setzen. Das jährliche WEF-Treffen in Davos beginnt nächste Woche und wird diese Themen weiter vertiefen.
